Vision für eine unterirdische Güterbahn im Aargau

skk

Von skk

Do, 18. Juli 2019

Aargau

Das Milliardenprojekt soll privat finanziert werden / Kantonsregierung steht dem Konzept positiv gegenüber.

KANTON AARGAU (az). Nach den Überlegungen für Fahrrad-Schnellstraßen sorgt im Schweizer Kanton Aargau eine weitere Verkehrsvision für Aufsehen. Als Privatinvestition ist eine unterirdische Güterbahnlinie geplant. Die Kantonsregierung steht dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. Doch sie hat Fragen zur Entlastungswirkung und zur Belastung bei den geplanten Stationen.

Schon vor Jahrzehnten entstand die Idee einer Swissmetro, einer unterirdischen Bahnverbindung durch die Schweiz. Sie wurde nach langen Diskussionen begraben. Jetzt liegt eine neue Idee vor: Die einer unterirdischen Transportbahn, "Cargo Sous Terrain" (CST). Wie es der Name sagt, geht es dabei nicht um Personen-, sondern nur um Warentransport. Die erste Etappe von CST soll von Zürich durch den Kanton Aargau nach Härkingen, dem Standort des Post-Paketverteilzentrums, führen. In Betrieb gehen soll sie nach den ehrgeizigen Plänen schon im Jahr 2030.

Die Kosten für die geplante 67 Kilometer lange erste Etappe fallen laut Patrik Aellig, Medienverantwortlicher von "Cargo Sous Terrain", mit drei Milliarden Franken weniger hoch aus als die ursprünglich kommunizierten 3,55 Milliarden Franken. Die genaue Linienführung durch den Aargau sei noch offen, sagt Aellig. Klar sei aber, dass man sich an den bestehenden Logistikzentren orientieren wolle. Im Aargau bestehen solche zum Beispiel in Suhr und Schafisheim. Zwischen Zürich und Härkingen-Niederbipp sind zehn sogenannte Hubs (Be- und Entladestellen) geplant, und zwar in den Räumen Zürich-Limmattal, Aargau Ost, Aargau West, Gäu und Härkingen. Aellig weiter: "Wir stehen dazu, dass diese Gütertransportbahn, die im Endausbau weiter nach St. Gallen, Basel, Luzern, Bern-Thun und bis Lausanne-Genf führt und 33 Milliarden Franken kostet, privat finanziert werden soll."

Der Bundesrat sondiert derzeit die Stimmung bei den betroffenen Kantonen. Die Anhörung soll zudem zeigen, ob CST die nötige Unterstützung hat. Aufgrund der Rückmeldungen will der Bundesrat entscheiden, ob er das Projekt und die Schaffung einer Gesetzesgrundlage weiter unterstützt. Hauptbetroffen von der ersten Etappe wären die Kantone Zürich, Aargau und Solothurn.

Dazu liegt jetzt die Stellungnahme der Aargauer Regierung vor. Sie begrüßt den auf privater Basis finanzierten unterirdischen Gütertransport gemäß CST-Konzept. Angesichts der bereits stark ausgelasteten Verkehrsinfrastruktur auf Schiene und Straße sieht die Regierung in der Vision einer unterirdischen Gütertransportlogistik "eine Chance für einen Beitrag zur Bewältigung der künftigen Güterverkehrsströme". Das innovative Vorhaben hätte zudem eine große Strahlkraft und könnte den Technikstandort Schweiz und die Standortattraktivität des Aargaus stärken, glaubt die Aargauer Regierung. In Bezug auf die raumrelevanten Auswirkungen lägen allerdings noch keine ausreichenden Grundlagen vor, um das Vorhaben in der kantonalen Verkehrsplanung zu integrieren, heißt es weiter. So sei noch nicht klar, welche Entlastung für das Straßennetz und welche zusätzliche Belastung im Umfeld der Hubstandorte zu erwarten sein werden. Oder wie die Güter in den Städten feinverteilt werden sollen. Der Aargauer Regierungsrat findet weiter, eine Infrastruktur mit nationaler Ausdehnung setze im Endausbau zwingend ein einziges, bundesrechtliches Bewilligungsverfahren voraus. Im föderalistischen Umfeld wäre ein Vorhaben gestützt auf kantonale Bewilligungen kaum realisierbar: "Der Kanton Aargau ist dezidiert der Meinung, dass die Zuständigkeiten für das Bewilligungsverfahren und die Planung untrennbar verbunden sind." Man erwarte ein klares Bekenntnis des Bundes zu diesem Vorhaben, heißt es in der Stellungnahme weiter. Der Kanton fordert zudem, dass der Bund für CST analog zum Eisenbahngesetz eine Infrastrukturkonzession erteilt.