Akribischer Sammler und Archivar

Otmar Faller

Von Otmar Faller

Mo, 21. Oktober 2019

Hartheim

Adolf Pfrengle aus Hartheim feierte 85. Geburtstag / Großer Fundus in Sachen Ortsgeschichte.

HARTHEIM AM RHEIN. Wer nicht glauben kann, dass der Ort Hartheim seit dem Jahre 773 besteht, oder wer wissen will, wie viel Kirchenfeld seit dem Jahre 1594 im Besitz der damaligen Hartheimer "Peterskirche" war, der ist bei Adolf Pfrengle aus Hartheim, der am 20. Oktober bei guter Gesundheit und wachem Geist seinen 85. Geburtstag feierte, an der richtigen Adresse. Seit seinem Eintritt in den Rentnerstand – er war früher als Gemeindearbeiter tätig – ist es für ihn zum Hobby geworden, sich über die Geschichte seines Heimatortes zu informieren und die erworbenen Kenntnisse entsprechend zu archivieren. Inzwischen hat sich seine akribische Sammelleidenschaft zu seinem privaten Geschichts-Fundus von Hartheim entwickelt, auf den der Jubilar an seinem Festtag sehr stolz zurückblicken kann.

Schon beim Eintritt in sein Haus spürt man den Hauch der Geschichte. Bilder von ehemaligen Schiffen auf dem Rhein, ehemaligen Häusern aus dem Dorf, die nicht mehr existieren, oder von "seinem" Musikverein vor vielen Jahren zieren den Flur. Von dem Jubilar lässt sich auch erfahren, welche Familiennamen es vor und nach dem 30-jährigen Krieg in Hartheim gegeben hat. Auch besitzt er eine Sammlung in Worten und Bildern von hohem ideellem Wert über alle ehemaligen Kriegsteilnehmer aus Hartheim aus den letzten beiden Weltkriegen, die seinesgleichen sucht, und vieles andere mehr.

Als ehemaliger Gemeindebediensteter im Hartheimer Rheinwald hat er sich auch mit der Natur angefreundet und alles fotografiert, was mit Flora und Fauna in Zusammenhang gebracht werden kann. So sind auch seine Sammlungen über die heimischen Pilze für den Beobachter sehr beeindruckend.

Der Jubilar wurde in Freiburg geboren, war aber immer in Hartheim wohnhaft. Schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 wurde er mit seiner Familie nach Hittisau in Österreich, das damals zu Deutschland gehörte, evakuiert. Nach Beendigung des Polenfeldzuges war zwar die Rückkehr nach Hartheim wieder möglich, doch schon vor Beginn des Frankreichfeldzuges erfolgte die zweite Evakuierung nach Pfullendorf und im Jahre 1944 dann die dritte Evakuierung nach Ehrenstetten.

Weil der Großvater von Adolf Pfrengle blind aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte und dessen Sohn und Onkel im Zweiten Weltkrieg als Jagdflieger in Italien gefallen sind, hielt sich der Jubilar wegen der Arbeit auf der von diesen Großeltern betriebenen Landwirtschaft hauptsächlich bei diesen auf. Nach Aufgabe derselben war er von 1980 bis 1997 bei der Gemeinde als Waldarbeiter beschäftigt.Der Jubilar war nie verheiratet, lebt alleine und ist mit sich, "so wie es ist", zufrieden und erfreut sich bester Gesundheit. "Einen Hausarzt brauche ich nicht", schmunzelte er, "ich bin gesund und brauche keine Medikamente".

Neben den bereits erwähnten Hobbys ist er auch noch Briefmarkensammler und, darauf legt er großen Wert, seit 1950 ununterbrochen bis heute bei der Trachtenkapelle Hartheim als Baritonbläser aktiv. Und so war es auch nur folgerichtig, dass ihm seine Musikkameraden am Abend seines Ehrentages mit musikalischen Weisen zu seinem runden Geburtstag gratuliert und alles Gute gewünscht haben.