Bedeutende Funde aus der Keltenzeit

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Mi, 27. Juni 2018

Wyhl

Denkmalpflege informiert über Grabungsergebnisse in Wyhl.

WYHL. Im Baugebiet "Etterpfad" hat die Erschließung begonnen. Bevor dies möglich war, wurde fast das ganze vergangene Jahr nach Spuren früherer Zeiten im Boden gesucht. Zuerst haben die Archäologen sondiert, ob auf den rund zwei Hektar Fläche etwas zu finden ist. Man wurde fündig. Dann hat sich von Juli bis Dezember die Grabungsfirma Archäograph daran gemacht, die erwarteten Fundstellen freizulegen. Der Fund werde in die Geschichte eingehen, verkündete Gertrud Kuhnle von der Denkmalpflege in der Infoveranstaltung am Montag im Rathaus.

Nordöstlich von Wyhl haben die Kelten gesiedelt. In dem Bereich des Baugebiets, der untersucht wurde, haben die Archäologen 27 Vertiefungen von sogenannten Grubenhäusern freigelegt. Dies habe es bislang in der Region noch nicht gegeben und das Wissen um die keltische Besiedelung im fünften Jahrhundert sei begrenzt. Deshalb sprach Gertrud Kuhnle, die Nachfolgerin von Jutta Klug-Treppe bei der Freiburger Denkmalpflege, von einem Fund, der in die Geschichte eingeht. Sie nahm damit eine Vorlage von Melanie Zobl (Archäograph) auf. Diese musste bei zahlreichen Nachfragen aus den Reihen der großen Zahl an Zuhörern auf kommende Untersuchungen verwiesen. "An der Aufarbeitung hapert es", meinte Zobl und stellte in den Raum, dass vielleicht erst in zehn Jahren wissenschaftlich feststeht, was da gefunden wurde. Zobl begründete die Zeitspanne mit der Vielzahl an archäologischen Grabungen, die wegen des Baubooms gerade stattfinden. Kuhnle versicherte, dass wegen ihrer Bedeutung die Funde in absehbarer Zeit ausgewertet würden.

Zuerst erläuterte Grabungstechniker Diethard Tschoke die Untersuchungen, die von der Denkmalpflege selbst angestellt wurden. Zu Tage gekommen seien Fundamentgräben aus römischer Zeit. Das Gebäude stand damals teils im Bereich des heutigen Friedhofs, teils außerhalb. Von den Fundamenten, den Steinen, sei kaum noch etwas gefunden worden. Die wertvollen Steine wurden von den Wyhlern in der Zeit nach den Römern andernorts verbaut. Gefunden hat man auch einen Kabelbrunnen vom früheren Westwall. Er stellte den Zugang zu der damaligen Fernsprechleitung dar. Ans Tageslicht seien auch zahlreiche Hundegräber gekommen. Die seien aber aus der Neuzeit, so Tschoke. Ein Teil der Flächen, die nicht im direkten Erschließungsgebiet liegen, würden noch untersucht, kündigte Tschoke an.

Diverse Zeugnisse des dörflichen Lebens

Ein Fund, der die Datierung erleichtert, ist eine metallene Fibel, mit der früher die Gewänder zusammengehalten wurden. Diese Fibel aus dem fünften oder vierten Jahrhundert vor Christus, also aus der Latènezeit, wurde aus einem Stück gefertigt. Sie sei eine Mazarbotto-Fibel, so Zobel. Mazarbotto ist ein Dorf in Italien, wo neben den vergleichsweise gut erhaltenen Überresten einer etruskischen Stadt auch Keltengräber freigelegt wurden. Aus der Latènezeit stammen wohl auch die eingegrabenen Schalen. Wofür sie da waren, sei nicht bekannt, sagte Zobel. Bronzearmreifen, Schlacke, Spinnwirbel und Webgewichte zeugen vom damaligen dörflichen Leben.

Gefunden habe man auch ein Kinder-Doppelgrab, wohl aus der Jungsteinzeit. Eine steinerne Pfeilspitze kam aus dem Boden, wie auch eine Münze aus der Römerzeit. Die Zuordnung zu verschiedenen Kulturen zeigt, dass die fruchtbare Gegend am Rhein in verschiedenen Phasen besiedelt war.