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11. August 2017

Fasnachtsfreude im Keller

Hürusse erteilen Schankerlaubnis im "Kranz" in Zell.

  1. Schankerlaubnis von höchster fasnächtlicher Stelle: Die Zeller Hürusse überreichen Wirt Massimo Clissa die Urkunde. Foto: uli merkle

ZELL (BZ). Was ein Hürus ist, weiß in Zell jedes Kind. Dass der Hürus als Regent der Zeller Fasnacht zwischen dem "Ölfte Ölfte" und dem Aschermittwoch des Folgejahres im Mittelpunkt des fasnächtlichen Geschehens steht, ist jedem Zeller klar. Dass ein Hürus aber auch an heißen Sommertagen Verpflichtungen hat, ist hingegen nicht jedem bekannt.

Die Figur des Hürus’ geht auf die ehemaligen Adligen zurück, die über Jahrhunderte als Meier das Sagen über Zell hatten und deren Aufgabe es war, die Abgaben der Zeller an das Kloster Säckingen einzutreiben. Auch waren sie für die einfache Gerichtsbarkeit zuständig, sorgten also als Richter dafür, dass kleinere Vergehen, vom Hühnerdiebstahl bis zur Nichteinhaltung von Sperrstunden, geahndet wurden. Auch die Zeller Wirte mussten dem jeweiligen Hürus über ihre Geschäfte Rechenschaft ablegen und bei Unstimmigkeiten oder Mauscheleien mit dem Entzug der Schankerlaubnis rechnen. Dieser Verpflichtung bewusst, haben sich jetzt Hürus Dieter vo de Kirchstroß und 15 seiner Vorgänger in den Zeller Untergrund begeben. Auf engen Steinstufen stiegen sie hinab in das Kellergewölbe des ehemaligen Gasthauses Kranz. Dort inspizierten sie sowohl die Weinbestände als auch die Räumlichkeiten tief unter dem Zeller Latschariplatz. Das "Gasthaus zum Kranz" wurde 1805 eröffnet. Der Saal vom Kranz war ab den 1900er-Jahren mit der größte Wirtshaussaal in Zell, indem an Fasnacht regelmäßig Veranstaltungen durchgeführt wurden.

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Auf der "Chranzstapfle" hat 1949 quasi die Zeller Nachkriegs-Fasnacht begonnen. Die Grönländer trauten sich, dort einen Fasnachtsumzug zu organisieren, obwohl jegliche Art von Versammlungen von der französischen Besatzungsmacht verboten war. Nachdem im Grönland der Umzug ohne Einschreiten des Militärs durchgeführt werden konnte, machten sie sich mit ihren Umzugswagen nebst einem Fasnachtsprinzen auf ins Zeller Städtli. Die französische Besatzungskompanie hatte ihre Kommandantur im Kranz eingerichtet. Der Kommandant und sein Offizierscorps schauten von der "Chranzstapfle" aus irritiert zu, als der Grönländer Fasnachtsumzug um den "Latschi" bog: Ist das ein Aufstand? Was sollte er machen? Er zog sich in die Gaststube zurück und hoffte, dass sich der Spuk von alleine wieder auflöst. So konnten die Zeller ihre erste Fasnacht nach dem Krieg feiern.

Seit 15 Jahren führt Massimo Clissa den Kranz als Pizzeria Escopazzo. Nun hat er aus dem ehemaligen Keller eine rustikalen Weinkeller gemacht – "La Grotta". Bei einem Besuch prüften die Zeller Hürusse die verschiedenen Weinsorten und erteilten Massimo Clissa die Schankerlaubnis der edlen Herren von Altenstein.

Dieser nahm sie gerührt entgegen und freut sich, seine "La Grotta" am 1. September 2017 nun mit Wohlwollen von höchster fasnächtlicher Stelle eröffnen zu dürfen.

Autor: bz