Ach, die Männer und die Frauen

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mo, 25. März 2019

Theater

Frank Sauer gastierte mit seinem neuen Soloprogramm im Freiburger Vorderhaus.

"Also, wer ist hier, weil er Beziehungsprobleme hat? Oder anders gefragt: Wer würde sich jetzt melden, wenn der Partner nicht dabei wäre?", fragt Frank Sauer als selbsternannter Paartherapeut strahlend von der Vorderhaus-Bühne und wippt dazu dynamisch auf seinen extravaganten Schuhen. Klar ist das eine rhetorische Frage, um das Publikum bei der Freiburg-Premiere seines neunten Soloprogramms warm zu plaudern. "Scharf angemacht – Die besten Rezepte für Beziehungssalat", so sein Titel. Dabei hat der 1959 in Berlin geborene, vielfach ausgezeichnete Kabarettist fast ein Heimspiel, lebte er doch vor seinem Umzug ins Saarland viele Jahre in Freiburg, wo er 1990 das Kabarett "Nestbeschmutzer" gründete, das bis 2004 existierte.

Um Männer und Frauen samt ihren Unterschieden geht es – ein dankbares, wenn auch wenig originelles Thema, das von der Comedy-Riege rund um Mario Barth schon bis auf die Knochen ausgelutscht wurde und lediglich niedrigschwellige Unterhaltung mit Schenkelklopfer-Alarm befürchten lässt. Nur gut, dass Frank Sauer nicht nur ein intelligenter und sprachwitziger Erzähler ist, sondern auch ein charismatischer Schauspieler, der die Aufmerksamkeit der Zuschauer mühelos zu fesseln weiß. Auch wenn er dann gleich los rappt über den Schöpfungsunfall Mensch als Testversion mit Füßen dran. Trotzdem schwächelt das erste Drittel dieses Abends bei einer nur halbherzig gebrochenen Klischeesammlung: Frauen gehen gerne shoppen, haben grundsätzlich nichts anzuziehen und überhaupt keinen Orientierungssinn, Männer sind wehleidig und können nicht zuhören, die Ehe ist Falle und Gefängnis. Das sind erst mal nichts als alte Zöpfe und Pointen mit langen Bärten, wenn sie auch mit viel Augenzwinkern als Herrenwitz-Satire präsentiert werden.

Zum Glück wird es dann spannender, weil gesellschaftsrelevanter, wenn Sauer das aktuelle Beziehungsdickicht durchpflügt und dessen Symptome in plastische und immer absurdere Szenarien kleidet: so wie der Sportfanatiker, der beim Sex eine Pulsuhr trägt und statt der Frage "Wie war ich?" ein laminiertes Diagramm seiner Atemfrequenz samt Sauerstoffsättigungsgehalt im Blut verschenkt. Sehr lustig auch, wenn Sauer einen von Gewissensdämonen gebeutelten Mann nach dem Seitensprung spielt, sich an Freuds Penisneid abarbeitet oder wenn er die Wirkung von Beziehungskiller-Wörtern wie "immer" und "nie" in einem fingierten Streitdialog demonstriert. Und auch an Selbstironie mangelt es dem sympathischen Glatzkopf nicht: Denn wie ließe sich das Älterwerden samt "temporären genitalen Festigkeitslücken" besser kompensieren als mit Aufsitz-Rasenmäher oder Acht-Meter-Gasgrill?

Im launigen Spagat zwischen Fettnäpfchen, groben Scherzen, federleichter Parodie und verspielter Albernheit steigert sich der Kabarettist so in ein leidenschaftliches Plädoyer hinein gegen den sprachlichen Starrkrampf der politischen Korrektheit, entwirft krude Thesen zum männlichen Urjäger-Gen und der weiblichen Denklautstärke, spottet grandios über monsterteure XXL-Hochzeiten und brilliert als schmalziger Schlagersänger. Frank Sauers Botschaft lautet schlicht: Redet miteinander, vor allem aber akzeptiert eure Unterschiede! Alles in allem beste Unterhaltung!