Gottesdienst in Corona-Zeiten

ANGERISSEN: Teilen und desinfizieren

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Mo, 18. Mai 2020

Kolumnen (Sonstige)

Nun endlich auch wieder in St. Peter auf dem Schwarzwald, in der Barockkirche von Peter Thumb: Gottesdienst in Corona-Zeiten. Einfach macht es einem die – wievielte? – Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg nicht, an einer heiligen Messe teilzunehmen. Man muss sich anmelden, na klar, und es passen jetzt noch genau 40 Gläubige in das ohne Emporen rund 350 Menschen Platz bietende Gotteshaus. Die Desinfektionsflasche gehört einstweilen fast zur Liturgie: Vor der Kommunionausteilung wird sie auf einem Barocktischchen feierlich vorn in den Gang gestellt. Der Pfarrer hat sich davor in der Sakristei die Hände nochmals desinfiziert. Nach langen Minuten kehrt er wieder mit einem medizinischen Handschuh an der den Leib Christi austeilenden Hand. So sieht das aus: Teilen unter Hygienevorschriften.

Trotzdem hat die Feier in der schütteren Gemeinschaft etwas Tröstliches an sich. Beim Friedensgruß, bei dem man einander vor Corona vertrauensvoll die Hand gab, darf man sich jetzt anschauen und zunicken. Es ist der einzige – deshalb umso berührendere – Moment von Miteinander während der Liturgie. Und man erkennt sogar ein Lächeln bei den Gläubigen, die während der Messe auf einen Mundschutz verzichten. Viele sind das nicht unter den Wenigen. Dabei ist bei der Besetzung mit zwei Teilnehmern in jeder zweiten Reihe für den von der Exekutive vorgeschriebenen Sicherheitsabstand mehr als gesorgt.

Geht das: gemeinsam zu beten hinter der Maske, die jeden Mitbeter auf Abstand hält? Es ist eher ein Beten für sich – aber wenigstens in einem gemeinsamen Raum. Und das ist ja nicht irgendein Raum. Es ist dieser herrliche barocke Innenraum, den der Architekt so lebendig, so licht gestaltet hat. Hier lässt es sich leichter verschmerzen, dass der Gemeinde das Singen derzeit untersagt ist. Und der fabelhafte Organist Johannes Götz, der die Kirche schon oft in einen Konzertsaal verwandelt hat, lässt sie immerhin akustisch teilhaben am Gesang einer Sopranistin, die jetzt stellvertretend für alle den vokalen Part übernommen hat. Das ist wahrlich besser, als selber nach innen singen zu müssen. Viel besser.