Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
30. Mai 2009
Aktiv mit 65: "Ich kann einfach nicht rumstehen"
BZ-Serie: Jung und Alt stellt sich zur Wahl (4): Roland Ühlin (65) ist ältester Kandidat für den Gemeinderat Zell
ZELL (rbr). Mit 65 Jahren ist der selbstständige Techniker Roland Ühlin der älteste Bewerber um einen der 18 Plätze im Zeller Stadtrat bei der Kommunalwahl am 7. Juni. Roland Ühlin steht auf der Liste der Freien Wähler und er nimmt das mit dem "Frei" im Namen der Liste, auf der er kandidiert, ausgesprochen ernst. Warum es ihn nach einigen Jahren des Wirkens im Hintergrund der Freien Wähler jetzt im besten Rentenalter reizt, in der Kommunalpolitik aktiv zu werden, hat er der Badischen Zeitung erklärt.
"Ich kann einfach nicht rumstehen", sagt Roland Ühlin im Büro seiner Firma RZ Hydrauliks auf dem Benninger-Areal in der Schopfheimer Straße. Zum Stillstand aber ist Ühlin zu einem guten Teil verdammt, seit seinem kleinen, von der Automobilindustrie abhängigen Unternehmen im Zuge der Wirtschaftskrise die Aufträge weggebrochen sind. Der Chef sitzt als einziger im Büro, denn die beiden Angestellten arbeiten seit Wochen kurz und die Produktionshalle unten im Erdgeschoss ist verwaist. Roland Ühlin nutzt die Zeit, um sich im Technischen Zeichnen am Computer weiterzubilden. Und er nutzt sie als Vorbereitung für den späten Einstieg in die aktive Zeller Kommunalpolitik.
Werbung
Otto Waßmer, der legendäre FW-Vorsitzende in Zell, hat Roland Ühlin einst zu den Freien Wählern in seiner Heimatstadt gebracht. Ihn habe fasziniert, so erzählt Ühlin, wie die Freien Wähler bei ihren traditionellen Versammlungen vor den Zeller Ratssitzungen alle Themen stets ziemlich kontrovers und ohne Zwang zur politischen Rücksichtnahme diskutierten.
Und auch die Tatsache, dass die Bürger ihre Mandatsträger sehr oft mit klaren Vorgaben in die Sitzungen schickten, gefiel Ühlin. Und so heuerte er eines Tages selbst bei den Freien Wählern an. In den Zeller Gemeinderat hat es Roland Ühlin indes nie gedrängt. In den letzten Jahren war er mehr für die Arbeit im Hintergrund zuständig, im FW-Vorstand ist er seit einiger Zeit Beisitzer "Ich bin nicht sehr stadtbekannt", weiß Ühlin. Jetzt aber, wo mit dem Abgang von Bernd Waßmer und Walter Rümmele zwei bekannte FW-Räte den Zeller Stadtrat verlassen, wurde Ühlin gebeten, sich auf die Liste setzen zu lassen. Und er sagte gerne "Ja". Die wichtigsten politischen Themen der Schwanenstadt sind Roland Ühlin natürlich geläufig. Der begeisterte Schwimmer und Wanderer ist für den Erhalt des Schwimmbads in seiner jetzigen Form. Für Zell wichtig sei auch der Erhalt und Ausbau der städtischen Infrastruktur und der Zugverbindungen am späten Abend. Dafür dürfte Roland Ühlin auch in den anderen Fraktionen Mitstreiter finden.
Fürs defizitäre Städtische Krankenhaus fordert er, "dass da endlich die Bezuschussung aufhört". "Man kann dieses Geld vom Stadtsäckel auch ganz anders einsetzen" . Die Stadt müsse konsequent sein, selbst wenn dies bedeuten sollte, dass die Zeller Klinik in der heutigen Form nicht mehr weiter bestünde. Überhaupt gelte es, in wirtschaftlich engen Zeiten mit den Finanzen vernünftig umzugehen und "die Beträge richtig zu platzieren".
Für Roland Ühlin ganz klar ist, dass der Gemeinderat "ein ganz wichtiges Organ für die Zeller Bürger ist." Dessen Mitglieder hätten "die Aufgabe, den Bürgermeister zu kontrollieren". Und ein Bürgermeister dürfe sich der Kontrolle dann auch nicht entziehen.
Autor: rbr


