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27. April 2014 17:07 Uhr

IG Pro Schiene feiert das Jubiläum

30 Jahre Volldampf für den Nahverkehr

Die IG Pro Schiene Wiesental hörte viele Komplimente bei der Feier zum 30. Geburtstag. Künftig wird der Fahrgastverband unter dem Namen "Pro Schiene Dreiland e.V." auftreten, weil der Aktionsradius ausgeweitet werden soll.

  1. Justizminister Rainer Stickelberger (links) war der Festredner beim 30. Geburtstag der IG Pro Schiene Wiesental. Foto: Edgar Steinfelder

ZELL. Auch wenn die IG Pro Schiene Wiesental mit ihren visionären Forderungen nach Ansicht einiger politischer Entscheidungsträger manchmal über die finanzierbaren (Schienen)-Stränge schlägt, so hat sie doch in den 30 Jahren ihres Bestehens beharrlich die Weichen für entscheidende Verbesserungen im Bahn- und Busverkehr im Wiesental und im Landkreis gestellt. Diese hervorragenden Leistungen wurden bei der Jubiläumsveranstaltung am Freitagabend im Zeller Textilmuseum gewürdigt.

Dem Vorsitzenden Karl Argast war es ein besonderes Anliegen, sich nach der musikalischen Eröffnung des Festakts durch das Kleinwiesentäler Gesangsduo "Spootschicht" bei den Mitstreitern und Personen des öffentlichen Lebens zu bedanken, die sich von Anfang an für die Belange der IG Pro Schiene Wiesental eingesetzt haben. So nannte er die langjährigen Wegbegleiter Diplom-Ingenieur Albert Schmidt aus Lörrach, Professor Klaus Dieter Oswald aus Weil und Christian Haefliger aus Basel, den ehemaligen Geschäftsführer von Regio Basiliensis, als die geistigen Väter der Regio-S-Bahn. Hilfreiche Unterstützung habe man auch vom 2010 verstorbenen ehemaligen Staatssekretär Peter Reinelt und dem ehemaligen Landtagsabgeordneten Martin Zeiher erfahren. Ganz besonders freute sich Argast, dass auch die Gründungsmitglieder Heinz Helgert und Hausens Altbürgermeister Karl Heinz Vogt anwesend sein konnten.

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Welche Bedeutung die Bahntrasse von Basel bis Zell seit 1889 für die Textilindustrie des Wiesentals hatte, stellte Andreas Müller, der zweite Vorsitzende des Textilmuseums Zell in einem interessanten geschichtlichen Rückblick heraus. Man feiere das 30-jährige Jubiläum zwar in einem Museum, Pro Schiene Dreiland sei aber kein Auslaufmodell, sondern habe noch eine lange und erfolgreiche Zukunft vor sich, so seine richtungsweisende Prognose.

Die IG Pro Schiene habe eine Erfolgsgeschichte für den öffentlichen Personen-Nahverkehr im ländlichen Raum geschrieben, meinte der baden-württembergische Justizminister und Festredner Rainer Stickelberger. Nach Stilllegung der Bahnstrecke von Schopfheim nach Bad Säckingen im Jahre 1973 habe die Angst kursiert, dass auch die Verbindung von Schopfheim nach Zell gekappt werden könnte, so der Minister. Damals hätten Zeller Schüler unter der Regie des damaligen Konrektors der Montfort-Realschule, Rolf-Axel Schneider, und des Redaktionsleiters der Badischen Zeitung in Zell, Hubert Döbele, den Zeller Bahnhof renoviert. Ehrenbürger Hans Fräulin sei es gelungen, die Bahnhofanlagen unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Man habe wieder auf den Fortbestand des Bahnhofs hoffen können. Doch schon zehn Jahre später seien nach der Schließung der Bahnhöfe Fahrnau und Hausen abermals Befürchtungen hoch gekommen. Dies sei die Initialzündung für die Gründung einer Bürgerinitiative Pro Schiene gewesen, die dann 1992 zum Verein IG Pro Schiene umgewandelt werden musste, um die Mitarbeiter des Zeller Bahnhofs zu schützen. Seien ihnen doch wegen ihres Engagements bei Pro Schiene von der Deutschen Bahn Disziplinarstrafen angedroht worden. Trotz herber Rückschläge habe sich die IG Pro Schiene nie unterkriegen lassen. Mit heute 100 Mitgliedern sei sie nach wie vor äußerst aktiv. Sein Dank gelte dem Vorsitzenden Karl Argast und seinem Stellvertreter Jost F. Noller, die den Verein mit Mut, Engagement und Weitblick leiten. Den Gründungsmitgliedern Heinz Helgert und Karl Heinz Vogt überreichte der Minister einen Präsentkorb.

Sehr beeindruckend war die von Schriftführerin Silvia Waßmer und Pressereferent Daniel König präsentierte Präsentation über 30 Jahre Pro Schiene. Die Referenten verstanden es glänzend, die Festgäste umfassend über die Arbeit und die künftigen Vorhaben zu informieren.

Weil der Aktionsradius der IG Pro Schiene auch auf die Nordwestschweiz und das Elsass ausgeweitet werden soll, haben die Vorstandsmitglieder nach einem Namenswettbewerb entschieden, künftig als "Pro Schiene Dreiland e.V." aufzutreten, wobei noch im Mai die Vereinseintragung erfolgen soll. Am Jubiläumsabend durften die Gewinner des Namenswettbewerbs ihre Preise in Empfang nehmen. Der erste Preis ging an Brigitte Waßmer aus Zell, die nächsten Preise an Egon Wenk aus Rheinfelden und Günther Klebes aus Erlangen.

Schließlich kamen noch einige Gratulanten zu Wort. Zells Bürgermeister Rudolf Rümmele bezeichnete den Verein Pro Schiene Dreiland als Interessenvertreter der Menschen im ländlichen Raum und ermutigte die Vorstandschaft, weiterhin ihre fortschrittlichen Ideen einzubringen. Der Bundestagsabgeordnete Armin Schuster wünschte dem Verein für die Zukunft viel Erfolg. Wenn auch nicht alle Wünsche zu erfüllen seien, sollte man nicht nachlassen, Extremanforderungen an den öffentlichen Nahverkehr zu stellen, meinte er. Pro Schiene solle sich über das Erreichte freuen und sich für die Zukunft neue Ziele vornehmen, so Bürgermeisterstellvertreter Elmar Vogt aus Hausen. Er hoffe, dass die längst überfälligen Spätverbindungen von Schopfheim bis Zell noch in diesem Jahr zustande kommen können. In Gedichtform überbrachte der Vertreter der Nahverkehrsinitiative Kandertal seine Glückwünsche und auch Peter Bauer vom Zeller Bergland Tourismus gratulierte dem Jubiläumsverein.

Autor: Edgar Steinfelder