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22. September 2017 20:39 Uhr

Tunnelbaustelle in Rastatt

Zwei Züge passierten Gleisabschnitt nach Havarie

Nach der Havarie auf der Tunnelbaustelle in Rastatt sind laut Bundesverkehrsministerium noch zwei Züge über den Gleisabschnitt gefahren. Fünf Meter tiefer sickerte bereits Wasser in den Tunnel ein.

  1. 16 Minuten vergingen laut Bundesverkehrsministerium zwischen Alarm und Streckensperrung. Foto: dpa

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums vergingen 16 Minuten, ehe die Alarmmeldung der im Tunnel arbeitenden Männer zu einer Streckensperrung führte. Nachdem der zu jener Zeit verantwortliche Ingenieur der Baufirmen um 10.47 Uhr über den Wassereinbruch informiert worden war, habe dieser sich zunächst mit der Bauleitung besprochen.

Um 11.02 Uhr wurde der Fahrdienstleiter unterrichtet, der um 11.03 Uhr die Strecke sperrte. In der Zeit dazwischen befuhren ein Güterzug in Richtung Süden und in Gegenrichtung ein Regionalzug die Stelle. Das automatische Alarmsystem, das für die Zeit der Bauarbeiten installiert war, schlug demnach erst um 11.18 Uhr an. Zum Zeitpunkt der Sperrung fuhren in beiden Richtungen Nahverkehrszüge auf die Havariestelle zu.

Bauweise wurde nach der Ausschreibung geändert

Detailliert verlangten die Grünen-Abgeordneten Kerstin Andreae und der bahnpolitische Sprecher Mattias Gastel Auskunft über das, was zu der Streckensperrung geführt hatte. Bis dahin hatte die Bahn mehrmals beteuert, zum fraglichen Zeitpunkt hätten keine Züge den Abschnitt in Rastatt-Niederbühl passiert.

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Das Bundesverkehrsministerium und die Bahn räumen ein, dass die Bahn bei der praktizierten Bauweise von der Ausschreibung abgewichen ist. Die Arbeiten seien so ausgeschrieben gewesen, dass der Abschnitt unter den bestehenden Gleisen bis zum Südportal in bergmännischer Bauweise mit Spritzbetonausbau erfolgen sollte.

Nachdem der Auftrag an die Arbeitsgemeinschaft von Züblin/Hochtief vergeben war, wurde dies auf Antrag der Firmen geändert. Die Bahn ließ nichts nichts darüber verlauten, wie sich diese Änderung auf den Zeitplan und die Kosten ausgewirkt habe. Für die Höhe der Überdeckung zwischen Tunnelober- und Gleisunterkante gibt es laut Eisenbahnbundesamt keine Mindestvorgaben. In Rastatt betrug dieser Abstand nur fünf Meter. Dieses Vorgehen sei geotechnisch begutachtet worden.

Zugleich räumt das Verkehrsministerium Schwachstellen bei der Einrichtung von Umleitungsstrecken ein. So müssten Lokführer, die zum Beispiel in Frankreich zum Einsatz kommen, speziell geschult sein, die Fahrzeuge müssen im Nachbarland auch zugelassen sein, es gebe unterschiedliche Vorschriften bei Länge und Höhe von Waggons, Strom- und Sicherheitstechnik seien nicht einheitlich geregelt – anders als beim Lkw. Keine Angaben macht das Ministerium, wie diese Schwachstelle behoben werden sollen.

Reparaturarbeiten sind im Zeitplan

Die Bahn hat am Freitag die letzten Montagegleise auf der neu gegossenen Betonplatte in Rastatt-Niederbühl verlegt. "Unser Ziel ist es, am 2. Oktober um 0.01 Uhr die Wiederinbetriebnahme der Rheintalbahn zu gewährleisten – und bautechnisch werden wir das aus heutiger Sicht schaffen", sagte Projektleiter Frank Roser. Die Fernzüge sollen dann wieder planmäßig fahren. In den kommenden Tagen wird noch Schotter eingebaut, dann werden die längeren Gleisstränge montiert sowie die Oberleitung erneuert.

Um langwierige Gerichtsprozesse zur Klärung der Havarie-Ursache zu vermeiden, will sich die Bahn mit der Baufirma bei einer Schlichtung verständigen. Roser sieht gute Chancen, "innerhalb der kommenden sechs Monate zu einem Ergebnis zu kommen und einen Schlichtungsvorschlag zu unterbreiten". Komme es zu keiner Einigung, werde ein Verfahren vor einem Schiedsgericht angestrebt.

Während noch unklar ist, wie es mit dem Bau in der havarierten Oströhre weitergeht, wird in den kommenden Tagen an der Weströhre, die noch 560 Meter vor sich hat, weitergebaut.

Autor: Franz Schmider