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21. April 2010 16:33 Uhr

Watschen-Affäre

Zollitsch: Mixa soll Amt vorübergehend ruhen lassen

Im Fall Mixa hat der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, Stellung bezogen. Er legt dem Augsburger Bischof einen vorübergehenden Amtsverzicht nah.

  1. Könnte im Fall von Walter Mixa „eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein“? Erzbischof Robert Zollitsch glaubt das. Foto: ddp

Zollitsch sagte am Mittwoch in Freiburg, er habe in den vergangenen Tagen – wie auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx – mehrfach mit Mixa gesprochen. Dabei habe man mit Mixa überlegt, "ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne", sagte Zollitsch. Dirk Hermann Voß, Koordinator der Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Augsburg, wollte keine Erklärung zum Vorstoß von Zollitsch abgeben.

Zollitsch will Sachlichkeit in der Debatte

Mixa hat inzwischen eingestanden, Heimkinder in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer Ohrfeigen gegeben zu haben, nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern bestritten hatte. Zollitsch sagte zur Begründung seines Vorschlags, ein Rückzug Mixas sei geeignet, "eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken".

Mixa soll Kräfte sammeln und nachdenken

Weiter sagte Zollitsch: "Darüber hinaus könnte eine vorübergehende räumliche Distanz ihm die Möglichkeit geben, nach sehr erhitzten Wochen neue Kräfte zu sammeln und die Geschehnisse mit mehr Ruhe zu bedenken." Der Schritt des obersten Repräsentanten der deutschen Bischöfe gilt als einzigartig in der jüngeren Geschichte des Katholizismus in der Bundesrepublik.

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Politiker fordern Rücktritt

Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Franz Maget (SPD), forderte einen Rücktritt Mixas. Er füge seiner Kirche Schaden zu, sagte Maget. "Deswegen ist ein solcher Rücktritt zwingend erforderlich." Auch der Nürnberger CSU-Sozialpolitiker rief Mixa auf, auf, wegen der vielen Vorwürfe gegen ihn sofort zurückzutreten. Die CSU-Spitze äußerte sich nicht zu den Rücktrittsforderungen. Parteichef Horst Seehofer verwies lediglich auf das für den 4. Mai geplante Treffen mit den katholischen Bischöfen Bayerns. SPD und Grüne fordern bereits seit Tagen den Rücktritt des Bischofs.

"Ein seelischer Schock "

Helmut Mangold, der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, sagte, eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe gegen Mixa wäre ihm lieber gewesen. Die überwiegende Mehrheit der Katholiken im Bistum fordere aber Mixas Rücktritt, er sei kaum mehr zu halten. Der Vorstoß von Zollitsch müsse für Mixa ein seelischer Schock sein.

"Man kann wirklich nur hoffen, dass Walter Mixa möglichst bald dem doch sehr bemerkenswerten brüderlichen Rat von Zollitsch Folge leiste, erklärte Sprecher Christian Weisner von der Reformbewegung "Wir sind Kirche". Mixa habe durch seine irritierende Aussage über die Missbrauchsursachen, seine Verunglimpfung der Opfer und das überlange Zögern nicht nur seinem Bistum, sondern dem Ansehen des Bischofsamtes und der Glaubwürdigkeit der ganzen katholischen Kirche in der augenblicklichen Kirchenkrise außerordentlich geschadet.

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Porträt: Walter Mixa – Drachentöter und Watschenmann

Autor: dpa