91 Prozent der Absolventen haben eine Beamtenstelle

Wolfgang Löhnig

Von Wolfgang Löhnig

Fr, 15. März 2019

Appenweier

Die Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl hat 346 Studierende nach Abschluss des Bachelorstudiengangs verabschiedet.

APPENWEIER. Mit Aushändigung der Urkunden schlossen 346 Absolventen des 9. Bachelorjahrgangs an der Hochschule für öffentliche Verwaltung ihre Ausbildung ab. Professor Paul Witt, Leiter der Hochschule, grüßte bei seiner letzten Veranstaltung dieser Art, er geht bald in den Ruhestand, Absolventinnen und Absolventen in der besetzten Schwarzwaldhalle.

In seiner Ansprache ging er auf die steigende Zahl weiblicher Studierender ein. Als die Hochschule 1972 ihre Pforten öffnete gab es 20 Prozent weibliche Studierende. Bei der 9. Bachelor-Abschlussveranstaltung lag die Zahl der Studentinnen bei 75 Prozent der insgesamt 1400 Studenten in Kehl. Eine gute Zahl zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts, so Professor Witt. Moderne Frauen hätten heute viel mehr Möglichkeiten selbst über ihr Leben zu bestimmen. Ihre Berufstätigkeit sei nichts Ungewöhnliches mehr. All diese Erfolge hätten sich Frauen erkämpfen müssen, teilweise unter Einsatz ihres Lebens, erinnerte Witt an die Einführung des Frauenwahlrechts 1918. Aber "auch wenn Gleichstellung gesetzlich verankert ist, existiert noch lange keine gleichberechtigte Gesellschaft", so der Hochschulleiter. Er erinnerte daran, dass der Frauenanteil im Bundestag bei 30 Prozent liege, in den Stadt- und Gemeinderäten, in den Kreistagen in Baden-Württemberg bei etwas über 20 Prozent. 1984 waren es gerade mal 9,5 Prozent. In Baden-Württemberg gibt es 32 Landräte, aber nur drei Landrätinnen, das entspricht einem Frauenanteil von gerade mal 8,5 Prozent. Obwohl Deutschland zurzeit von einer Frau geführt wird, liegt die Leitung der "Regierungsgeschäfte auf Landesebene in den meisten Bundesländern seit jeher fest in Männerhand. Liebe Absolventinnen, machen Sie es besser", forderte Witt die Damen auf.

Von den 346 aktuellen Absolventen des Bachelorstudiengangs "Public Management" hätten bereits 92 Prozent eine Stelle oder eine Stelle in Aussicht. 91 Prozent hätten angegeben, eine Beamtenstelle zu haben, nur ein Prozent sei als tarifbeschäftigt Mitarbeitende angestellt. Acht Prozent hätten noch keine Stelle.

Nur ein Prozent ist über den TVöD beschäftigt

Davon wolle eine Hälfte noch ein weiteres Studium aufnehmen, die andere gehe ins Ausland oder suche noch die passende Stelle. 72 Prozent hätten bereits ihre Stelle angetreten. In Städten über 20 000 Einwohner kämen 39 Prozent unter, die Landkreise nähmen 32 Prozent auf, nur ein Prozent hätten außerhalb von Baden-Württemberg eine Stelle gefunden. Der Rest bleibe im Land. Die Hochschule Kehl konnte am 4. März 50 zusätzliche Studienanfänger begrüßen, die Zulassungszahl liege nun bei 453.

Mit launigen Worten verabschiedete AStA-vorsitzende Alice Hildebrand die Absolventen. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrups Rede erfolgte später wegen eines Unfalls auf der Autobahn verzögerte sich seine Ankunft. Er ging auf die Verwaltung von morgen ein, auf die Veränderungen, denen die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes gegenüberstehen. Gute Erfolge habe man in Karlsruhe mit der Einrichtung von "Korridoren" erfahren. Eine agile, kreativ- und innovationsförderlichen Arbeitsweise sei so möglich, aber auch die Quervernetzung über Fach- und Hierarchiegrenzen hinweg, einschließlich der Einbindung von Personen aus der Stadtgesellschaft. Dies sei künftig dringend erforderlich.

Am Ende seiner Ansprache zeichnete er die beste juristische Bachelorarbeit aus, Carmen Tränkle war die Preisträgerin.