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11. September 2017 19:21 Uhr

Zweiter Verhandlungstag

Ein Geständnis von Hussein K. – und eine mögliche weitere Vergewaltigung

Der Angeklagte Hussein K. hat gestanden, die Studentin Maria L. umgebracht zu haben. Die erste Zeugenaussage im Prozess deutet außerdem auf eine weitere Straftat hin: Möglicherweise hat Hussein K. als Jugendlicher im Iran schon ein Mädchen vergewaltigt. Der zweite Verhandlungstag im Rückblick:

  1. Hussein K. legte am zweiten Prozesstag ein Geständnis ab. Foto: dpa

Das Geständnis

Ein langer zweiter Prozesstag im Mordfall Maria L. hatte mehrere Paukenschläge zu bieten. Der Angeklagte Hussein K. legte zunächst ein umfassendes Geständnis ab. Er gab zu, die Studentin Maria L. am frühen Morgen des 16. Oktober 2016 gegen 3 Uhr auf dem Radweg an der Dreisam hinter dem SC-Stadion erst getötet und dann vergewaltigt zu haben. So lautete seine Schilderung. Er habe das leblose Opfer nur einen Meter vom Ufer entfernt in die Dreisam gelegt, um das Blut abzuwaschen, das auf sie getropft war. Hussein K. sagte, er habe sich an den Dornen eines Brombeerstrauchs verletzt. Zuvor hatte er Maria L. nach seinen Aussagen mit einem Tritt gegen ihr Fahrrad gestoppt. Die Studentin war auf dem Heimweg von einer Party.

Hussein K. sagte aus, dass er sein Opfer, das laut geschrien habe, mit seinem Schal erwürgt hätte. Er habe sich an ihr vergangen, nachdem sie schon tot gewesen sei. Tatsächlich ist Maria L. laut Ergebnis der Obduktion in der Dreisam ertrunken. Das Opfer wies am Körper auch mehrere Bisswunden auf.

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Die Video-Analyse des BZ-Chefreporters zum Prozess gegen Hussein K.:



Prozessbeobachtern fällt an dem Geständnis des Angeklagten auf, dass in ihm keine eindeutigen Mordmerkmale enthalten sind. So könnte – zumindest theoretisch – eine Verurteilung wegen Totschlags in Betracht kommen.

Der erste Zeuge

Als erster Zeuge sagte ein Kriminaloberkommissar aus, der als Hauptsachbearbeiter der Kripo die Ermittlungen führte. Die Ermittler konnten demnach anhand von Zeugenaussagen rekonstruieren, wie der Angeklagte den Tag und den Abend vor der Tat verbracht hatte. Zunächst habe er mit Freunden im Seepark getrunken und gekifft. Die Freunde können dem Ermittler zufolge offenbar nicht bestätigen, dass Hussein K. an dem Abend so stark unter Rauschmitteln stand, wie er es zuvor angegeben hatte. Die Gruppe der jungen Männer soll sich später in der Innenstadt getrennt haben.

Der mutmaßliche Versuch der Prostitution

Hussein K. soll darauf, so berichtete der Zeuge weiter, in den Homosexuellentreff "Sonderbar" gegangen sein. Dort habe er einem Gast sexuelle Dienste gegen Geld angeboten – was dieser jedoch ablehnte. In der Bar soll er zudem zwei Frauen bedrängt haben.


(Wo war Hussein K. an jenem Abend und in jener Nacht, als Maria L. starb unterwegs? Eine Karte zeichnet seine Stationen nach. Klicken Sie links oben auf das Symbol neben der Überschrift und erfahren Sie mehr.)

Hat Hussein K. als 14-Jähriger eine Zwölfjährige vergewaltigt?

Der Ermittler wies vor Gericht auch auf die Aussage eines Zellengenossen von Hussein K. hin. Dieser habe ausgesagt, dass der Angeklagte ihm von der Straftat in Griechenland erzählt habe, bei der er eine junge Frau über eine Kaimauer geworfen hatte. Und Hussein K. soll auch berichtet haben, dass er als 14-Jähriger ein zwölf Jahre altes Mädchen im Iran vergewaltigt habe. Der Fall sei nicht aktenkundig geworden, die Familien hätten sich untereinander geeinigt. Hussein K. soll verprügelt worden sein – vom eigenen Vater. Offenbar hat die Staatsanwaltschaft in diesem Fall recherchiert. Es gibt wohl eine weitere Aussage dazu, aber nach BZ-Informationen keine offizielle Bestätigung.

Die Altersfrage

Weiter offen ist das Alter von Hussein K. Zwei Freunden, die hartnäckig nachfragten, gab er unterschiedliche Antworten. Dem Einen sagte er, er sei 27. Beim Anderen gab er an, 24 Jahre alt zu sein. Auch den Behörden in Griechenland und Deutschland nannte er komplett unterschiedliche Geburtsdaten.

Im Laufe des Prozesses werden auch Altersgutachten vorgestellt. Eines fußt auf der Untersuchung eines Eckzahns von Hussein K. Diesen Zahn hatte der Angeklagte in seinem Zimmer aufbewahrt, wo ihn die Ermittler bei der Hausdurchsuchung entdeckt hatten.
Der Prozess gegen Hussein K.

Verhandelt wird gegen den afghanischen Flüchtling Hussein K. Er ist angeklagt des heimtückischen Mordes in Tateinheit der schweren Vergewaltigung. Er soll in der Nacht des 16. Oktober die Studentin Maria L. am Dreisamuferradweg vom Fahrrad gezerrt, gewürgt, gebissen und vergewaltigt haben. Seit vergangener Woche läuft der Prozess gegen den jungen Mann. Hatte er sich am ersten Verhandlungstag erstmals zu seiner Person geäußert, machte er nun auch Angaben zu jener Nacht, in der Maria starb.

Am dritten Verhandlungstag, am Mittwoch, sollen Bekannte aus dem Umfeld von Hussein K. gehört werden, mit denen er den Abend des 15. Oktober verbracht hat – den Abend vor der Tat. Insgesamt hat die Jugendkammer mit Richterin Kathrin Schenk 16 Verhandlungstage angesetzt, die sich über knapp drei Monate erstrecken werden. Das Urteil könnte am 8. Dezember gefällt werden.

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Autor: Joachim Röderer