Zoff um Feuerwehrhaus schwelt weiter

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Fr, 24. August 2018

Utzenfeld

Eine Nachbarsfamilie wehrt sich gegen den Neubau des Utzenfelder Feuerwehrhauses / Gemeinde sucht alternative Grundstücke.

UTZENFELD. Der Ärger um das geplante Feuerwehrgerätehaus in Utzenfeld ist weitaus größer als sich auf den ersten Blick erahnen lässt. Nun hat sich die Nachbarsfamilie zu Wort gemeldet, die seinerzeit Einspruch gegen den Bau eingelegt hatte und sich noch immer – auch mit der Sperrung des Gehwegs – gegen den Neubau wehrt. Martin und Brigitte Ruf fürchten unter anderem Schäden an ihrem Haus. Die Gemeinde indes sucht angesichts des Streits alternative Standorte für das Feuerwehrhaus.

Die Gemengelage: In Utzenfeld ist die Feuerwehr zurzeit quasi obdachlos. Das alte Feuerwehrhaus war marode und wurde abgerissen. Nun stehen die Fahrzeuge in einer Garage, die übrigen Utensilien lagern im Rathaus. Die Gemeinde will am Standort des alten Feuerwehrhauses auch das neue bauen. Der Prozess zieht sich in die Länge. Zwar gibt es seit 2016 eine Baugenehmigung, doch diesen Standort hält einerseits die Feuerwehr für nicht optimal und hat dies auch öffentlich kundgetan. Andererseits wehrt sich die Anrainerfamilie Ruf gegen den Neubau (BZ berichtete).

Der Standpunkt der Familie: Martin und Brigitte Ruf erklären, warum sie gegen den Bau sind. Da wären an erster Stelle mögliche Gebäudeschäden. Das Gebäude soll auf die gleiche Felsnase gebaut werden, auf dem auch ihr Haus aus Bruchstein steht. Aus Angst vor Schäden an ihrem Haus (erbaut 1900) haben sie bei der Gemeinde ein geologisches Gutachten eingefordert, die dieses Hanggutachten dann auch beauftragt hatte. Im April, als das Gutachten vorlag, war es für die Familie klar: Der Bau werde Schaden an ihrem Haus verursachen. Das neue Feuerwehrgebäude soll insgesamt 22,5 mal 11,91 Meter groß werden, also wesentlich größer als das alte. Der Bau soll um einen Meter in die Tiefe versetzt werden, dazu muss der direkt darunterliegende Fels bearbeitet werden. Diese Meißelarbeiten seien mit erheblichen Erschütterungen des Untergrunds verbunden, heißt es im Gutachten. Auch die Hangneigung soll von 40 auf 60 Prozent steigen. Familie Ruf sieht es nicht als eine Lösung für die Zukunft an, in den Berg hinein zu bauen. Die bisherigen Probleme mit der Feuchtigkeit werde man weiterhin haben.

Zweitens wären da die beengten Platzverhältnisse. Die Einfahrt wird sich die Familie weiterhin mit der Feuerwehr teilen müssen. Das wird für sie auch weiterhin kein Problem sein. Martin und Brigitte Ruf betonen mehrmals, dass sie mit der Feuerwehr kein Problem haben. Doch an der engsten Stelle ist die Einfahrt gerade einmal 4,30 Meter breit. Das sei zu wenig für die Feuerwehr. Ihr Kampf gegen den Standort hat diesbezüglich auch einen ganz persönlichen Hintergrund: Genau an dieser Stelle kam vor Jahren ihr zweijähriger Sohn ums Leben. Auch das Verwaltungsgericht Freiburg bestätigte der Familie in einem Schreiben, dass der Standort nicht besonders gut geeignet sei und Nutzungskonflikte birgt.

"Wir waren immer kompromissbereit mit der Feuerwehr, doch sie und wir haben gehofft, dass es eine bessere Lösung geben wird", sagt Brigitte Ruf. Für diese bessere Lösung hatte sich die Familie auch selbst eingesetzt. Bereits 2016 habe man der Gemeinde ein anderes Grundstück in der Niedermatt angeboten. Im Gegenzug hätte die Familie für einen sechsstelligen Betrag der Gemeinde das alte Feuerwehr-Grundstück abgekauft. Auch im März 2017 wurde das Grundstück erneut angeboten, doch die Gemeinde habe schon in der nächsten Sitzung die Vergabe für den Rohbau des Feuerwehrgebäudes auf dem bisherigen Platz beschlossen. "Wir möchten niemandem was Böses, wir fühlen uns nun aber wie ein Spielball zwischen Feuerwehr und Gemeinde und werden nun als Buh-Mann hingestellt", so Brigitte Ruf. Um die Enge zu demonstrieren, hat die Familie ihr Grundstück eingezäunt. Auch ein Stück des Gehwegs gehört dazu. "Wir wollen zeigen, dass nicht jeder mit uns machen kann, was er will". Die Familie moniert den schlechten Informationsfluss der Gemeinde. Schon seit Monaten habe man nichts mehr vom Bürgermeister zu dieser Sache gehört. Und eine Frage stellt sich für sie immer noch: "Wieso muss es unbedingt dieser Standort sein?"

Wie sehen es andere Bürger? Diese Frage scheinen sich nicht nur die Rufs, sondern auch viele weitere Bürger und auch die Feuerwehr Utzenfeld zu stellen. Einige Bürger wünschen sich sogar eine Bürgerversammlung, um das Thema zu besprechen. Da wäre zum Beispiel auch Siegfried Lais, der sich wegen Eingriffen in das Naturschutzgebiet Utzenfluh sowie in ein geschütztes Biotop gegen den Bau am alten Standort ausspricht. Das Regierungspräsidium Freiburg bestätigte ihm am Dienstag, dass die Gemeinde nun nach einem alternativen Standort suche.
Was sagt der Bürgermeister? Harald Lais bestätigt, dass die Gemeinde tatsächlich auf der Suche sei nach weiteren Standorten. Dies liege jedoch keinesfalls am Naturschutz. Schließlich habe man eine offizielle Baugenehmigung für diese Stelle. Gründe seien die Verzögerungen durch die Einsprüche der Familie und vor allem, dass aktuell alles überlastet sei im Baugewerbe. Ob das Gebäude nun tatsächlich am alten Standort gebaut wird oder nicht, will der Bürgermeister nicht vorhersagen. Aber: "Hätte es die Verzögerungen durch die Familie nicht gegeben, hätten wir schon längst gebaut." In Sachen Gebäudeschäden sagt Harald Lais, es werde ein Sachverständiger beauftragt, der vor dem Bau und nach dem Bau das Wohnhaus besichtigt. Sollten Schäden entstehen, werde der Verursacher dafür aufkommen. Der Gemeinderat habe sich in nichtöffentlicher Sitzung gegen den Kauf des Grundstücks in der Niedermatt ausgesprochen. "Für den Kauf eines Grundstücks bekommen wir keine finanziellen Zuwendungen, für den Bau schon", so Lais. In Sachen Enge widerspricht er der Familie ebenfalls. Seit Jahrzehnten habe es keine Probleme mit der Ein- und Ausfahrt der Feuerwehrfahrzeuge gegeben.