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17. Juli 2017 11:13 Uhr

Mit Messer oder Machete

Zahl der Überfälle auf Geschäfte in Freiburg ist drastisch gestiegen

Fast wöchentlich wird in Freiburg ein Laden, eine Tankstelle oder ein Supermarkt ausgeraubt. Die Zahl der Überfälle ist im ersten Halbjahr 2017 jetzt schon höher als im gesamten letzten Jahr.

  1. In Freiburg hat die Zahl der Überfälle auf Geschäfte zugenommen. Foto: dpa

Diesen Mittwoch bedrohten zwei Unbekannte die Verkäuferin in einem Schreibwarengeschäft an der Merzhauser Straße, geraubt wurden allerdings nur Tabakwaren. Freitag vor einer Woche erbeutete eine Frau mehrere hundert Euro in einem Sonnenstudio in Zähringen. Schon im Juni hatte es ein Sonnenstudio erwischt und kurz davor ein Geschäft für Motorradkleidung im Stühlinger, wo ein Mann mit einem Messer die Herausgabe von Bargeld erzwang.

Im selben Monat bekamen auch eine Bäckerei und ein Wettbüro im Stühlinger Besuch sowie ein Juwelierladen in der Innenstadt, wo eine Frau mit Pfefferspray Schmuck erbeutete. Wenige Tage davor ereigneten sich zwei Überfälle auf Supermärkte im Stadtteil Betzenhausen. Und so zieht sich die Serie durch das ganze Halbjahr 2017 hindurch. Was Ziel und Methodik angeht, stechen dabei ein waschechter Banküberfall in Günterstal heraus sowie ein Raubversuch in einem Hotel im Stadtteil Haslach, wo der Täter mit einer Machete bewaffnet auftauchte.

Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor

Die Polizei gibt für 2017 noch keine Statistik heraus, meldet aber einen Anstieg für das Vorjahr und bestätigt, dass die Tendenz in diesem Halbjahr weiter nach oben zeigt. 2013 und 2014 hatten die Behörden jeweils sieben Geschäftsüberfälle registriert, 2015 gar nur fünf, im vergangenen Jahr dann aber schon 16. Eine Auswertung von Pressemitteilungen ergibt für das erst halb vergangene Jahr 2017 bereits eine Zahl von 20 Überfällen – hielte der Trend an, würden sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr also noch mal mehr als verdoppeln.

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Die Polizei hat die Häufung bemerkt, man arbeite daran, erklärt Polizeisprecher Dirk Klose. Ob es Erkenntnisse darüber gibt, dass Überfälle schlicht in Mode gekommen sind oder vielleicht nur wenige Täter für viele Raubzüge verantwortlich sind, dazu erfährt man von der Polizei bislang nichts. "Hierzu möchten wir aus aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit keine Stellung nehmen", sagt Klose. Eine Häufung von Fällen ist Pressemeldungen nach im Stühlinger festzustellen. "Ja, das ist der Brennpunkt", sagt ein von einem Überfall Betroffener, der aber nicht genannt werden will.

Kassiererin mit einer Soft-Air-Waffe bedroht

Im Fall eines Supermarkt-Überfalls am 1. Juni hat die Polizei inzwischen einen 15-Jährigen als Tatverdächtigen ausgemacht und verhaftet. Sein Mittäter von damals ist mutmaßlich auch für den Überfall auf einen Supermarkt in Weingarten am 7. Juni verantwortlich. Da hatte er die Kassiererin mit einer Soft-Air-Waffe bedroht, war aber von einem couragierten Kunden gestellt worden. Zwar vermutet man, dass bei so manchem Überfall falsche Waffen verwendet wurden, Polizeisprecher Klose rät aber zur Vorsicht.

"Viele Spielzeugwaffen sind heute von echten für den Laien, zumal in einer Stresssituation, kaum zu unterscheiden. Wir empfehlen grundsätzlich, darauf zu verzichten, sich dem Täter körperlich zu widersetzen und ihm lieber das Geld zu überlassen." Wichtig sei aber, sich das Aussehen des Täters und besondere Merkmale so gut wie möglich zu merken und die Polizei schnell zu informieren. "Eine gute Zeugenbeschreibung ist ein wichtiges Erfolgskriterium." Die Aufklärungsquote lag in den vergangenen Jahren zwischen 14 und 40 Prozent.

"Uns ist schon aufgefallen, dass der Handel in Freiburg ein Sicherheitsproblem hat", sagt Philipp Frese, Präsident des Einzelhandelsverbandes Südbaden. Das läge auch daran, dass sich die Wertmaßstäbe verschoben hätten. "Das Recht auf Eigentum genießt immer weniger Ansehen."
Quelle: Dieser Artikel erschien zuerst in unserer Wochenzeitung "Der Sonntag" am 16. Juli 2017

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Autor: Jens Kitzler, Der Sonntag