Zweisprachige Lernprogramme helfen

Andreas Peikert

Von Andreas Peikert

Fr, 26. Mai 2017

Kirchzarten

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer informiert sich im Hofgut Himmelreich über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

KIRCHZARTEN. Vor zehn Jahren wurde die Integrative Berufsakademie beim Hofgut Himmelreich aus der Taufe gehoben. Seither werden dort junge Menschen mit Handicap für eine Anstellung in der Hotel- und Gastronomie-Branche fit gemacht. Seit einigen Jahren kooperieren Einrichtungen aus Südbaden mit Betrieben aus dem Elsass. Im Rahmen der Kampagne "Europa macht es möglich" informierte sich Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer über Erfolge und Schwierigkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Himmelreich-Geschäftsführer Jochen Lauber erläuterte gemeinsam mit seinem Kollegen Pierre Hoerter aus einem Integrationsbetrieb im elsässischen Molsheim, wie der Arbeitsalltag in der Gastronomie verständlich vermittelt werden kann. Als praktikable Hilfe für junge Menschen mit Handicap diesseits und jenseits des Rheins habe sich die Nutzung zweisprachiger Gastronomie-Lernprogramme etabliert. Mit Sprache unterlegte Visualisierungen auf dem iPod machen es möglich, künftigen Gastronomie-Mitarbeiter mit der Zubereitung einfacher Gerichte vertraut zu machen.

Kenntnisse in Rechnen oder Schreiben seien nicht erforderlich, um das Programm zu verstehen. "Mittlerweile sind 40 dargestellte Mahlzeiten abrufbar. Vom Wurstsalat bis zur Gemüse-Suppe", erklärte Pierre Hoerter, dessen Integrationsbetrieb mit 70 Beschäftigten sich neben der Gastronomie unter anderem auf den Weinbau spezialisiert hat.

Hoerter erläuterte, dass es in Frankreich mittlerweile für Menschen mit Handicap möglich ist, ein sogenanntes Branchen-Diplom für Teilbereiche einer Branche zu erwerben.

Himmelreich-Geschäftsführer Lauber erinnerte daran, dass zwischen 2010 und 2013 insgesamt 70 Mitarbeiter mit Handicap innerhalb des sogenannten Luculcus-Programms eine grenzübergreifende Qualifizierung für das Hotel- und Gaststättengewerbe erhalten haben. Darüber hinaus werden weiterhin im 18-Monate-Rhythmus Gehandicapte von der Akademie auf eine spätere sozialversicherungspflichtige Tätigkeit im Gastronomie-Bereich vorbereitet.

Zu den Absolventen des Berufsvorbereitungskurses mit IHK-Zertifizierung gehört Adrian Eichin aus dem Wiesental. Beim Erfahrungsaustausch mit der Regierungspräsidentin berichtete der 21-Jährige, dass er von seinem Arbeitgeber, dem Café Glashaus in Lörrach, mittlerweile fest angestellt wurde. Ähnlich positiv sei es seinen Mit-Absolventen ergangen.

Kritik an der seiner Ansicht nach immer noch nicht vorhandenen Gleichstellung von Menschen mit und ohne Handicap artikulierte Jochen Lauber. Auch im neuen Teilhabegesetz der Bundesregierung sei – anders als beispielsweise in Frankreich – eine Ausbildung für Menschen mit Handicap nicht vorgesehen.

Akademie-Leiter Albrecht Schwerer lobte die von der EU initiierten grenzüberschreitenden Projekte: "Sie sind nahe an den Betroffenen", so Schwerer. Als Einrichtung sei es bereichernd, fachliche Impulse auch "von außerhalb" zu erhalten. Regierungspräsidentin Schäfer wies darauf hin, dass bis 2020 Fördermittel in Höhe von knapp 110 Millionen Euro für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus dem europäischen Fonds locker gemacht werden. "Mehr Geld in die Bildung und die Schaffung von Arbeitsplätzen muss in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt der grenzüberschreitenden Politik sein", betonte die Regierungspräsidentin in ihrem Schlusswort.