Miteinander

Alle zusammen für die großen Veränderungen

Dorothee Jacobi

Von Dorothee Jacobi (Schopfheim)

Do, 02. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Das Virus könnte sogar aussterben", Beitrag von Lars Fischer (Politik, 16. Juni)

Nichts wäre wünschenswerter als das. Und doch wäre selbst damit das Problem nicht aus der Welt, denn es kann ein nächstes, ähnliches oder anderes Virus kommen. Solange wir nicht an den eigentlichen Ursachen der Virusentstehung etwas ändern, wird diese Gefahr weiter bestehen.

Das allerdings würde wirklich eine weitreichende Umstellung unserer Wirtschaftweise, Agrarindustrie und unseres Konsumverhaltens erfordern. Biologen und andere Fachwissenschaftler weisen darauf hin, dass durch die Zerstörung von Lebensräumen zugunsten riesiger Monokulturen weltweit Krankheitserreger, die zuvor in stabilen Ökosystemen gebunden waren, freigesetzt werden und in Städte migrieren können. Hinzu kommen hohe Übertragungsraten in dichten, einseitig gezüchteten Tierpopulationen. Es geht also um sehr viel Grundlegenderes als um Gegenmaßnahmen, so sinnvoll diese im Augenblick noch sein mögen. Vielmehr hätten wir jetzt eine Chance, wirklich umzudenken. Anstelle einbahnstraßenartiger Schlussweisen – da ist ein Virus, die Rettung ist allein ein Impfstoff – könnten wir in Zusammenhängen denken lernen: Unser Umgang mit den Lebensräumen von Tieren und Pflanzen bis in entfernteste Gegenden der Erde hat damit zu tun, dass bei uns eine Viruskrankheit ankommt. Und sie zeigt sich selbst hier derzeit am stärksten dort, wo wir das Leben der Tiere missachten, indem wir sie als bloße Fleischlieferanten benutzen.

Es gibt längst Alternativen, gerade in der Tierhaltung. Besonders in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft wird ein landwirtschaftlicher Zusammenhang gesehen, der jedem Lebewesen seinen Raum gibt, ein Versuch also, den Zusammenhang im Kleinen zu heilen. Für die Veränderungen, die im Großen notwendig sind, könnten jetzt alle zusammen helfen: der und die kleine Konsumentin genauso wie die große Politik. Wann, wenn nicht jetzt? Dorothee Jacobi, Schopfheim