Cyberwährung

Zwei Freiburger Betriebe nehmen Bitcoins zur Zahlung an

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 19. September 2017 um 11:54 Uhr

Freiburg

Bitcoins sehen viele als Spekulationsobjekt. In Freiburg kann man damit in Geschäften zahlen – allerdings nur in zwei: dem Lokal "Feinhaid" und bei der IT-Firma LRX. Wie kommt das an?

Die Internetwährung Bitcoin hat zuletzt durch einen heftigen Kurszuwachs von sich reden gemacht – gefolgt von einem dicken Minus. Im Verhältnis zum Euro stieg der Kurs vor wenigen Tagen auf über 4000 an. Das heißt, für einen Bitcoin musste man in der Spitze mehr als 4000 Euro lockermachen. Aktuell pendelt der Kurs um die 3300. Viele sehen daher in Bitcoin vor allem ein Spekulationsobjekt. Doch man kann damit auch in Geschäften zahlen – in Freiburg aber noch in sehr wenigen.

"Wir akzeptieren Bitcoin aus Überzeugung." Felix Ruzzoli
Zu den Freiburger Bitcoin-Pionieren gehört Raimund Dangel, der Wirt des Lokals "Feinhaid" in der Munzinger Straße 10 im Gewerbegebiet Haid. "Mein Schwager ist ein Bitcoin-Fan und hat mich überredet, die Zahlungsmöglichkeit anzubieten", berichtet der Gastronom, "er hat gesagt, es würde wohl keiner echt damit zahlen." Das stellte sich jedoch als Irrtum heraus. Schon nach wenigen Tagen habe der erste Gast mit Bitcoin bezahlen wollen. Der komme nun immer mal wieder und nutze dann gerne auch die Kryptowährung.

Akzeptiert wird Bitcoin auch von der IT-Firma LRX in der Turmstraße 10 in der Innenstadt. Die Firma mit einem halben Dutzend Mitarbeitern entwickelt Unternehmenssoftware. "Wir akzeptieren Bitcoin aus Überzeugung", teilt Geschäftsführer Felix Ruzzoli auf BZ-Anfrage mit, doch genutzt habe diese Möglichkeit bisher noch niemand.

Wer mit Bitcoin zahlen will, muss eine elektronische Transaktion veranlassen, um den gewünschten Betrag von seinem Wallet, dem digitalen Geldbeutel, in jenes des Zahlungsempfängers zu befördern. Es ist also in aller Regel ein Computer oder zumindest ein Smartphone nötig.

Ersonnen wurde Bitcoin im Jahr 2008. Noch bis 2011 war ein Bitcoin weniger als zehn Euro wert, nun ist es mehr als das 300-Fache. Technisch basiert die Währung, die systembedingt auf 21 Millionen Bitcoins begrenzt ist, auf der sogenannten Blockchain-Technik. Bei der Blockchain handelt es sich um eine Datenbank, die auf allen teilnehmenden Rechnern gespiegelt wird. Darin sind die Bitcoins gespeichert. Weil das System damit dezentral und letztlich völlig transparent ist, lassen sich nicht einfach Bitcoins quasi elektronisch dazu erfinden, also fälschen.

Es gibt auch Kritik an Bitcoins

Mittels kryptographischer Techniken (Verschlüsselung) wird sichergestellt, dass Zahlungen mit Bitcoins nur vom jeweiligen Eigentümer vorgenommen, daher auch die Bezeichnung Kryptowährung. In Umlauf kommen Bitcoins durch sogenanntes Mining. Dabei müssen Computer komplizierte Rechenprobleme lösen – und bei Erfolg entstehen neue Bitcoins.

Es gibt allerdings auch Kritik an Bitcoin: Die Währung sei nicht werthaltig, sondern rein spekulativ, geradezu eine Blase, und sie diene Kriminellen zur Abwicklung dunkler Geschäfte. Auf der anderen Seite gibt es Vorteile: Zahlungen erfolgen sehr schnell, weltweit, bei extrem geringen Kosten ohne einen Mittelsmann wie etwa eine Bank. Und die Bitcoin-Menge ist, im Gegensatz zur Euro-Geldmenge, nicht beliebig vermehrbar.

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