Zeugen kriegerischer Zeiten

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Mi, 11. Oktober 2017

Lenzkirch

Schwarzwaldverein enthüllt neue Hinweistafel an der Franzosenschmiede in Kappel.

LENZKIRCH-KAPPEL (BZ/rys). Zusammen mit Freunden aus Frankreich hat der Schwarzwaldverein Lenzkirch am Sonntagnachmittag die Einweihung der Infotafel Franzosenschmiede beim Kappler Freibad begangen. Pünktlich zur Einweihung der neuen Infotafel Franzosenschmiede schaute auch die Sonne hinter den dunklen Wolken hervor. An einer Wegbiegung beim Freibad Kappel weist die Tafel auf ein Zeitzeugnis hin, das französische Truppen, die im 18. Jahrhundert dort lagerten, hinterlassen haben.

Zusammen mit den französischen Freunden aus Dambach la Ville im Elsass starteten die Wanderer des Schwarzwaldvereins Lenzkirch vom Kurhaus auf schönen Wegen nach Kappel. Ziel war die Franzosenschmiede am dortigen Freibad. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde dann die neu gestaltete Infotafel um 15 Uhr enthüllt.

Die Vorsitzende des Ortsvereins Lenzkirch, Doris Vogel gab einen kurzen Überblick zum geschichtlichen Hintergrund und dankte allen Beteiligten, die zum Gelingen der neuen Infotafel beigetragen haben.

Bürgermeister Reinhard Feser lobte den Einsatz des Schwarzwaldvereins für die Erhaltung der Kleindenkmale in der Gemeinde Lenzkirch.

Der Vorsitzende des Stiftungsrats der "Stiftung Natur- und Kulturlandschaft Schwarzwald", Eugen Dieterle, reiste eigens aus Wolfach an, um bei der Enthüllung der neuen Infotafel dabei zu sein. "Die Franzosenschmiede ist ein historisches, 218 Jahre altes Kleinod. Ich kenne im ganzen Schwarzwald nichts Vergleichbares". Dieterle betonte, dass persönliche Kontakte für die Herausbildung eines wirklichen Gemeinschaftsgefühls in Europa viel wichtiger sind, als politische Bekenntnisse.

Die Gegend des heutigen Naturparks Südschwarzwald wurde zwischen dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) und dem Jahr 1815 immer wieder zum Schauplatz blutiger Kriege. Während des zweiten Koalitionskrieges 1799 hatten französische Revolutionstruppen an den südöstlichen Abhängen des Hochfirsts ihre Lager aufgeschlagen. Sie errichteten Baracken aus Holz und Stroh.

Hier an dieser Stelle ist aus dieser Zeit noch der Ambossuntersatz mit Kühltrog der Feldschmiede der französischen Soldaten zu sehen. Beide Relikte sind mit Pflastersteinen umrandet und kommen so deutlich besser zur Geltung. Die französischen Militär- und Waffenschmiede nutzten wahrscheinlich den schon vor Ort vorhandenen großen Stein, machten daraus den Untersatz für den Amboss und meißelten einen Kühltrog hinein.

Die napoleonischen Truppen, die 1799 über den Rhein in den Schwarzwald eingefallen waren, hielten so die Linie Löffingen-Rötenbach-Neustadt und das untere Haslachtal bis Lenzkirch besetzt. Von der Haslach bis hinauf nach Kappel und an die östliche Flanke des Hochfirsts errichteten die französischen Soldaten damals Baracken aus Holz und Stroh. Von diesen Stellungen aus beraubten sie die Bewohner der benachbarten Orte.

Kolumban Kayser wird zum Volksheld

Bei Löffingen und Gündelwangen jedoch standen bereits die habsburgischen Truppen. Der Fürstenbergische Revierförster und Jäger Kolumban Kayser aus Lenzkirch bot den habsburgischen Truppen an, sie auf Schleichwegen an den Franzosen vorbeizuführen. Sein Angebot nahmen die österreichischen Befehlshaber an und Kayser führte ein komplettes 4000 Mann starkes österreichisches Infantriebatallion von Göschweiler durch die Wutach- und über die Lotenbachschlucht nach Grünwald und hinauf nach Kappel. So tauchten die Habsburger plötzlich vor den französischen Baracken auf. Der Überraschungseffekt gelang und es entwickelte sich ein mehrstündiges Gefecht am 4. April 1799 auf den Kappler Höhen. Schließlich gelang es, die französischen Soldaten über den Hochfirst nach Neustadt in die Flucht zu treiben. Wenige Tage später mussten sie auch ihre Stellungen in Neustadt und in Rötenbach aufgeben und sie zogen sich über den Hohlen Graben in den Breisgau zurück. Nicht nur in Lenzkirch wird seither Kolumban Kayser seither als Volksheld verehrt. Erzherzog Karl von Österreich verlieh ihm dafür die große österreichische Zivilehrenmedaille. So schildern die Historiker Roland Weis "Zeitreise zu fuß" und Detlef Herbner "200 Jahre zwischen Krieg und Frieden" das damalige dramatische Geschehen, von dem bis heute die Franzosenschmiede noch zeugt.

Nach der Enthüllung der neuen Tafel durch junge Mitglieder des Schwarzwaldvereins Lenzkirch stärkten sich die Wanderer noch bei Kaffee und Kuchen, bevor sie den Rückweg zum Kurhaus Lenzkirch antraten.