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23. März 2010 00:02 Uhr
Vergeblicher Protest
Mobilfunk ist unaufhaltsam – selbst im Wiesental
Geht es nach den Bürgerinititiaven gegen Funkmasten, dürfte es im Wiesental kein Mobilfunk geben. Nie. BZ-Redakteur Wulf Rüskamp wundert sich über den ausdauernden Protest gegen neue Funkmasten.
Heute schon mit dem Handy telefoniert? Im Großen und im Kleinen Wiesental müssten die Menschen diese Frage glatt verneinen, ginge es nach der dortigen Bürgerinitiative gegen Mobilfunk. Für sie ist das alles Teufelszeug, dessen Strahlung krank macht. Solche Einwände haben die Mobilfunkunternehmen in ihrer Expansionslust bislang wenig bremsen können. Schrittweise haben sie ganz Deutschland mit Masten für den Digitalfunk überzogen. Wo ihnen das nicht gelang oder es sich nicht wirtschaftlich auszahlte, haben sie Funklöcher belassen – gerade in abgelegeneren Tälern des Schwarzwalds. Doch auch das Wiesental ist trotz der strengen Anschauungen der Bürgerinitiative nicht unerreichbar: Mit dem Handy zu telefonieren ist auch dort üblich.
Aber es gibt eben Funklöcher, und mit denen will und kann sich der Staat nicht abfinden. Denn er lässt gerade ein wirklich flächendeckendes Digitalfunknetz errichten, das die alte analoge Funktechnik ablösen soll. Nutznießer sind Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Dazu bedarf es neuer Funkmasten, darunter zwei im Gebiet der Stadt Schopfheim. Dummerweise befinden sich die beiden idealen Standorte auf städtischem Grund. Daher haben die Kommunalpolitiker ein Wörtchen mitzureden. Und dieses Wörtchen ist derzeit "Nein".
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Die Ortschafts- und Gemeinderäte zeigen sich beeindruckt von den Argumenten der Bürgerinitiative, obwohl diese andere Experten für unwissenschaftlich halten. Vor allem aber – und hier hören die Gegner der Windkraft sicherlich sehr gerne zu – passen die 40 Meter hohen Masten ihrer Ansicht nach nicht in die Landschaft. Am Dienstag Abend haben die Befürworter des neuen Funknetzes, voran die Polizei, Gelegenheit, den Schopfheimern ihren gegenteiligen Standpunkt zu erläutern – wobei niemand glaubt, dass es bei der angekündigten Bürgerinformation bleibt. Man rechnet vielmehr mit einem heftigen Schlagabtausch zum Mobilfunk. Der Anspruch der Gegner ist zudem hoch: Vom Wiesental aus stellen sie die bundesweit geplante Einführung des Digitalfunks für Polizei und Rettungsdienste in Frage.
Müssen sich also die Staatsvertreter warm anziehen für diese Veranstaltung? Die Fachleute lächeln da nur fein. Errichtete man die Funkmasten nämlich auf staatlichem Gelände, hätten die Kommunen nicht mitzureden. Kleiner Nachteil: Weil die Standorte dann nicht mehr so ideal wären, müsste man vielleicht zwei zusätzliche Masten aufstellen. Und weil sich deren Radien womöglich überschneiden, bekäme mancher Ort die doppelte Strahlenbelastung ab. Der scheinbare Erfolg der Mastengegner könnte sich also als Pleite erweisen. So oder so: Ein Funkloch wird das Wiesental nicht.
- Niederwihl: Anwohner scheitert mit Antrag gegen Funkmast
- Schopfheim: Antennen-Wildwuchs in Schopfheim
- St. Märgern: Kampf ums letzte Funkloch
Autor: Wulf Rüskamp
