Reaktion auf Corona-Krise

ARaymond kürzt Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden pro Woche

bz, hf

Von BZ-Redaktion & Herbert Frey

Di, 28. Juli 2020 um 13:08 Uhr

Weil am Rhein

1500 Mitarbeiter arbeiten in Lörrach und Weil am Rhein für den Automobilzulieferer. ARaymond spürt die Folgen der Pandemie. Befristete Arbeitsverträge werden nicht verlängert, die Arbeitszeit verkürzt.

ARaymond verzeichnet einen deutlichen Umsatzeinbruch im laufenden Geschäftsjahr. Seit April wird kurzgearbeitet. Nun hat man ein konsequentes Sparprogramm eingeleitet. Befristete Arbeitsverhältnisse sowie Zeitarbeitsverträge werden nicht mehr verlängert. Die Arbeitszeit wird dauerhaft auf 35 Stunden reduziert. Damit schließt man betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahresende aus, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Bereits 2019 hatte ARaymond aufgrund der internationalen Handelskonflikte und nachlassender Märkte einen Umsatzrückgang von rund 14 Millionen Euro zu verzeichnen. Lag der Jahresumsatz 2018 noch bei 256 Millionen Euro, so erzielte ARaymond Ende 2019 nur 243 Millionen Euro. Für 2020 plante die Unternehmensleitung deshalb nur mit einer leichten Steigerung zum Vorjahr. Diese Planung habe sich in den Unternehmensumsätzen der ersten zwei Monaten 2020 widergespiegelt, heißt es nun. Ab März seien dann die Umsätze Corona-bedingt aber drastisch eingebrochen.

Umsatzrückgang bis zum Jahresende von 30 Prozent erwartet

Stand Juli geht ARaymond von einem Umsatzrückgang zum Jahresende von 30 Prozent aus. Damit stünden die Unternehmensgröße und die daraus resultierende Kostenstruktur, die auf den Planzahlen ausgerichtet waren, in einem Missverhältnis zum jetzt erwarteten Umsatz und deshalb rechne das Unternehmen mit einem klaren Jahresverlust. Auch für das kommende Jahr 2021 zeichne sich ab, dass sich die Unternehmensaktivitäten nicht auf das Vor-Corona-Niveau erholen werden.

Diese Entwicklung habe das Unternehmen zum Handeln gezwungen. So sei Ende März zeitgleich mit dem öffentlichen Corona-Shutdown und den Werkschließungen der Automobilhersteller, die Unternehmenstätigkeit bei ARaymond auf ein Minimum reduziert worden. Seit Anfang April wurde in allen Unternehmensbereichen konsequent Kurzarbeit eingeführt, die aktuell weiterhin viele Unternehmensbereiche betrifft.

Umfangreiche Sparmaßnahmen mit dem Betriebsrat abgestimmt

Da sich für das nächste Jahr keine Umsatzerholung auf Vor-Corona-Niveau abzeichnet, sieht sich die Unternehmensleitung gezwungen, weitere Maßnahmen einzuleiten. Diese wurden in harten, aber konstruktiven Verhandlungen mit dem Betriebsrat abgestimmt. So wurden Zeitarbeitsverhältnisse aufgelöst, auch werden befristete Arbeitsverträge selektiv beendet und freiwerdende Arbeitsstellen aufgrund natürlicher Fluktuation nicht neu besetzt. Die vertragliche, wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden wird dauerhaft auf 35 Stunden reduziert, dies führt zu finanziellen Einschnitten auch bei den daran angeknüpften freiwilligen Leistungen. Außerdem wird eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten umgesetzt.

Mit diesen Maßnahmen werden betriebsbedingte Kündigungen bis zum Jahresende ausgeschlossen. "Damit haben wir unseren eigenen Weg nach ARaymond-Vorstellungen gefunden", so Geschäftsführer Jürgen Trefzer.

Ausbildung wird wie geplant fortgesetzt

Trotz dieser Entwicklung sei sich ARaymond der Verantwortung als großes Ausbildungsunternehmen in der Region sehr wohl bewusst. Zusätzlich sieht es auch den sich weiterhin verschärfenden Facharbeitermangel in der Zukunft, dem seit Jahren durch eigene Ausbildung begegnet wird. Deshalb würden auch in diesem Jahr, wie geplant, voraussichtlich 27 junge Erwachsene ihre Berufsausbildung beim Unternehmen beginnen, acht Berufseinsteiger weniger als im Vorjahr. Diese Verringerung sei jedoch nicht der Corona-bedingten Sondersituation geschuldet, sondern dem Trend, dass viele Jugendliche lieber ein Studium aufnehmen und keine Ausbildung in einem technischen oder handwerklichen Beruf anstreben.

"Ich bin froh, dass es dieses Jahr zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt", sagt die Betriebsratsvorsitzende Petra Pässler. Die Absenkung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 35 Stunden habe eine ganze Menge Arbeitsplätze gesichert. Leider habe man auch einige der freiwilligen Zulagen, die mit der 40 Stunden-Woche verbunden waren, opfern müssen.

"Das freiwillig bezahlte Weihnachtsgeld konnten wir aber retten, anderes, das gestrichen wurde, wie etwa das Fahrgeld, wird, gerechter verteilt, wieder zurückfließen." Betriebsratsvorsitzende Petra Pässler

So hat ARaymond etwa bei den Nachtzuschlägen oder den Zuschlägen für die Conti-Schicht bislang freiwillig mehr bezahlt, als tariflich vorgeschrieben. Dafür fiel die Lohnsteigerung etwas geringer aus. "Das freiwillig bezahlte Weihnachtsgeld konnten wir aber retten, anderes, das gestrichen wurde, wie etwa das Fahrgeld, wird, gerechter verteilt, wieder zurückfließen", betont Pässler, dass auch einiges für die Mitarbeiter herausgeholt werden konnte.



Es seien "sehr ausführliche Verhandlungen über viele, viele Stunden" gewesen, resümiert die Betriebsratsvorsitzende. Man habe hart, aber ohne verhärtete Fronten verhandelt. "Wir können gemeinsam miteinander reden", verweist sie auf den "Raymond-Weg", der darin bestehe, "nicht mit der Keule durch den Wald zu rennen". So seien alle Einschnitte und Maßnahmen differenziert zu betrachten und flexibel – je nach Geschäftsverlauf – handhabbar.
Info

Derzeit beschäftigt ARaymond an den beiden Standorten Lörrach und Weil am Rhein knapp 1 500 Beschäftigte. ARaymond ist internationaler Partner der Automobilhersteller und deren Systemlieferanten und entwickelt, produziert und vertreibt Spezialbefestigungslösungen in Metall und Kunststoffausführung sowie Montageartikel.