Auf 20 Jahre gute Nachbarschaft

Volker Münch

Von Volker Münch

Mo, 22. Juli 2019

Müllheim

Wohnprojekt der Diakonischen Initiative "unBehindert miteinander leben" feiert in Hügelheim langjähriges Bestehen.

MÜLLHEIM-HÜGELHEIM. Seit 20 Jahren wohnen 13 Bewohnerinnen und Bewohner in der "Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderungen" in Hügelheim. Grund genug für ein Fest am Sonntag. Der Erfolg, so waren sich alle einig, liegt in dem besonderen Miteinander zwischen den Hügelheimern und den Bewohnern der Wohngemeinschaft. Gelebte Inklusion hat die Diakonische Initiative (DI) schon vor mehr als 20 Jahren initiiert.

Verantwortlich für das Gelingen dieses Wohnprojekts, bei dem Menschen mit teils schweren Behinderungen eine Heimat gefunden haben, war vor 20 Jahren der damalige Leiter der Diakonischen Initiative "unBehindert miteinander leben" Wolfgang Eitel. Er glaubte fest an den Erfolg, nachdem schon die gemeinsamen Freizeiten den Weg zum Erfolg vorgezeichnet hatten, erinnerte der Geschäftsführer der Diakonie, Albrecht Schwerer. "Damals hatte man bei Personen mit schweren Handicaps auf eine Heimunterbringung gebaut. Da war Eitels Idee völliges Neuland", erzählte Schwerer beim Sommerfest. Dass sich die Kritiker geirrt haben, zeige der heutige Erfolg der Wohngemeinschaft, die mit den Nachbarn und den Hügelheimer Dorfbewohnern verzahnt seien – gelebte Inklusion eben à la Hügelheim, sagte der Diakonie-Geschäftsführer.

Heute leitet Wolfgang Eitel in seinem "Unruhestand" den Förderverein der Diakonischen Initiative. Er erinnert sich an den nicht einfachen Entscheidungsprozess um das Wohngebäude in den Gremien des Kirchenbezirks. Es habe viel Aufregung, viel Unsicherheit, aber auch sehr viel Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen gegeben. In den Freizeiten hatte er immer wieder den Wunsch vernommen, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen zu können. "Das wollten unsere Menschen mit ihren Behinderungen aber nicht in einer Großeinrichtung verwirklichen", sagte Eitel. Für die Idee von einem barrierefreien Wohnhaus konnte Eitel mit Franz Pichl aus dem Münstertal einen Investor gewinnen.

Am Ende seien zwölf Appartements und eine größere Wohnung im Obergeschoss des Wohnhauses entstanden. Hinzu kamen ein Zimmer für die Nachtbereitschaft, ein Aufzug, Wohn- und Esszimmer mit Küche, Mitarbeiterbüro, Besprechungs- und Teamraum, ein Pflegebad, eine Waschküche, ein Werkstatt- und Kellerraum. Bei den Malerarbeiten engagierte sich der Männergesangverein. Eitel hatte beim Fest am Sonntag ein Geschenk im Gepäck: ein Bienenhotel für den Garten der Wohngemeinschaft. Das besondere Verhältnis zwischen den Einheimischen und den Bewohnern bestätigte Ortsvorsteher Martin Bürgelin. "Es war von Anfang an ein tolles Miteinander", sagte er und verwies darauf, dass es andernorts damals noch Berührungsängste zwischen Menschen mit Behinderungen und Bewohnern gegeben habe. Die Bewohner selbst hätten sich von Anfang an in ihrem neuen Haus sehr wohl gefühlt. Die Integration und das Miteinander zeige sich auch bei der Realisierung verschiedener Projekte, bei denen sich viele freiwillige Helfer aus der Dorfgemeinschaft einbringen würden, sagte der Ortsvorsteher.

Das Sommerfest ist das beste Beispiel dafür: Rund um die Wohngemeinschaft wurden die Vorplätze der Nachbarhäuser und Garageneinfahrten in das Fest mit einbezogen. Und wer sehen wollte, wie die Wohngemeinschaft lebt, konnte sich den Führungen durchs Haus, die Hausleiterin Christel Floß-Gerbig anbot, anschließen. Für musikalische Unterhaltung sorgte der Hügelheimer Musikverein.