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28. Juli 2012 17:33 Uhr
Der mühelose Weg auf einen Viertausender
Zwischen Bollywood und Gipfelglück
Rund 750 000 Menschen erklimmen jährlich Zug um Zug das Jungfraujoch. Was heute so mühelos scheint, war vor mehr als hundert Jahren ein verwegenes, ja irrsinniges Projekt,
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Qualvolle Handarbeit: Bau der Jungfraubahn vor 100 Jahren Foto: PR Jungfraubahnen
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Geschäftstüchtig: Halt an der Kleinen Scheidegg Foto: PR Jungfraubahnen
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Hoch hinaus: 750000 Menschen fahren jährlich zum Jungfraujoch. Foto: Anselm Bußhoff
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Reisen gestern und heute: Einst elegant unterwegs, geht es heute eher praktisch gekleidet durch das Tunnelsystem im Schweizer Alpgestein. Foto: PR Jungfraubahnen
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Reisen gestern und heute: Einst elegant unterwegs, geht es heute eher praktisch gekleidet durch das Tunnelsystem im Schweizer Alpgestein. Foto: Anselm Bußhoff
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Klick! Klick! Klick! Blick aus dem Tunnel in die gleißende Märchenwelt des Jungfrauregion Foto: Anselm Bußhoff
Die müssen verrückt gewesen sein! Wie ging das bloß? Vor hundert Jahren – unglaublich! Das Gehirn ist schlagartig und ohne ersichtlichen Grund aus seinem Halbdämmerzustand wieder erwacht, in den es geruckelt, gerattert und gelullt wurde von einer Stunde Fahrt mit dem Zug durch den Tunnel. Rund eine Stunde Dunkelheit vor dem Zugfenster, mitten am Tag. Der Orientierungssinn hat sich längst verabschiedet. Es ist kein gleichmäßiges Dahingleiten wie etwa bei der geraden Fahrt durch den Eurotunnel zwischen Frankreich und England. Nein, wir rumpeln steil bergauf, winden uns hoch zum Jungfraujoch, der mit 3454 Meter über dem Meeresspiegel höchst gelegenen Bahnstation Europas. Bohren uns durch das Schweizer Alpgestein wie eine Made durch den Apfel.
Rund 750 000 Menschen erklimmen jährlich Zug um Zug auf diese bequem gepolsterte Weise den Gebirgssattel zwischen den Schweizer Gipfeln von Mönch und Jungfrau. Gelangen so in die sonst unerreichbare Welt dieser Viertausender.
Was heute so mühelos scheint, war vor mehr als hundert Jahren ein verwegenes, ja irrsinniges Projekt, das unter Entbehrungen und Qualen, mit hohem Risiko für Leib und Leben in mühevoller Handarbeit am Berg verwirklicht wurde. Ohne Tunnelvortriebsmaschinen, ohne GPS, ohne Hubschrauber und modernes Gerät.
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Rückblick. Lange Zeit galt die Jungfrau, dieser von ewigem Eis und Schnee starrende, 4158 Meter hohe Berg als unbezwingbar. Mit der Erstbesteigung am 3. August 1811 jedoch scheint er greifbarer geworden. Von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts entstehen in der Schweiz zahlreiche Zahnradbahnen. Ein regelrechtes Bergbahnfieber grassiert. Und die unnahbare Jungfrau beflügelt seit der erfolgreichen Erstbesteigung die Fantasie der Schweizer. Mehrere Ingenieure tüfteln an Plänen, wie man eine Bergbahn bis zum Gipfel bauen könnte. Verschiedene Ideen und bereits genehmigte Projekte scheitern – an der Finanzierung.
Es ist der Großindustrielle und Finanzpolitiker Adolf Guyer-Zeller, der im August 1893 bei einer Wanderung mit seiner Tochter die Idee hat, von der Kleinen Scheidegg eine Verbindung zur Jungfrau zu schaffen. Von den ersten Skizzen bis zur Genehmigung seiner Pläne vergeht ein gutes Jahr. Einige Zeit später, am 27. Juli 1896, ist Spatenstich für die Jungfraubahn. Knapp sechzehn Jahre werden die schwierigen Arbeiten dauern, 30 Menschen wird das gewagte Projekt das Leben kosten. Am 1. August 1912 ist es so weit: Der erste Zug erreicht das Jungfraujoch.
Was einst als Sensation galt, ist heute durchorganisierte, touristische Fließband-Routine: Ganze Reisegruppen rollen mit Sonderzügen zum Jungfraujoch. Mehr als 60 Prozent der Touristen stammen aus Asien, besonders stark vertreten sind Japaner, Inder, Südkoreaner und Chinesen. Und so erklingen sämtliche Zugdurchsagen auch auf Japanisch und Chinesisch, sind Schilder in für Europäer kryptischen Schriftzeichen verfasst.
In dem Gebäude an der Endstation Jungfraujoch, das aufgrund seiner Form Sphinx genannt wird, erwartet Reisende eine Mischung aus Schweizer Souvenirshop, Glaspalast mit bei gutem Wetter gigantischem Ausblick, Cafébar und Restaurant Bollywood sowie ein riesiges Tunnelsystem, indem Geschichten rund um die Geschichte der Jungfraubahn erzählt und die Touristenströme entwirrt werden.
Als wir aus den dunklen Tunnelgängen unterhalb der Sphinx am Ausgang Eigergletscher ins gleißende Sonnenlicht treten, erwachen wir endgültig aus unserer Zugfahrt-Lethargie: Um uns herum glitzernder Schnee, das Weiß der unwirtlichen Viertausender, die Zacken schneiden sich in das strahlende Blau des Himmels. Die Menschenmassen haben sich zu bunten Outdoorjackentupfen vereinzelt. Es ist beinahe still.
Hier oben zu stehen: Auch heute noch eine kleine Sensation.
JUNGFRAUBAHN
Fahrtstrecke: Die Strecke hoch zum Jungfraujoch ist in verschiedene Abschnitte unterteilt: Von Interlaken entweder über Lauterbrunnen oder über Grindelwald mit dem Zug zur Kleinen Scheidegg. Von dort geht es in rund 55 Minuten überwiegend im Tunnel mit Zwischenhalt an zwei Panoramafenstern hoch zum Jungfraujoch.
Preise: Verschiedene Tarife; Hin- und Rückfahrt ab Interlaken Ost: rund 190 Schweizer Franken. Drei-Tages-Pass für das gesamte Streckennetz der Jungfrauregion: 225 Schweizer Franken.
Tipp: Vor einer Fahrt aufs Jungfraujoch unbedingt die Wetterbedingungen und Sichtverhältnisse klären.
Kontakt: Jungfraubahnen,
Harderstraße 14, CH-3800 Interlaken,
0041/33/8287233, E-Mail: info@jungfrau.ch
http://www.jungfrau.ch
Autor: Ronja Vattes





