Streit um Aufführungsrechte

Zwei Michael-Jackson-Shows kommen nach Freiburg

Christoph Forsthoff

Von Christoph Forsthoff

Fr, 08. Februar 2019 um 21:00 Uhr

Theater

Hommage nur mit Lizenz der Erben? Die Michael-Jackson-Shows "Thriller Live!" und "Beat it!" kommen nach Freiburg: Die eine wurde noch vom Meister abgesegnet. Die andere nicht.

Gelddruckmaschine? Nein, das Wort mag Adrian Grant im Zusammenhang mit seiner Show "Thriller – Live" gar nicht. Dabei läuft die zweistündige Hommage an Michael Jackson seit 2009 allabendlich im Londoner Lyric Theatre, im Herbst feierte das Ensemble dort die 4000. Vorstellung. Allein an der Themse haben 2,7 Millionen Besucher das Nostalgie-Spektakel gesehen, die weltweiten Touren mit dem Show-Konzert rund um die Karrierestationen des Pop-Giganten lockten bislang weitere 2,3 Millionen Menschen in die Theater zwischen Abu Dhabi und Singapur. Und da sich irgendein Jahrestag immer anbietet, kommt Grants Inszenierung nun im Jahr von Jacksons zehnten Todestag für ein Gastspiel nach Freiburg, da das Jubiläum der Show mit einer zweimonatigen Deutschlandtournee begangen wird. Was die Kassen zwischen Hamburg und Passau zweifellos einmal mehr klingeln lassen wird.

Der Show-Produzent spricht naturgemäß viel lieber über das Glück der Tänzer, Sänger und Musiker, "einer Tätigkeit nachzugehen, die sie lieben ob der Musik und des Menschen Michael Jackson – denn so wie Michael von vielen anderen Künstlern inspiriert worden ist, so inspirieren er und sein Werk bis heute viele". So klingt Heldenverehrung, funktioniert Legendenbildung. Indes: Grant selbst kann auf eine ungewöhnliche enge und lange Beziehung zu dem Mega-Star zurückblicken. Der Brite ist dem King of Pop nicht nur seit seinem zwölften Lebensjahr treu ergeben – "zum Fan wurde ich, als ich Thriller hörte und ihn den Moonwalk machen sah" – sondern gehört zu jenen Anhängern, die dem König auch nahe gekommen sind, seit er 1988 erst mit einem weltweit verbreiteten Fanmagazin und später einer alljährlichen Tribute-Show dem Meister huldigte. Jackson lud ihn mehrfach auf seine Neverland Ranch ein, ermunterte und unterstützte ihn bei seinen Ideen zu "Thriller – Live" und habe die ersten Eindrücke "unglaublich" gefunden. Da erstaunt es nicht, dass Grant nur positive Worte über diesen "ebenso klugen wie neugierigen, großzügigen wie visionären Mann mit dem Herzen eines Kindes" findet. Allein: Manchmal habe dieser "fröhliche, lebenslustige und verspielte Mensch" einfach nicht wahrhaben wollen, dass es Leute um ihn gab, die "sein freundliches Wesen und seine gute Natur ausgenutzt haben". Namen mag der 49-Jährige keine nennen, auch nicht, ob hier und da die eigene Familie den so unnachahmlich singenden und tanzenden Star gemolken hat. Seinen Erben bringt er jährlich durch Plattenverkäufen, Musikrechte und Shows weit mehr als 100 Millionen Dollar ein. Jackson steht auf dem ersten Platz der bestverdienenden Toten des Pop.

Völlig unterschiedliche

Rechtsauffassungen

Kein Wunder, dass die Erben mit Argusaugen über die weltweite Vermarktung wachen. Was die Cofo Entertainment Group zu spüren bekommt, die ohne Lizenz ihre Jackson-Show "Beat it!" durchs Land touren lässt: Martin Diesbach, Anwalt der Nachlassverwalter, hat Klage gegen den Passauer Veranstalter eingereicht, im Frühjahr steht die mündliche Verhandlung vor dem Landgericht München an. "Unsere Rechtsauffassungen stehen sich diametral gegenüber", stellt der Medienrechtsexperte fest: Während die Cofo behaupte, ihre Produktion sei lediglich "eine konzertante Aufführung ohne relevante Spielhandlung", ist für Diesbach nach einem Besuch klar, dass es sich um ein Musical handelt, das Jacksons Leben nacherzähle. "Dafür gibt es aber keine Lizenz." Entsprechend lautet seine Klage darauf, dass jeglicher Verdienst aus der "Beat it!"-Show an die Erben auszuzahlen sei. Was angesichts von mehr als 100 geplanter Tourneetermine in die Millionen gehen könnte.

Indes ist Cofo-Geschäftsführer Oliver Forster zuversichtlich, dass es nicht zum finanziellen Showdown kommen wird: Letztlich gehe es bei der Auseinandersetzung um die Frage, ob seine Produktion dem "Großen Recht" oder dem "Kleinen Recht" zuzuordnen sei – in letzterem Fall müsste die Lizenz hierzulande lediglich durch die Verwertungsgesellschaft Gema und nicht durch die Jackson-Erben genehmigt werden. "Bei uns sind Songs und Geschichte unabhängig voneinander, im Kern handelt es sich um eine Musikrevue, deren Songs austauschbar sind", argumentiert er. Entsprechend klagt Forster nun selbst gegen die Gema, das "Kleine Recht" für "Beat it!" endlich zu genehmigen, so wie im Falle ähnlicher Produktionen seines Unternehmens über Elvis, die Beatles oder Falco. Zumal es bei dem Paragraphen-Gefecht ohnehin gar nicht um die fälligen Lizenzgebühren gehe – "die wollen wir gern bezahlen" – sondern um eine eigene, für 2020 geplante Broadway-Show der Nachlassverwalter über das Pop-Genie: "Die wollen kein zweites Musical."

Ein juristischer Streit um Urheberrechtsverletzungen, die Grants "Thriller"-Hommage nicht befürchten muss – und das nicht allein deshalb, weil der Meister selbst hier noch seinen Segen gegeben hatte. Und so ist denn Grant auch überzeugt, "Thriller – Live" könne noch locker weitere zehn Jahre im Westend laufen und durch die Welt touren: "Die Show richtet sich an Menschen jeden Alters und jeder Hautfarbe – und die Faszination und Liebe der Menschen für Michaels Musik wird niemals enden." Eine allzu optimistische Prognose? Nun, welch Faszination Kultwerke ausüben können, lässt sich ein paar Straßen weiter im Westend bestaunen: Dort läuft seit nunmehr 66 Jahren Agatha Christies Krimi-Inszenierung "Die Mausefalle" – und steuert auf die 28 000. Vorstellung zu – ganz ohne juristischen Streit.

"Thriller – Live": 23.2., Freiburg, Konzerthaus, 20 Uhr. "Beat it!": 17.2., Freiburg, Sick-Arena (ausverkauft), 22.4., Offenburg, Messe; 14.1.2020, Offenburg, Messe, 16.1.2020, Freiburg, Sick-Arena, 20 Uhr.