ÜBRIGENS: Fasnächtliche Mathematik

Uli Merkle

Von Uli Merkle

Fr, 13. Januar 2017

Zell im Wiesental

Haben Sie schon mal die Länge einer Kreissehne in einem Kreissegment berechnet? Fragen Sie sich nun, was diese geometrische Aufgabe mit dem Zeller Freundschaftstreffen zu tun hat? Wenn dies zutrifft, brauchen Sie sich überhaupt nicht zu grämen. Kaum ein durchschnittlicher Fasnächtler muss sich mit solchen geometrischen Berechnungen befassen. Kaum einer, bis auf eine kleine, elitäre Truppe, die auf die Anweisungen eines gewissen Quick hört. Quick ist der Baumaufsteller-Bammert der Schönauer Narrenzunft.

Er und seine kraftstrotzenden Mannen werden es den Zellern zeigen und der Fastnachtsgesellschaft einen Narrenbaum schenken und aufstellen. Sie werden dafür sorgen, dass in Zell, zum ersten Mal in der 390-jährigen Fasnachtsgeschichte, überhaupt ein Narrenbaum stehen wird.

Und da beginnt auch schon die Rechnerei. Die Schönauer Baumsteller wären nicht die Schönauer Baumsteller, wäre da nicht der eiserne Wille, den Zeller Fasnachtsfreunden den größtmöglichen Baum ins Städtli zu stellen.

Dabei wird die Größe nur durch den verzwickten Transport von Schönau nach Zell limitiert. Da ist die Kurve beim Wühre-Loch. Dort muss der Baum durch. Nimmt man jetzt die Straßenmitte der halbwegs kreisförmigen Kurve als Radius und den im Mittelpunkt gemessenen Winkel von Kurvenbeginn bis Kurvenende als Mittelpunktwinkel Alpha an, ergibt die Kreissehne die Länge des Narrenbaumes. Kapiert?

Wenn nicht, reicht es vollkommen, wenn die Schönauer das hinbekommen. Die schaffen das. Im schlimmsten Fall gibt es ja noch Baumsägen...

Die Zeller kommen bei dieser Aktion allerdings auch nicht ganz ohne Mathematik aus. Die mussten nämlich das Fundament für den Narrenbaum ausheben und berechnen, wie viel Beton sie benötigen, um es mit selbigen auszugießen. Das war auch kein Problem: Länge mal Breite mal Tiefe minus Lochtiefe mal Baumdurchmesser, und schon hat man die Betonmenge. Das haben einige der Zeller Fasnächtler gelernt. Auf dem Gymnasium in Schönau – nicht in der Baumschule.