Zischen, Brodeln, Klappern

Katharina Bächle

Von Katharina Bächle

Mo, 17. Dezember 2018

Klassik

Zweite Jubiläumsexpedition des Freiburger Akkordeonorchesters.

Wer das Freiburger Akkordeonorchester kennt, weiß, dass sich die Musikerinnen und Musiker bei ihren Konzerten immer wieder auf Neues einlassen. Sie verlassen das übliche Terrain und werfen einen Blick über den Tellerrand. Mal mit Tango, dann mit "Heimat". Jetzt mit "Jeux Doubles". So lautete der Titel des zweiten Jubiläumskonzerts zum 90-jähringen Bestehen des Orchesters. Und was unter Volker Rausenberger auf der Maja-Bühne in Emmendingen zu hören war, war mehr als ein doppeltes Spiel zwischen Orchester und den Solisten Jean-Louis Matinier (Akkordeon) und Michael Riessler (Bassklarinette). Ob solistisch, orchestral oder im Duo: Jedes Klangerlebnis an diesem Abend zeigte den Facettenreichtum der Akkordeonmusik auf.

Es verlangte dem Publikum jedoch auch die Fähigkeit ab, sich auf Klangexperimente einzulassen. Etwa bei den beiden Stücken mit Zuspielband – Uraufführungen von Riessler: ein Klangkosmos mit Naturcharakter. Durch die Klangmelange zu manövrieren, gelang Rausenberger mit seinem Orchester vorzüglich. Ein gutes Ohr wurde nicht nur den Musikern abverlangt. Unglaublich, welche Töne Michael Riessler seiner Bassklarinette entlocken kann: Zischen, Brodeln, Klappern. Dabei immer passend gewürzt. Alles fließt zusammen. Das Zusammenspiel von Solisten und Orchester changierte zwischen Neuer Musik und Jazz. Auch Klangbilder wurden erzeugt und ließen den Rio d’Oro vor dem Inneren Auge vorbeifließen: repetierende Tonfolgen wie perlende Wassertropfen, die sich zu einem immer schneller fließenden Strom entwickelten. Daneben Chansons von Jacques Brel. Mit "Amsterdam" gelang Jean-Luis Matinier eine expressive Neukreation des Klassikers, die nichts von der Leichtigkeit, Beschwingtheit und Unbeschwertheit des Genre eingebüßt hat.

Der Abend war ein weiterer Expeditionsflug, ein Wagnis, das geglückt ist. Zum wiederholten Mal haben Volker Rausenberger und das Freiburger Akkordeonorchester bewiesen, dass es lohnt, sich auf dem klanglichen Spielplatz der Akkordeonmusik immer wieder neu auszutoben.