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05. Juli 2012
Zehn Künstler an drei Orten
Am Wochenende laden Kunstschaffende in Breisach, Niederrimsingen und Merdingen noch einmal in ihre Ateliers ein .
BREISACH/MERDINGEN. Nach einjähriger Pause findet wieder das Projekt "Offene Ateliers – 3 Orte – 10 Künstler" in Breisach, Niederrimsingen und Merdingen statt. Bereits am vergangenen Wochenende informierten sich zahlreiche Kunstfreunde über das Schaffen der Atelierbesitzer und den mit ihnen ausstellenden Gästen. Auch am kommenden Samstag und Sonntag, 7. und 8. Juli, öffnen sich die Türen der Ateliers, in denen man sich ohne Zeitnot umschauen und mit den Künstlern ins Gespräch kommen kann.
In der Kirchgasse 40 in Merdingen haben sich Sabine C. Herrschaft und Jürgen Burkhart 3 Künstlerkollegen eingeladen. Sie zeigen zusammen mit eigenen Arbeiten eine überaus breite Palette von Bildern, Skulpturen und Objekten. Da sind die aus Stahl und Stein herausgearbeiteten Plastiken des Bildhauers Ulrich Sälzle aus Forchheim am Kaiserstuhl. In ihrer geometrischen Strenge und den unterkühlten abstrakten Formen sind sie anschauliche Beispiele für die Synthese von Form, Material und Raum, den Basiselementen der modernen Bildenden Kunst.Werbung
Die Außenhaut von Findlingssteinen mit all ihren Bruchkanten und Einschüssen erhält Sälzle, auch wenn er aus ihnen quaderförmige Materialblöcke heraustrennt und dem schweren Gestein damit Transparenz und einen unerwarteten Formenkontrast schenkt. Die Freiburger Malerin Petra Blocksdorf zeigt farblich unterschiedsarm voneinander getrennte Interieur-Bilder. Durch Wände und Türen bleiben Durchblicke verschlossen. Es sind Bilder, die Fragen aufwerfen, ohne Antworten darauf zu geben. Als verschlüsselte Botschaften könnte man die Tierbilder der Malerin interpretieren. In einem Zwielicht zwischen Nacht und Tag hält sie die verschwommenen Konturen kaum benennbarer Vierbeiner fest: verhuscht, flüchtig und geheimnisvoll.
Edles wie Perlen und Edelsteine mit Unedlem wie Glas, Kunststoff und Draht verwendet die in Wittnau lebende Schmuckdesignerin Grit Schumacher für ihre Kettenkreationen. Eine Vermischung, die spielerische Lust an Formen und Materialien erkennen lässt, und die man wohl auch ironisch auffassen darf.
Filigrane, netzartige Holzarbeiten als Stelen oder Wandobjekte stellt der Merdinger Künstler Jürgen Burkhart her. Rebholz, Korkenzieherweide oder Glyzinie verwendet er dafür. Die Objekte koloriert er, manchmal auch mit Leuchtfarbe. Mit Einschnittstrukturen versehen und teilweise auch farblich abgesetzt schafft Burkhart Objekte aus alten Fundhölzern, die er mit der Säge bearbeitet. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Material und seiner freien, jedoch keineswegs formlosen künstlerischen Gestaltung strahlen diese unaufgeregten, aber spannungsgeladenen Arbeiten aus.
Spannung steckt auch in den viel beachteten Zündkerzen-Plastiken von Sabine C. Herrschaft. Das Frappierende an ihnen ist der Unterschied zwischen der federleichten Wirkung der Kunstwerke und ihrem tatsächlichen Gewicht, das selbst bei Kleinformaten beträchtlich ist. Erst kürzlich hat sich die Künstlerin wieder stärker der Malerei zugewandt. Hier experimentiert sie in Mischtechnik mit dem Wabenmuster, das für sie als verbindendes optisches Signal zwischen Natur und Industrie steht.
Mehrteilige Holzskulpturen, die wahlweise auseinandergenommen oder zusammengesetzt werden können, zeigt Manfred Dolde aus Niederrimsingen in dem Atelier in der Merdinger Straße 34, das er gemeinsam mit seiner Frau Michaela Höhlein-Dolde betreibt. Ihm geht es dabei um Transparenz, Materialstrukturen und Licht. Seine Objekte haben eine spielerische Kraft. Für die Herstellung seiner Bilder verwendet er Erdpigmente, Asche oder Kreiden. Immer wieder variiert Dolde die Pyramide als ein Grundthema, das ihm als Quell und Rahmen für seine künstlerische Kreativität dient.
Michaela Höhlein-Dolde orientiert sich in ihrer Aussage oft an organischen Formen. Etwa bei ihren lebhaften und ästhetisch stimmigen Textilskulpturen, deren abstrakte Figürlichkeit sie aus Textilien, Tapeten und Pappmaché formt. Schablonen-Graffitis, Papierschnitte, die teils geklebt oder genäht sind und mit Sprühlack versehen werden, sind von plakativer und aufregender Wirkung. Zurückhaltender und vielleicht deshalb noch anregender sind ihre von Tapeten- oder Stoffmustern inspirierten Bilder, deren Motive sie aus der organischen Form bezieht.
Als Gast stellt im Niederrimsinger Atelier die in Munzingen lebende Malerin Christine Bouchareb aus. Ihre großflächigen Bilder mit formreduzierten Motiven aus der Welt des Möbeldesigns und der Ikea-Kataloge sind eine spannende künstlerische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Wertverständnis von Wohnumfeld und Einrichtung in der Gegenwart. Mehr künstlerische Tiefe mag der Betrachter in 2 großen Gemälden erkennen, in denen die Malerin sehr gekonnt Kontraste mit Glanz- und Mattfarben sowie Licht und Schatten variiert und gegenüberstellt, und damit eine abstrakte Bilderwelt von hoher Intensität schafft.
"Bewegtes Land" ist das Thema, mit dem sich der Künstler Ari Nahor in seinem Atelier in der Zeppelinstraße 9 in Breisach schon seit einiger Zeit künstlerisch auseinandersetzt. In seinen neueren Arbeiten vermischen sich Fotografie und Malerei noch mehr als zuvor zu einer reizvollen Verbindung von Abbildungen. Dem Betrachter fällt es schwer, sie eindeutig zuzuordnen. Dennoch kann er Vertrautes und Fremdes in ihnen entdecken. Selbst auf den zweiten Blick wird jedoch nicht leicht erkennbar, ob Nahor seine Landschaftsbilder mit dem Bleistift oder der Kamera auf das schwere Büttenpapier gebracht hat. Aber die Bäume, Sträucher, Hänge, Böschungen und Hohlwege auf seinen Bildern lassen den Einfluss der Kaiserstuhl-Landschaft auf Nahors Arbeiten deutlich werden.
Als Gast stellt Ute Dreher Scherenschnitte aus, die in ihrer farbenreichen Gestaltung zu Ari Nahors Bildern kontrastieren. Offenkundig sind die Bezüge der in Straßburg lebenden Malerin zur asiatischen Kunst. Ihre oft geschichteten Scherenschnitte sind vorausgehende Arbeitsschritte für die Malereien und Zeichnungen von Ute Dreher.
Autor: Kai Kricheldorff





