Zentrum für ambulante Diagnostik und Chirurgie im Stühlinger feiert 25-jähriges Bestehen

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 13. September 2018

Freiburg

Als die Praxisklinik im Stühlinger vor 25 Jahren, am 4. Januar 1993 an den Start ging, galten ihre Gründer bundesweit als Vorreiter – aber ihr Vorhaben wurde damals auch von so manchem Kenner der Gesundheitsbranche angezweifelt.

FREIBURG-STÜHLINGER. Als die Praxisklinik im Stühlinger vor 25 Jahren, am 4. Januar 1993 an den Start ging, galten ihre Gründer bundesweit als Vorreiter – aber ihr Vorhaben wurde damals auch von so manchem Kenner der Gesundheitsbranche angezweifelt. Heute gibt es hierzulande mehrere Dutzend Einrichtungen, die ihrem Modell entsprechen. Das Konzept, welches dahintersteckt, könnte künftig in der Gesundheitspolitik weiter an Bedeutung gewinnen.

Seit nunmehr 25 Jahren ist das Zentrum für ambulante Diagnostik und Chirurgie, wie die Praxisklinik sich nennt, in der Stühlingerstraße 24 im gleichnamigen Freiburger Stadtteil in Betrieb – und zählt heute zu den größten ihrer Art in ganz Baden-Württemberg.

Die Idee dazu hatten die Ärzte Hans-Joachim Krüger, Klaus Lowka und Martin Schwarz, die damals als Chirurgen an der Uniklinik tätig waren, sowie ihr Anästhesie-Kollege Jürgen Lambert, der damals ebenfalls an der Uniklinik beschäftigt war. 1989 gingen die ersten Gedankenspiele und Vorüberlegungen los. Schließlich gründeten sechs Ärzte, außer den vier bereits genannten noch der Chirurg Helmut Berenskötter und der Anästhesist Eckhard Maskos, die Praxisklinik. "Damals war das alles noch Neuland und wir mussten erst einmal die passenden juristischen und wirtschaftlichen Modalitäten austüfteln, unter uns Ärzten, aber auch gegenüber den Krankenkassen, den ärztlichen Standesorganisationen und dem Fiskus. Wir hatten Gott sei Dank gute Berater, die mit uns tragfähige Lösungen gestaltet haben", erinnern sich Jürgen Lambert und Klaus Lowka.

Breites chirurgisches Leistungsspektrum

Mittlerweile arbeiten in den insgesamt etwa 2000 Quadratmeter großen Räumlichkeiten 65 Fach-Krankenschwestern und medizinische Fachangestellte sowie zehn medizinische Fachangestellte in Ausbildung und bieten für Patienten medizinische Versorgung und Betreuung in verschiedenen Bereichen. Das Ärzteteam, das die Einrichtung in der heutigen Form betreibt, umfasst noch immer vier Fachärzte für Chirurgie und zwei Fachärzte für Anästhesiologie.

Für die Chirurgie verantwortlich sind Anja Mörder, Hans-Joachim Krüger, Philipp Zumfelde sowie Christoph Geiges, die Anästhesie vertreten Jürgen Lambert und Stefan Lorenz. Ende August 2018 hat Klaus Lowka seine Praxis an Christoph Geiges abgegeben, steht der Praxisklinik aber weiter als handchirurgischer Konsiliararzt und für Vertretungen zur Verfügung.

Das chirurgische Leistungsspektrum ist ausgesprochen breit. Als Spezialgebiete vertreten sind die Hand- und Fußchirurgie, die Hernienchirurgie, wozu insbesondere die Behandlung von Leistenbrüchen gehört, die Kinderchirurgie, die Proktologie, die sich mit Erkrankungen des Enddarms befasst, die Sportmedizin, die Unfallchirurgie, die Venenchirurgie sowie die Viszeral-, also die Bauchchirurgie. Belegärzte, welche die Infrastruktur der Praxisklinik nutzen, decken zusätzlich noch weitere medizinische Fachgebiete ab, beispielsweise die Augen- und Frauenheilkunde, die Orthopädie und die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Jährlich finden mehr als 7000 Operationen in der Praxisklinik statt, weit überwiegend im Sinne eines ambulanten Eingriffes. Das bedeutet: Die Patienten können nach dem Eingriff wieder nach Hause entlassen werden bei gewährleisteter ambulanter Weiterbehandlung durch den ihnen vertrauten Operateur. "Dass die Menschen in Freiburg und in der ganzen Region die Praxisklinik so gut annehmen, macht uns stolz", erklärt Mitbegründer Klaus Lowka.

Die Praxisklinik verfügt über fünf Operationssäle sowie 17 Aufwachraumbetten. Auch gibt es eine äußerst leistungsfähige, hochmoderne Sterilisationsabteilung, wie sie sonst nur in größeren Klinikbetrieben zu finden ist. Diese werde zunehmend auch von anderen niedergelassenen, operativ tätigen Ärzten zur Sterilisation ihrer Instrumente genutzt, sagt Lowka.

Hinter dem Konzept der Praxisklinik steht die Idee, dass es sinnvoll ist, wenn sich Ärzte Fachpersonal sowie teure Infrastruktur wie etwa Röntgenanlagen, OP-Ausstattung und IT-Systeme teilen. Wegen der erheblichen Einspareffekte gegenüber den Kostenträgern, also den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, steht das Modell bei Gesundheitspolitikern offenbar hoch im Kurs. So schrieb die Ärztezeitung im vergangenen Jahr, das Modell Praxisklinik erlebe eine "Renaissance". Ein Gutachten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung empfiehlt demnach ausdrücklich die Gründung von Praxiskliniken als "neue Lösung" bestehender Versorgungsprobleme.