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10. November 2014

"Mir Zeller hän für alles e Lösig"

Beim "Ölfte Ölfte" in der Stadthalle beziehungsweise dem (Narren-)"Zirkus Holladio" ging’s am Samstag hoch her.

  1. Latscharisänger, Fanfarenzug und Matthias Agostini als Immobilienmakler Edwin Kiefer samt Hundeli. Foto: Silke Hartenstein

  2. Ganz schön ausgekocht: Das Motto der Zeller Kampagne. Foto: Silke Hartenstein

  3. Ehrung: Das neue Ehrenmitglied Udo Bauer und Petra Behringer in Vertretung von Klärle Behringer. Foto: Silke Hartenstein

  4. Ehrung: Rainer Wassmer wird von Mauthe zum Ehrenzunftrat ernannt. Foto: Silke Hartenstein

  5. Wer ist denn nun der wahre Ringerchampion? Das musste bei „Sag die Wahrheit“ herausgefunden werden. Foto: Silke Hartenstein

  6. Der Narrensamen eröffnete den Abend, vorne Steffi Wassmer. Foto: Silke Hartenstein

  7. Zells neuer Regent Klaus Schultheiß alias Hürus Klaus, „de Chlampfer us em alte Bade“ . Foto: Silke Hartenstein

  8. „Atemlos“ wird Vizeweltmeister Oliver Hassler von Emily und Klara besungen. Foto: Silke Hartenstein

  9. Lustig ging’s zu beim Casting zu „Zells nägscht Top-Pagin“ : Sieger wurde letztlich Ex-Hürus Hürus „Jörg us em Paradies“ als „Bruce Darnell vo Zell“. Bild rechts: Tanz der Paginnen. Foto: Silke Hartenstein

  10. Foto: Silke Hartenstein

ZELL. "Bi uns sind alli willkomme in Zell, egal, ob im Gwand, im Häs oder im Fell!" Freundlich begrüßte der neue Hürus "Klaus, de Chlampfer us em alte Bade" die jubelnde Menge in der vollen Stadthalle. Lange hatten sich Zells Fasnächtler und ihre Gäste gedulden müssen, bis der neue Fastnachtsregent die Treppe hinunter schritt. Um ein Uhr war es soweit. Bis dahin jagte zügig ein Sketch den anderen – es ging hoch her im "Zirkus Holladio".

Für eine "Ruhepause" sorgte allenfalls der lange Auftritt der Zeller Noteknacker, die dem Narrenvolk vor dem Hüruseinmarsch einheizten. Hürus Klaus alias Klaus Schultheiss hatte sich schlau gemacht: "Was ich in de Hürus-Historie han gseh, ich bin de ältschte Hürus, wo’s jemals het geh", verkündete er und schlug folgerichtig Kurt Räuber als nächsten Hürus vor.

"Mengmol bruchsch

e gueti Chuttle"

Das Motto der neuen Kampagne
Zum letzten "Ölfte Ölfte" in der alten Halle kamen auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster und Landrätin Marion Dammann. Sie wurden von Conférencier Thomas Kaiser darum gebeten, in den Saal zu winken – gefolgt vom Kommentar: "So sieht’s aus, wenn die öffentliche Hand ins Leere greift." Kaiser brachte mit seinen knochentrocken präsentierten Sprüchen immer wieder die Zuschauer zum Lachen. Die Tage des vertrauten Erscheinungsbilds der Stadthalle seien gezählt, so Kaiser, doch der Stadtrat habe wie immer eine kluge Entscheidung getroffen: "Alle vier Wände werden entfernt, übrig bleibt nur das Dach." Mit Lachen lässt es sich leichter über den Dingen stehen. "Mengmol bruchsch e gueti Chuttle", heißt denn auch das neue Fasnachtsmotto, schwungvoll präsentiert von den Latscharisängern & Freunden – das Quintett hat jetzt mit Hürus Klaus einen ganz prominenten Gitarristen in den Reihen der neuen, fünf Mann starken Begleitband. Für schwungvolle Klänge sorgten auch Fanfarenzug und Stadtmusik.

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Zum Auftakt präsentierte der Narrensamen sich und eine prima Methode, heraus zu finden, wie viel Zahnpasta in einer Tube ist: "Die Zahnpasta längt vo de Badewanne bis zum Wohnzimmerschrank." Zunftabendregisseurin Andrea Kiefer und Jana Mond fragten sich als tanzende Showgirls, wer wohl der neue Hürus wird. Der zu dieser Zeit noch amtierende Hürus "Jörg us em Paradies" Jörg Muser wollte seinen Platz ganz vorne eindeutig nicht aufgeben. Beim Casting zu "Zells nägscht Top-Pagin" überzeugte er die Jury samt "Bätscher" als knödelndem "Bruce Darnell vo Zell" mit geschliffenem Bewerbungsschreiben und hübschem Pagen-Outfit. Frisch in Amt und Würden, legte Muser mit Hand an bei der Verleihung des sieben Kilo schweren "Schlamperordens an der Kette" an Christoph Rudiger und Thomas Mond – sie hatten ihre Zunftratsmäntel bei der Gresger Fasnacht verlegt. Klar war auch, wer noch Statthalter von Schopfheim ist. "Florian I. vo de Füchs" hätte sich aus Angst vor Rotweinflecken nicht getraut, sein Ornat anzulegen, verriet FGZ-Präsident Peter Mauthe, doch: "Mir Zeller hän für alles e Lösig." Prompt bekam der Statthalter ein Lätzchen umgelegt. Thomas Kaiser erinnerte in einer Doppelrolle an die Wiederauffrischung der deutsch-französischen Städtefreundschaft und begeisterte die Embruner mit "Bürgermeister Rudolf Rümmeles" geschliffener Rede, dazu "Dolmetscher Jean Seinturier": "S’het uns so guet gfalle, mir chömme bestimmt in zeh Johr wieder." Auch im Familienzirkus mit Elke, Lutz, Emiliy, Klara und Linus Hochstatter ging es um die Jumelagefeier mit der Stadtführung durch "Madame Pompadour" Heidi Knoblich: "Das wird gehe vite vite vite, denn viel zum Sehe git’s da nit."

Gut möglich, dass Vizeweltmeister Oliver Hassler dereinst Constanze Mozart den Rang ablaufen wird – "atemlos" wurde der berühmte Zeller Ringer von Emily und Klara besungen. Dem baldigen Ruhestand von Stadtpfarrer Franz Leppert widmete sich Zirkusdirektorin Elke Hochstatter. Leppert wolle sich mit seinem Umzug nach Atzenbach fortan um Menschen kümmern, die im Schatten stehen, verkündete sie und stimmte mit der ganzen Halle ein Trinklied auf den Pfarrer an. Wer Stadtpfarrer, Oliver Hassler und Immobilienmakler Edwin Kiefer war, mussten zwei Stadträte bei "Sag die Wahrheit" heraus finden, wer vom Edeka-Ehepaar Steinebrunner der schnellere war, erschloss sich rasch bei "In Zeller Läde bisch deheim". Während Alfons Steinebrunner (Daniel Kummerer) beim Spargelschälen die Späne fliegen ließ, sorgte seine Gattin (Andi Augustin) für Entschleunigung an der Kasse und schenkte den Wartenden viel Zeit zum Plaudern. Dafür ging es im Pflegeheim umso rascher zur Sache. Um zu sparen, wurde kurzerhand in der Reihe der emsig lästernden Senioren alles durchgereicht vom Waschlappen bis zur Zahnbürste. Zuletzt klang mit Tanzmusik der Steigerburschen am frühen Sonntagmorgen der "Ölfte Ölfte" aus.

Ehrungen

Die Fastnachtsgesellschaft Zell hat drei neue Ehrenmitglieder. Witzig, hintergründig, spontan und ehrlich habe Klärle Behringer, Mitbegründerin der "Zeller Alti" und langjährige Zunftabendakteurin, ihr Leben lang die Zeller Fasnacht bereichert, so FGZ-Präsident Peter Mauthe. Hierfür ernannte er Behringer zum zweiten weiblichen Ehrenmitglied in der Geschichte der FGZ – die 81-Jährige dürfe sich von jetzt an "Zeller Ehre-Alti" nennen.

Hürus, Zunftrat, Schrätteli und altbadischer Gresger Fasnächtler – seit 1980 ist Udo Bauer aktiver Fasnächtler, nun ist er Ehrenmitglied.

Zum Ehrenzunftrat ernannte Mauthe das "Urgestein der Zeller Fasnacht" Rainer Wassmer. Von Wassmers Anfangszeiten als Gaukler über seine unvergessenen Kommentare beim Altweiberrennen und ergreifenden Trauerreden zur Fasnachtsverbrennung prägte der Alt-Hürus, Zunftrat und Akteur am Ölfte Ölfte maßgeblich die Zeller Fasnacht.  

Autor: sil

Autor: Silke Hartenstein