Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. März 2014

Zwei Freiburger im Elztal

Eine kombinierte Ausstellung im Georg-Scholz-Haus zeigt Arbeiten von CW Loth und Celso Martinez Naves.

WALDKIRCH. In zwei Einzelaustellungen werden ab 23. März im Georg-Scholz-Haus Skulpturen von CW Loth und Ölgemälde von Celso Martínez Naves zu sehen sein. Beide Künstler leben und arbeiten in Freiburg und sind dafür bekannt, dass sie ihren jeweiligen Schwerpunkt konsequent weiter entwickelt haben. Dementsprechend hat die kombinierte Ausstellung keinen Titel, die Namen sind Zeugnis genug.

Loth plant seine Werke, bevor er mit einer Kettensäge ans Werk geht, gründlich: Er fertigt dazu Zeichnungen an und macht Modelle davon. Loth ist daher mit allen Übergängen von Ein- über Zweidimensionalität zur Dreidimensionalität vertraut. Das Ausloten der Möglichkeiten auf der Ebene eines Blatts Papier, aus der Ebene heraus im Relief und schließlich losgelöst von der Ebene im Raum macht seine Werke unverkennbar zum echten Loth. Das zeigt die Ausstellung.

Der Eindruck bis hin zur Illusion von Räumlichkeit und Dichte zeichnet seine Drucke aus. Zu sehen sind auch Reliefs, unter anderem Eichenspäne und Eisenspäne, die mit Leim auf eine Fläche aufgetragen wurden, in die Masse werden Formen geprägt. Gerb- und Oxidationsvorgänge lassen ein Spiel dunkler und weniger dunkler Flächen entstehen. Unter dem Titel "Beweglichkeit in einem Stück" stellte Loth vor einigen Jahren in Bötzingen seine Holzskulpturen aus. Damit wurde seinerzeit das Ergebnis seiner Arbeitsweise auf den Punkt gebracht: Skulpturen aus einem Stück Holz mit beweglichen Teilen. Nadelholz reißt zu leicht; Loth verwendet daher vorwiegend Kirschbaum-, Eichen- und Nussbaumholz, dessen Struktur geölt zur Geltung kommen kann, es sei denn, Loth hat seine Arbeit blau lasiert, damit der Betrachter nicht von der Schönheit des Holzes abgelenkt wird, sondern seine Aufmerksamkeit auf das Ineinander und Auseinander des trotzdem noch zusammenhängenden Holzes gelenkt wird. Blau sei, so Loth, die Farbe für Raum ohne Ende. Das erinnert an die verzwickten Perspektiven von Maurits Cornelis Escher. Der Versuch, eine Skulptur von Loth zu durchschauen, endet manchmal nicht anders wie der Versuch, einen Escher zu enträtseln.

Werbung


Blau, genau Ultramarinblau, ist neben Kadmiumgelb, Rot, Siena- und Umbrabraun sowie Titanweiß eine der Farben, auf die Celso Martínes Naves seine Palette beschränkt. Blau als Farbe der Nacht, Blautöne der Übergänge von Tag und Nacht, von Wasser, von sich auf Nässe spiegelndem Himmel, machen einen guten Teil seiner Gemälde aus. Er sei Frühaufsteher, erklärte der Maler im BZ-Gespräch, suche sich fotografierend seine Motive gern bei Tagesanbruch. Seine Impressionen nimmt er dann mit ins Atelier und es entstehen Ölgemälde die realistisch wirken, aber nicht abbildend wie ein Foto, eher der impressionistischen Sichtweise entsprechend. Um 1890 herrschte eine Aufbruchstimmung, verbunden mit einem Interesse an Technik, wie bei Hermann Pleuer, und der Eindruck von Licht bestimmte die Motive der Impressionisten. Was den realistischen Aspekt von Naves’ Malerei angeht, sind auf seinen Bildern wie bei Edward Hopper wenig Menschen zu sehen, einfach weil Orte wie Hafenanlagen früh morgens noch nicht sehr bevölkert sind. Was ihn von Realisten wie Hopper unterscheidet, ist aber diese Aufbruchstimmung und das dazugehörende Zwielicht. Der Schein der Scheinwerfer der ersten Straßenbahn eines Tages auf nassem Pflaster im Morgendunst, bei näherer Betrachtung gesehen in Freiburg; startende Flugzeuge, eine Frühaufsteherin eilig allein unterwegs an alten Häuserfluchten entlang. Wo? Solche Häuserfluchten gibt es in Paris, Madrid, Dresden, Wien und entlang der Kaiser-Joseph-Straße in Freiburg. Naves legt sich nicht auf das fest, was Realität genannt wird. Seine Wirklichkeit ist die Stimmung, die vom Tagesanbruch, die von Orten des Startens und Landens oder des An- und Ablegens ausgeht.

Begleitprogramm: 28. März, 20 Uhr, Kunst im Dialog – Kunstgespräch mit CW Loth und Celso Martínez Naves. – 29. März, 20 Uhr, Schreibnacht in der Ausstellung mit Maria Becker und Roland Burkhart. – 3. April, 18 Uhr, Offene Bühne (18 Uhr Vorspiel mit Schülern der Musikschule, 19 Uhr Gesprächskonzert mit dem Trompeter Stephen Altoft. – 10. April, 19 Uhr, Filosofisches Forum mit Klaus Scherzinger zum Thema "Weibliches und männliches Gehirn". – 27. April, 10 Uhr, Finissage (10 Uhr Lesung der Schreibnacht-Texte, 11 Uhr Konzert mit Michael Bornhak, Violoncello/Kontrabass, improvisierte Musik zwischen Barock und Jazz.

Öffnungszeiten: Ausstellung im Georg-Scholz-Haus, Merklinstraße 19 in Waldkirch, mit Werken von CW Loth und Celso Martínez Naves, vom 23. März bis 27. April. Vernissage am Sonntag, 23. März, 11 Uhr. Öffnungszeiten: Donnerstags 17 bis 20 Uhr, freitags/samstags 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 10 bis 13 Uhr.

Autor: Ernst Hubert Bilke