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08. Februar 2012

Realschule rechnet noch mit Zuwachs

Erstes Zeller Montags-Forum zur Schulentwicklung / Eltern-Ängste und Unsicherheit wegen Gemeinschaftsschule.

ZELL. "In die Bevölkerung reinhören" will Bürgermeister Rümmele bei mehreren "Forums-Montagen" zur Veränderung der Schullandschaft. Dies soll dazu beitragen, die Entscheidung über eine Gemeinschaftsschule zum Schuljahr 2014/15 sorgfältig abzuwägen. Obwohl der neue Schultyp in Schopfheim schon 2012 startet, rechnet die Zeller Realschule im neuen Schuljahr noch eher mit einem Zuwachs.

Ein neuer Schultyp, neue Lernformen: Ängste und Unsicherheit wegen Art und Tempo der Veränderungen, die im Forum von Eltern geäußert wurden, scheinen momentan noch ein Festhalten am Bewährten zu bewirken. So berichtete Hermann Lederer, Konrektor der Montfort-Realschule, dass von 23 befragten Viertklässlern der Grundschule Wiechs, die in Zell zu Besuch waren, jeweils die Hälfte zur Realschule oder ins Gymnasium gehen wollen. Nur ein oder zwei Schüler hätten die Gemeinschaftsschule genannt. Wenn die Gemeinschaftsschulen Schopfheim und Schönau/Todtnau (Ziel 2013) Realschüler aus Zell abziehen, werde man aber reagieren müssen, sagte Bürgermeister Rümmele, obwohl er kein Befürworter der Gemeinschaftsschule sei. Entscheidend für die Schulwahl sei letztlich die Qualität, dann würden auch weitere Wege in Kauf genommen.

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Die Alternative zum Ausbau des bestehenden Zeller Schul-Verbunds wäre eine Gemeinschaftsschule "aus einem Guss" inklusive Sekundarstufe II (Klasse 1 bis 13) und dem G-9-Abitur als "Sahnehäubchen". Hier sieht die Stadt eine Chance. Kritik übte Rudolf Rümmele am Vorgehen des Landes, das die Nachbargemeinden nicht "wie schriftlich zugesagt" für einen regionalen Konsens ins Boot geholt habe.

"Vielleicht doch keine so großen Veränderungen"

Clemens Theilacker, Rektor der Gerhard-Jung-Schule, berichtete von Gesprächen mit Viertklässler-Eltern, wonach über 86 Prozent mit den (unverbindlichen) Grundschulempfehlungen einverstanden seien. Vielleicht gebe es doch keine so großen Veränderungen. Im Moment könne man jedenfalls nicht sagen, dass die Gemeinschaftsschule Schüler abzieht. Der Drang sei hier nicht so groß wie in den Orten ohne Realschule, deshalb könne Zell abwarten und sei mit seiner Realschule und der bewährten Werkrealschule Zell/Hausen gut aufgestellt. Auch Realschulrektor Rolf Leuger sieht die Gemeinschaftsschule mit "null Erfahrung" noch nicht als großen Renner. Die Realschule rechne momentan mit Zuwachs.

"Die Region muss ein G-9-Angebot bringen"

In Hausen, berichtete Rektor Dieter Walz, neigen die Eltern dazu, ihr Kind "lieber auf die klassische Realschule" zu schicken und hätten vor dem G 8 "etwas Angst". Wenn Eltern mit den Füßen abstimmen, könnte es sein, "dass die Realschule die Gemeinschaftsschule der Zukunft wird". Das dreigliedrige Schulsystem werde aber nicht zu halten sein.

Dieter Dietz, Elternbeiratsvorsitzender der MORZ, würde eine Gemeinschaftsschule mit Sekundarstufe II und dem G 9-Abitur bevorzugen. "Die Region muss ein solches Angebot bringen", ist auch Rudolf Rümmele überzeugt. Ungereimtheiten gibt es zur Mindestschülerzahl für die Eingangsklasse einer gymnasialen Oberstufe. Zu den Zweifeln einer Mutter, ob Zell genügend Schüler dafür hätte, erklärte Bürgermeister Rümmele, die Zahl 60 sei nicht fixiert, sondern nur "zur Verunsicherung gestreut" worden. Auch zwei Gruppen à 20 Schülern wären möglich.

Realschulrektor Rolf Leuger sagte ebenfalls, "60" würden nicht vorausgesetzt. Im Gesetzentwurf, widerspricht Gymnasiallehrer Joachim Schröder, sei diese Mindestzahl aber gefordert.

Sorgen bereitet Rachida Saadoui aus Hausen das Verschwinden der Halbtagesschule. In der Gemeinschaftsschule ist der Ganztagesbetrieb (8 Stunden an drei Tagen in Klasse 5-10) verbindlich, während es bisher eine offene Ganztagesschule gibt. Die Hälfte der Eltern hätte gerne eine Halbtagsschule und schrecke vor dem Ganztags-Zwang zurück, sagte eine Mutter.

Einar Decker (FW) meint, die Abschlüsse an der Gemeinschaftsschule würden nicht besser, sondern "eher eine Light-Version". Die andere Art des Lernens, so Clemens Theilacker, komme aber auf jeden Fall.

Autor: Hermann Jacob