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01. Mai 2013 18:27 Uhr

Dauerhochkonjunktur

Zimmerleute und Dachdecker profitieren von Energiespar-Trend

Das Zimmermannshandwerk hat Dauerhochkonjunktur – vor allem weil der Staat Immobilienbesitzer zum Energiesparen drängt. Die Sanierungswelle ist für viele Betriebe zum Hauptumsatzbringer geworden.

  1. Nichts für Leute mit Höhenangst: Zimmerleute bei der Arbeit Foto: DPA

Bundesweit machen die Zimmerer etwa die Hälfte ihres Geschäfts mit Arbeiten im Bestand. Entsprechende Förderprogramme heizen die Nachfrage weiter an – ebenso die Furcht vor Inflation und das niedrige Zinsniveau. Investitionen in die eigenen vier Wände liegen im Trend – zur Freude der Zimmereien und auch der Dachdeckerbetriebe.

"Ohne die verschiedenen staatlichen Fördermöglichkeiten würden vermutlich viele unserer Aufträge im Sanierungsbereich wegfallen, eventuell bis zu 50 Prozent, schätze ich mal", sagt Franz Gremmelspacher. Der Zimmermeister führt einen Zimmereibetrieb mit 16 Mitarbeitern in St. Peter im Schwarzwald. Als er die Firma 1993 als Ein-Mann-Unternehmen gegründet habe, seien Sanierungsaufträge noch Nebensache gewesen, erinnert er sich. Das Aufrichten von Dachstühlen auf Massivhausneubauten hingegen sei regelmäßig vorgekommen.

Heute sieht die Situation völlig anders aus. "Seit acht Jahren haben wir keinen einzigen Dachstuhl mehr auf einen Massivneubau mehr gesetzt", berichtet der Unternehmer. In seinem Unternehmen machen Sanierungen nun rund 70 Prozent des Geschäftsvolumens aus – also sogar noch deutlich mehr als im Branchendurchschnitt. "Die Nachfrage hat sich stark gewandelt", sagt Gremmelspacher.

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Reputation durch Spezialisierung

Auch sein Unternehmen hat sich verändert. "Wir haben 1998 angefangen, Komplettleistungen aus einer Hand anzubieten, also den kompletten Hausbau in Holzständerbauweise oder die Komplettsanierung, einschließlich aller nötigen Arbeiten anderer Gewerke und gegebenenfalls auch der Architektenleistungen", erzählt der Firmenchef. Dazu arbeite man mit entsprechenden Partnerbetrieben zusammen. "Der Kunde erhält nur eine Rechnung, nämlich von uns, und in der Regel ein Festpreisangebot", erläutert Gremmelspacher.

Diese Neuausrichtung und Spezialisierung auf anspruchsvollere Aufträge habe sich ausgezahlt.

Zum einen habe man so die Folgen der Liberalisierungen durch die Handwerksreform im Jahr 2004 gut verkraftet. Seitdem habe der Wettbewerb gerade bei einfacheren Holzbauaufgaben stark zugenommen – etwa beim Montieren von Carports. Dies habe die Preise nach unten gedrückt.

Zum anderen besetze das Unternehmen nun eine gewisse Nische und habe sich so eine Reputation aufbauen können – was sich in einem florierenden Markt bezahlt mache. Gremmelspachers Jahresumsatz liegt aktuell bei 2,5 Millionen Euro, wobei 1,3 Millionen Euro an Subunternehmer weiterfließen. Aufträge gebe es zur Genüge.

Deutliches Umsatzplus für die Branche

Das Unternehmen aus St. Peter ist in vieler Hinsicht typisch für die Branche. Wie der Zimmererzentralverband Holzbau Deutschland in seinem Jahresbericht 2012 schreibt, machen die Zimmereien in Deutschland 49 Prozent ihres Umsatzes im Bestandsbau. Auch die gute Auftragslage betrifft alle: Im Jahr 2011 konnten Zimmerleute bundesweit ein Umsatzplus von satten zehn Prozent auf 5,97 Milliarden Euro verbuchen. Die Zahlen für 2012 sind noch nicht ermittelt, doch man rechnet mit einem weiteren Zuwachs von drei Prozent. "Energieeinsparung und Klimaschutz beflügeln die Branchenentwicklung", heißt es in dem Bericht.

Eher untypisch ist hingegen die Größe von Gremmelspachers Zimmerei. Denn fast 85 Prozent der etwa 11000 Zimmereibetriebe in Deutschland haben weniger als zehn Beschäftigte. Im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg, also grob gesagt zwischen Lörrach und Offenburg, gibt es derzeit rund 500 Zimmereien. Zu den eher branchenüblichen kleinen Zimmereibetrieben gehört etwa die Firma Buttenmüller in Au bei Freiburg mit fünf Mitarbeitern. Inhaber Georg Buttenmüller erzählt aber fast die gleiche Geschichte wie sein Kollege aus St. Peter: 80 Prozent mache das Modernisierungs- und Sanierungsgeschäft bei ihm inzwischen aus. "Ich habe mich deswegen auch zum Energieberater weitergebildet", so der Zimmermeister. "Von der Bankenkrise und der Eurokrise haben wir bisher nichts gespürt – im Gegenteil", sagt Georg Buttenmüller.
Bundeskongress

Am Donnerstag, 2. Mai 2013, beginnt in Freiburg der Bundeskongress des Zimmerer- und Dachdeckerhandwerks. Zum Auftakt gibt es um 17 Uhr eine Kundgebung mit den Verbandschefs Ullrich Huth und Karl-Heinz Schneider auf dem Rathausplatz. Ein von Azubis gefertigtes Holzspielhaus wird in Anwesenheit von Oberbürgermeister Dieter Salomon an einen Kindergarten übergeben. Der Kongress wird am Freitag und am Samstag mit Vorträgen und Diskussionen fortgesetzt.

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Autor: Holger Schindler