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28. August 2010
Fernrohrstreit
Zu viele Einblicke - Nachbarn des Augustinermuseums fühlen sich gestört
Bei seiner Neueröffnung im März präsentierte das Augustinermuseum nicht ohne Stolz die architektonische Verwandlung der ehemaligen Klosterkirche in ein modernes Museum– inklusive der vielen neu geschaffenen Ausblicke sowohl ins Innere des Museums als auch aus dem Gebäude. Doch deshalb gibt es jetzt Ärger.
Gerade die neuen Aussichtspunkte in der Dachetage, die einen sagenhaften Blick auf die Altstadt und den Münsterturm bieten, sind es nun aber, die hinter den Kulissen für Diskussionen sorgen. Der Grund: Einige Bewohner in den Häusern gegenüber fühlen sich extrem gestört durch die Blicke der Museumsbesucher. Ein Fernrohr im Ausguck musste wieder abgebaut worden. Das Museum plant – zur Freude einer stark betroffenen Nachbarin – weitere Maßnahmen.
Interaktives Modell des Augustinermuseums:Zum Vergrößern auf das Symbol in der rechten, oberen Ecke klicken
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"Ich dachte, mich tritt ein Pferd", erinnert sich die Bewohnerin eines Hauses an der Salzstraße direkt gegenüber des Augustinermuseums an jenen Moment, als ihr bewusst wurde, welchen Blicken sie künftig ausgesetzt sein wird. Sie machte gleich selbst die Probe aufs Exempel und ging ins Museum, wo sie feststellte, dass Besucher ihr direkt in die Wohnung und auf die Terrasse schauen können. "Ich konnte bei mir auf den Tisch gucken, das war gar nicht lustig. Mit dem Fernrohr konnte man sogar die Zeitung mitlesen." Im Herbst und Winter, wenn sie schon nachmittags das Licht anmachen müsse, werde es vermutlich noch extremer, ist sich die Frau sicher: "Ich will aber nicht schon nachmittags die Rollläden runterlassen." Museumsbesuchern, denen die Situation bewusst wurde, sei das selbst peinlich gewesen, so ihr Eindruck. Die Anwohnerin berichtet auch von einigen unschönen Szenen: "Es gab Leute, die mir den Stinkefinger gezeigt haben." Auch Fotos seien gemacht worden.
Er habe Verständnis für die Anwohner, sagt Museumsdirektor Tilmann von Stockhausen, der einräumt, dass man sich vorab des Problems nicht bewusst gewesen sei. "Wir haben nicht bedacht, welche Kraft so ein Fernrohr haben kann." Das bewegliche Exemplar im Aussichtspunkt des Vorbaus im dritten Stock wurde denn auch wieder abgebaut. Demnächst soll es durch ein Fernrohr ersetzt werden, das sich nur sehr eingeschränkt bewegen lässt. Zudem will das Museum einen Teil der betreffenden Fensterscheibe so mit milchiger Folie bekleben, dass nur noch der Blick aufs Münster und nicht mehr auf die Umgebung möglich ist. Im Aussichtspunkt des Vorbaus will von Stockhausen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Beschriftungen auf der Scheibe sollen dem Besucher die Skulpturen, die er durchs Fernrohr am Münster als Kopien und im Museum als Original sehen kann, erläutern und gleichzeitig den Blick auf die unmittelbare Nachbarschaft einschränken. Für das neue, von einer Privatperson finanzierte Gaubenfenster an der Längsseite des Daches soll ebenfalls eine Lösung mit Milchglas gefunden werden: "Die Gaube war eine großartige Idee, die sich leider als nicht so großartig herausgestellt hat", so von Stockhausen.
- Dossier: Das neue Augustinermuseum
Autor: Frank Zimmermann
