Naturschutzbund

Aufgrund des milden Winters bleiben Vögel im Lande

Andreas R. Braun

Von Andreas R. Braun

Mi, 29. Januar 2020 um 10:18 Uhr

Freiburg

Die bekannte Nabu-Zählaktion "Stunde der Wintervögel" hat unter anderem für Meisen und Bergfink höhere Werte ergeben als im Vorjahr. Dafür dürfte der milde Winter verantwortlich sein.

Seit kurzem liegt die Auswertung zur "Stunde der Wintervögel", einer bekannten Mitmach-Aktion des Naturschutzbundes (Nabu), vor. Demnach haben Meisen, Eichelhäher, Gimpel und Bergfink diesmal besonders gut abgeschnitten – wofür in erster Linie der milde Winter verantwortlich sein dürfte. Unangefochten an der Spitze steht wie immer der Haussperling (umgangssprachlich: Spatz), Sorgen machen muss man sich um den Grünfink.

Vor allem drei Faktoren prägen das Gesicht der Winter-Vogelwelt: Natürliche Populationsschwankungen, Nahrungsangebot und Witterung. Aufgrund der milden Temperaturen und weil der Tisch an Feldfrüchten draußen noch gut gedeckt ist, hat sich am Aktionswochenende trotz des guten Wetters an vielen Vogelhäuschen eher wenig abgespielt.

Kohlmeise in fast allen Gärten zu sehen

Im Detail gelangen den rund 350 Naturfreunden, die im Stadtkreis mitgemacht haben, dennoch etliche interessante Beobachtungen: Die Kohlmeise (Platz 2) zum Beispiel war in fast 90 Prozent aller Gärten zu sehen und schnitt im Trend um 22 Prozent besser ab als im Vorjahr – vermutlich, weil die hiesige Population aktuell Verstärkung von Artgenossen aus Nordosteuropa hat.

Im Herbst ziehen nämlich jedes Jahr etliche Vögel von dort in Richtung Mittelmeer. Weil der milde Winter und das gute Nahrungsangebot einen Weiterzug praktisch überflüssig gemacht haben, sind auf dem Weg dorthin diesmal wohl mehr als sonst bereits hier hängengeblieben. "Bei Kurz- und Mittelstreckenziehern ist der Zugtrieb nämlich weniger stark in den Erbanlagen verankert als bei Langstreckenziehern", erläutert Felix Bergmann vom Nabu-Bezirksverband Südbaden die wissenschaftlichen Zusammenhänge.
Rangliste

Bei der "Stunde der Wintervögel" vom 10. bis 12. Januar 2020 belegten in Freiburg folgende Arten die ersten zehn Plätze (Stand: 27. Januar, in Klammer die Zahl der gemeldeten Exemplare):
1. Haussperling (1524)
2. Kohlmeise (861)
3. Rabenkrähe (692)
4. Amsel (537)
5. Blaumeise (504)
6. Buchfink (465)
7. Saatkrähe (461)
8. Feldsperling (310)
9. Rotkehlchen (206)
10. Elster (144)
Dazu kommen 51 weitere Vogelarten mit zusammen 1267 Exemplaren.

Aus dem gleichen Grund dürften auch die Blaumeise – sie verbesserte sich um einen Platz auf Rang 5 – und die Schwanzmeise (Platz 12, landesweit konnte sie um 41 Prozent zulegen) sowie weiter hinten Gimpel und Bergfink (Plätze 21 und 22) besonders gut abgeschnitten haben. Außerdem machte der Eichelhäher, von dem im Herbst deutschlandweit ein starker Einflug beobachtet wurde (die BZ berichtete), wie erwartet einen Sprung nach oben: Im Stadtkreis war der bunte Rabenvogel diesmal in jedem fünften Garten zu sehen und landete mit 87 Exemplaren auf dem 13. Rang (im Vorjahr Platz 21, das entsprach jedem zehnten Garten).

Ein Einzeller macht dem Grünfink zu schaffen

Mit Blick auf das überregionale Geschehen fällt zudem auf, dass neben dem Star auch andere klassische Zugvögel in der kalten Jahreszeit verstärkt bei uns bleiben, wenn auch noch auf niedrigem Niveau: Neben Bachstelze und Mönchsgrasmücke gilt das zum Beispiel für den Hausrotschwanz (4 Exemplare / Platz 40 in Freiburg), der bei milden Temperaturen auch im Winter an Hausfassaden Insekten und Spinnen als Nahrung findet: "Gut möglich, dass er in ein paar Jahren eine stabile Winterpopulation bei uns bildet", meint Felix Bergmann. Abermals schlecht fällt das Ergebnis für den Grünfink aus, der in Freiburg (115 Exemplare, Platz 11) lediglich in 18 Prozent aller Gärten zu sehen war. Ganz offensichtlich macht der hiesigen Population nach wie vor ein tierischer Einzeller namens "Trichomonas gallinae" zu schaffen, der den Magen-Darm-Trakt der Vögel befällt.