Zwischen Storchenturm und ältester Bäckerei

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

So, 09. September 2018

Denzlingen

Der Sonntag Die Denzlinger Spurensuche überrascht mit einer Fülle an Informationen und einigen Schwächen.

Wer sich in Denzlingen auf die Spurensuche machen will, muss gut ausgerüstet sein: mit moderner Technik wie Smartphone oder Tablet und mit gutem Schuhwerk. Zwischen der westlichsten Hinweistafel jenseits der B 3 und der östlichsten bei der Gemarkungsgrenze Richtung Suggenbad liegen Luftlinie über vier Kilometer. Wer alle 29 Informationspunkte der Tour "Spuren suchen – Denzlingen entdecken" besuchen will, sollte jedoch mehr als die doppelte Strecke einplanen. Auswärtige werden meist am B
ahnhof starten, doch grundsätzlich ist der Einstieg überall möglich.

Zunächst gilt es, sich mit der Technik vertraut zu machen: Mit dem Smartphone oder Tablet den QR-Code, die kryptisch anmutende, schwarz-weiße Quadratfläche abgescannt, öffnet sich im Mobilgerät die Themenseite zur jeweiligen Infotafel. Angeboten werden dort direkt ein Video und ein kurzer Infotext. Rechts oben auf des Flaggensymbol geklickt, öffnet sich ein Sprachenmenü. Neben Deutsch stehen Versionen auf Englisch, Französisch, Italienisch und Polnisch zur Verfügung, als Kurztext wie auch als Kommentarsprache zum Video. Schade nur, dass die Stimmen, auch die Deutsche, arg synthetisch klingen, mit teils völlig unstimmigen Betonungen. Lebendige Sprecher hätten hier gut getan.

Der Storchenturm, der Dorfbach und seine Mühlen, die älteste Bäckerei am Ort: Wer an den kulturhistorischen Stationen mehr erfahren und sich intensiver mit Ort, Bauwerk und Historie befassen will, klickt auf "mehr Info". Das darf durchaus wortwörtlich verstanden werden, denn unter "mehr" öffnet sich ein überaus beachtlicher Fundus an Fakten, die der Historiker Dieter Geuenich federführend recherchiert und aufgeschrieben hat. Dieses über Jahrzehnte zusammengetragene Wissen kann – anders als es bei einem gedruckten Werk der Fall wäre – jederzeit ergänzt und dem aktuellen Stand des Wissens angepasst werden. Wie schnell das in der Praxis gelingt, wird sich zeigen. Dass der erst jüngst bei der Kirche St. Michael gefundene Friedhof noch nicht erwähnt wird, überrascht nicht – die Lücke wird sicherlich bald geschlossen. Das wird auch einfacher, als die gesammelten Texte in die Sprachen der Partnerstädte zu übersetzen. "Mehr Info" gibt’s bisher nur auf Deutsch. Bei den drei Infotafeln zu den Denzlinger KZ-Opfern sind ebenfalls keine fremdsprachigen Videos eingepflegt. Eine Ausnahme bildet die Erinnerung an den polnischen Kriegsgefangenen Kasimierz Dworak, bei der sich zumindest eine polnische Version finden lässt.

Überwiegend leicht lassen sich die 29 Hinweistafeln an den kulturhistorischen Gebäuden und Stätten im Ort finden. Einzig am Alten Rathaus lässt sich ein günstigerer Platz für die 30 auf 16 Zentimeter messende Infotafel vorstellen, als eingequetscht zwischen Tür und Infokasten. 18 Tafeln sind in der Nähe zur Glotter platziert. Das entspricht der historischen Entwicklung der ursprünglich Langen-Denzlingen genannten Siedlung, die sich entlang dieser Lebensader erstreckte. Dass heute eher die parallel verlaufende Asphaltstraße diese Rolle übernommen hat und die Spurensucher sich mit dem Verkehr bewegen müssen, lässt sich nur selten vermeiden.

Doch auch in ruhigeren Gefilden lassen sich Spuren suchen und finden: am Einbollen etwa zum Wasserlauf Glotter und zum Weinbau, vor allem aber auf dem Mauracher Berg, wo schon im Sommer 2015 die ersten acht mit QR-Codes bestückten Tafeln aufgestellt worden waren. Auf ihnen geht es um mehr als Historisches: Es werden auch Flora und Fauna, die Geologie und Themen rund ums Klima behandelt. Dass dabei mit Professor Gregor Falk, Geograf an der Pädagogischen Hochschule, ein echter Didaktiker mitwirkte, ist an eingebauten Rätseln erkennbar, die die Spurensuche auch für Kinder spannend macht. Diese Idee aus den Anfängen aufzugreifen und fortzuführen, hätte der digitalen Spurensuche einen interaktiven Charakter verliehen.

Quer über die Gemeinde Denzlingen spannt sich nun ein noch ausbaufähiges und immer wieder aktualisierbares Netz an Infopunkten für jeden, der mit dem aktuellen Standard an Kommunikationstechnologie ausgestattet ist. Viel Information und zwar direkt am Ort des Geschehens bietet die Spurensuche für Einheimische und Auswärtige. Dafür lohnt es sich, sich auf den Weg zu machen.

Markus Zimmermann