Kirche

Alle Geschöpfe sind miteinander verbunden

Clemens Bühler

Von Clemens Bühler (Sasbach)

Di, 21. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Auch Tierschützer wenden sich enttäuscht von der Kirche ab", Zuschrift von Monika Grieshaber (Forum, 14. Juli)
Ist die Kirche verantwortlich für Tierquälerei, wie der Leserbrief unterstellt? Es ist schön, wenn der hohe moralische Anspruch, den die Kirche zu erheben scheint, auf sie selbst angewandt wird. Sie besteht aus Menschen und ist in vielen Bereichen ein Spiegel der Gesellschaft. Die in der ersten Zeile des Leserbriefs über Tierschutz genannten Missbrauchsfälle sind ein trauriges Beispiel dafür. Der Buchtitel "Glaube, Gott und Currywurst" hat auch mir missfallen. Im Rheinland steht die Currywurst wohl für Geselligkeit – wie im Badischen der Wein, der bei kirchlichen Anlässen angeboten wird.

Im Hintergrund höre ich Antialkoholiker oder Drogenberater, die die Kirche an ihre Versäumnisse erinnern möchten. Die Kirche ist nicht Gott. Gott nimmt dem Menschen nicht die Verantwortung für sein Handeln ab. Ich verstehe nicht den Vorwurf, Gesprächsbereitschaft Tierrechtlern gegenüber sei "sehr begrenzt bis nicht vorhanden". Das katholische Bildungszentrum Offenburg hat mit der evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau mehrfach zu Vorträgen und Diskussionen über das Tierwohl eingeladen. In Münster betreiben Christen das theologische Institut für Zoologie. Vieles hat sich im Bewusstsein verändert, nicht nur in der Kirche, vieles bleibt noch zu tun.

Was ist gemeint mit der Unterstellung, die Kirche sei "in vieler Hinsicht auch Ursache und Teil dieses grausamen Systems" Massentierquälerei? Ich möchte gern den Schluss des Leserbriefs mit dem Zitat von Jörg Zink ins Positive wenden: "Wenn das Christentum seinen mystischen Hintergrund nicht wieder entdeckt, hat es nichts mehr zu sagen!" Frau Grieshaber wird mir zustimmen, dass Mystik mehr bedeutet, als die Augen zu schließen und die Hände in den Schoß zu legen. Mystische Erfahrung spiegelt sich für mich in der Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus wider. Darin spricht er von der Überzeugung, dass sämtliche Geschöpfe des Universums "durch unsichtbare Bande verbunden sind". Es wäre schön, dies miteinander zu lernen. Clemens Bühler, Sasbach