Deutschlandlauf

Zwei Ettenheimer sind in 19 Tagen 1321 Kilometer durch Deutschland gelaufen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 11. August 2017 um 21:01 Uhr

Ettenheim

Extrem, extremer, Deutschlandlauf: Andreas Amann aus Ettenheim und der Schuttertäler Matthias Becker haben bei dem Lauf von Sylt zur Zugspitze vom 16. Juli bis 3. August mitgemacht.

Kennengelernt haben sich die Athleten bei der Bundeswehr. "Damals hatten wir mit dem Laufen nicht viel am Hut. Erst Jahre später trafen wir uns wieder bei einem Volkslauf. Dann wurden die Strecken immer länger und wir trafen uns immer wieder. Absoluter Höhepunkt war für uns die Teilnahme am Deutschlandlauf", erzählt Andreas Amann. Der Ettenheimer hat bereits dreimal daran teilgenommen, der Schuttertäler Matthias Becker war zweimal dabei.

Bis zu 90 Kilometer am Tag

Als der Lauf nach sieben Jahren erstmals wieder stattfinden sollte, ging diese Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Ultralaufszene, erzählt Amann. Führten die bisherigen Läufe von Kap Arcona (Insel Rügen) nach Lörrach, wählte der Veranstalter heuer eine neue Strecke mit Start auf Sylt. Nach 19 teils mehr als 90 Kilometer langen Etappen und ohne Ruhetag endete der Lauf auf der Zugspitze.

Das internationale Teilnehmerfeld startete bei stürmischem und regnerischem Wetter an der Nordsee. Für die 61 Läuferinnen und Läufer war diese Etappe mit 60 Kilometern Länge noch zum Warmlaufen.

Danach folgten die längsten Tagesetappen des gesamten Laufes. Bereits nach drei Tagen schieden die ersten Teilnehmer verletzt aus. "Nicht nur die Länge der Etappe machte uns zu schaffen, sondern auch die für Läufer eher monotone Landschaft Norddeutschlands, dazu immer wieder heftige Winde und starker Regen. Matthias und ich waren teilweise 13 Stunden auf der Strecke. Da blieb kaum Zeit zur Regeneration, da es am nächsten Tag früh morgens schon wieder weiterging."

"Ich war froh, überhaupt noch gehen zu können."

Andreas Amann
Einig waren sich im Vorfeld alle Läufer, dass nach der zehnten Etappen die Wahrscheinlichkeit, die Zugspitze zu erreichen, erheblich steigt. Kürzere Etappen, abwechslungsreichere Landschaften, die Berge vor Augen, alles Bilder, mit denen sich die Athleten Tag für Tag motivierten.

Für Amann sollte sich dieser Traum jedoch nicht erfüllen: "Auf der neunten Etappe bekam ich Probleme mit dem rechten Fuß. Die zehnte beendete ich mehr humpelnd als laufend aber noch im Zeitlimit. Am nächsten Morgen war der Fuß so dick geschwollen, dass an ein Weiterlaufen nicht mehr zu denken war. Ich konnte nur noch ganz kleine Schritte machen und war froh, überhaupt noch gehen zu können. Somit war das Rennen für mich gelaufen."

Der größte Schreck sollte ihn erst einen Tag später treffen. In der Jugendherberge Oberwesel gab es beim Treppengehen einen lauten Knall, dazu einen stechenden Schmerz. "Für mich war sofort klar, dass die Achillessehne gerissen ist", erinnert sich Amann. Für ihn die erste Laufverletzung in seiner langen Karriere. Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht. Nach der Heimreise wurde er gleich operiert. "Den Deutschlandlauf musste ich im Internet verfolgen."

Für Becker ging das Rennen zunächst planmäßig weiter. Die Strecke am Rhein entlang, dann weiter über die Alb ins Allgäu war teils malerisch. Zusätzliche Motivation erhielt Matthias Becker ab der 16. Etappe durch seine Familie. Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Wie unberechenbar ein derart langer Etappenlauf sein kann, sollte der Schuttertäler auf der vorletzten Etappe erfahren. Starke Magen- und Darmprobleme bei großer Hitze machten ein Laufen fast unmöglich. "Bei Kilometer 20 war ich kurz davor abzubrechen. Doch dann kam mein Sohn Raphael (11) und begleitete mich bis zum nächsten Versorgungspunkt. Nach mehr als zwölf Stunden kam ich in Garmisch-Partenkirchen an", blickt Becker zurück.

Für die Schlussetappe wurde das Ziel aus Sicherheitsgründen auf Sonnalpin kurz unterhalb der Zugspitze festgelegt. Becker startete um 5 Uhr und erreichte um 13.30 Uhr das Ziel. Er war damit einer von 41 Läufern. Am Abend fand eine stimmungsvolle und emotionale Siegerehrung statt, bei der allen Läufern und Helfern die Erleichterung anzumerken war, wie Becker berichtet.

Trotz aller Anstrengungen sind sich die Sportler sicher: Irgendwann werden sie sich wieder bei einem Ultralauf treffen.