Studie

100 Tierarten leben in einem Haushalt – im Schnitt

dpa

Von dpa

Mi, 20. Januar 2016 um 00:00 Uhr

Panorama

Das große Krabbeln im Wohnzimmer: Mehr als 100 Tierarten leben laut einer US-Studie im Schnitt in jedem Haushalt – etwa Spinnen und Milben. Schädlinge sind nur wenige darunter.

Krabbeln, kriechen, knabbern: Die Wohnung lebt – und zwar weit mehr, als viele gern hätten. Mehr als 500 verschiedene Arten von Insekten, Spinnen, Milben und anderen Tierchen haben US-Forscher in Haushalten ausfindig gemacht.

Das dürfte nicht jedem gefallen: In einem einzelnen Haushalt leben im Mittel etwa 100 verschiedene Arten von Krabbeltieren – zumindest in den USA. Neben Fliegen und Käfern seien vor allem Spinnen, Ameisen und Bücherläuse typische Mitbewohner, berichten Forscher im Fachjournal PeerJ. Die gute Nachricht: Schädlinge sind nur die wenigsten von ihnen.

Die Wissenschaftler um Matt Bertone von der North Carolina State University in Raleigh hatten in der Stadt und ihrer Umgebung 50 freistehende Häuser mit insgesamt 554 Zimmern nach kleinen Lebewesen durchstöbert. Nur sichtbare Flächen, gut zugängliche Ecken unter Schränken eingeschlossen, wurden abgesucht. Alle aufgespürten Gliederfüßer – egal ob lebend oder tot – wurden erfasst. Dieser großen Tiergruppe gehören die Insekten, Tausendfüßer, Krebs- und Spinnentiere an. 32 bis 211 optisch klar unterscheidbare Arten fanden die Forscher in den einzelnen Häusern, im Durchschnitt waren es um die 100. Insgesamt wurden 579 verschiedene Spezies erfasst.

"Häuser bieten viel mehr Biodiversität, als die meisten Leute denken", so Bertone. "Wir stellen uns unser Zuhause oft als sterile Umgebung vor, aber das ist sie nicht." Unser Lebensraum sei auch der vieler Krabbeltiere. Haubennetzspinnen zum Beispiel wurden demnach in allen Häusern und in zwei Dritteln aller Räume gefunden. Immer im Haus zu finden waren zudem Speckkäfer, Gallmücken und Ameisen, fast immer gab es Bücherläuse und Trauermücken.

Auch versehentliche Besucher wie Kleinzikaden wurden erfasst. Viele der gefundenen Arten lebten nicht ständig in den Haushalten, sondern seien von draußen ins Haus gelangt, etwa in Blumensträußen, erklärt Bertone. In der Wohnung lebten sie dann meist nicht mehr lange. Als ein weiteres Beispiel dafür führen die Wissenschaftler die Gallmücken an, die sich von Pflanzen außerhalb der Häuser ernähren.

Zu den wenigen Schädlingen, die die Forscher aufspürten, zählten diverse Schabenarten wie die Rauchbraune Großschabe und die Amerikanische Großschabe. Sie kamen in knapp drei Vierteln der Haushalte vor. Seltener waren Termiten (28 Prozent der Häuser), Flöhe (10 Prozent) und die Deutsche Schabe.

"Die überragende Mehrheit der Gliederfüßler, die wir in den Häusern fanden, waren keine Schädlinge, sondern friedliche Mitbewohner", betont Bertone. Lästige Arten wie Staubmilben, Silberfischchen oder Kleidermotten habe es allerdings durchaus im Großteil der Häuser gegeben. Bettwanzen waren nicht darunter.

Die Forscher wollen ihre Analyse nun ausweiten. "Wir wollen in anderen Gegenden der USA Proben nehmen und erwarten da Unterschiede", sagt Bertone. Viele der Gliederfüßer seien aber in der ganzen Welt verbreitet. "Sie reisen seit Jahrhunderten mit den Menschen mit."

Eine ähnlich detaillierte Studie für Deutschland gibt es laut Umweltbundesamt nicht. Zumindest der Anteil der hierzulande vorkommenden Haushaltsschädlinge dürfte aber etwa dem Wert in den USA entsprechen, schätzt eine Mitarbeiterin der Zoologischen Staatssammlung München. Küchenschaben verursachten in Deutschland neben Mäusen und Ratten die meisten Probleme, berichten Schädlingsbekämpfer.