Spritzig und scharfzüngig

Volker Münch

Von Volker Münch

Mo, 11. März 2019

Auggen

Zum Abschluss der Buurefasnet setzen die Auggener Schlawiner nochmal einen närrischen Höhepunkt.

AUGGEN. Sie ist bekannt für spritzigen und frechen Klamauk: die Schlawinergilde in Auggen. Mit ihren beiden Schlawinerabenden in der Sonnberghalle setzten sie einen humorvollen Schlusspunkt der "Fünften Jahreszeit". Besonders Bürgermeister Fritz Deutschmann und das Rathausteam waren in einigen Auftritten das Ziel von Lachsalven, die von den Schlawinern abgefeuert wurden. Die beiden Zunftabende gehörten auch in diesem Jahr zum Besten der Markgräfler Saalfasnacht.

Vor der künftigen neun Meter hohen Lärmwand am Bahngleis in Auggen gab der "Schlawiner-Till Eulenspiegel" Albert Gamb seinen politischen Rundumschlag zum Besten. "Mir hänn 2018 gerade überstanden", meint der Redner mit seiner typischen Hörnerkappe. Und die war Programm: Gamb nahm das wirre Wechselspiel an den Spitzen der politischen Parteien genauso auf die Hörner – "…und sogar der Seehofer beginnt wieder zu bocken…" – als auch den möglichen "Exit vum Brexit" und kam dabei zum Schluss: "Ohne die EU wär’ Großbritannien nur eine weggespülte Nordseeinsel!" Natürlich ging er auch mit der Bahn und ihrem geplanten Mauerbau scharf ins Gericht: "Sind wir nur Bürger zweiter Klasse?"

Mit erhobenen Zeigefinger erinnerte er an Deutschmanns Auftritt bei der letzten Bahn-Demo, bei der er der Aussichtslosigkeit einer Tieflage das Wort redete und verbal die Flinte ins Korn warf. Der Kommentar des Eulenspiegels unter frenetischem Beifall des Publikums: "Er hat mächtigen Schwachsinn gelabert."

Auf der Suche nach einem Mann begab sich Neu-Schlawinerrätin und Vollblut-Bühnenakteurin Theresa Kiefer in die Bütt. Nach fragwürdigem Erfolg – plötzlich erschienen Oberschlawiner Axel Baßler und noch ein paar "angegraute Eminenzen des Schlawinerrates" als Kandidaten bei "Tinder" – schickte sie die bekannte Verkuppelungs-App ins Nirwana. Und weil das Schlawiner-Häs wenig sexy und damit ihrer Suche nach einem Mann wenig förderlich sei, verwandelte sie es kurzerhand in ein scharfes, hauchdünnes und die Weiblichkeit betonendes Outfit – der Saal tobte. Mit den beiden Jungstars der Schlawiner, Amy und Lou Golay, war dann die ausgelassene Stimmung in der Halle perfekt: Die beiden "Landeier" machten sich mit Oma Gerda Reinecker auf, die Großstadt zu entdecken. Dabei stellten sie fest, was es alles nicht in Auggen gibt, anders "in Schlienge, in Neueburg und z’Mülle". Zum Beispiel: ein intaktes Rathaus, das die beiden Jungstars im Heimatdorf vermissen. Trotzdem verliere der Bürgermeister niemals das Grinsen, was die beiden dann singend mit dem Gassenhauer "Er ist der eine, der immer lacht…" unterstrichen.

"Saufrech" und ein Garant für ein johlendes Publikum ist Mike Muser. In diesem Jahr schlüpfte er in die Rolle des italienischen Pizzabäckers Luigi Longo, der als Spezialität eine "Pizza Fritz" mit den Eigenschaften "geschmacklos und lauwarm" für den Schlawinerrat dabei hatte. Auch mit den Frauen hatte es der stramme italienische und mafiös angehauchte Teigkneter: "Wein ist wie meine Frau – Es gibt bessere, dafür taugt sie wenigstens zum Kochen." Womit er beim Thema war: Er kritisierte die "Wirtschafts-Krise" im Winzerdorf, nachdem von früher ein Dutzend Gasthäuser heute nicht einmal eine Handvoll übriggeblieben seien. Und was haben Bundestrainer Jogi Löw und Bürgermeister Deutschmann gemeinsam? Antwort: Löw und Deutschmann seien in ihrer ersten Amtsperiode gut gewesen, "in der zweiten kannst du beide vergessen!" Und in Sachen Bahn hielt ihn "Luigi Longo" angesichts seines verbalen Fehltritts für den "größten Spaßmacher". Immerhin: Der Pizzabäcker würdigte wenigstens seine Anwesenheit bei der Demo, während "seine Müllheimer Amtskollegin lieber im Eichwald gestanden hat und dabei sang: Mein Freund der Baum ist tot…" Und: Deutschmann sei der größte Liebhaber der Gemeinde, denn: "Etwa 2800 Menschen stöhnen unter ihm!". Und schon wieder tobte der Saal.

Ähnlich frech und so erfrischend unterhaltsam waren die beiden "Gelbwesten" Manuel Muser und Sebastian Falk, die sich über die Datenschutzgrundverordnung (DSVGO) und Lücken in der Auggener Infrastruktur – "Mir hänn drei Dönerläde, aber kei Metzger mehr" – lustig machten und als Ausweg im Kampf um die Bahn-Tieflage einen Juchtenkäfer als Grund für einen Baustopp herbeisehnten. Klamauk in Versform gaben Patrick Gaess und Basti Hurst beim Après-Ski zum Besten.

Dass die Schlawiner für ihre spitzzüngigen Redebeiträge große Bekanntheit in der Region erlangt haben, liegt nicht zuletzt auch an Ehrenschlawinerin Gerda Reinecker, die seit dem ersten Schlawinerabend vor 46 Jahren kein Jahr ausgelassen hat und in diesem Jahr die kleinen Fauxpas der Dorfprominenz durch den Kakao zog. Ein Dorn in ihrem Auge ist das sich ständig drehende Personalkarussell im Rathaus, das bestimmt am Ende den Hauptamtsleiter noch auf den Stuhl des Bürgermeisters katapultieren wird. Dass Bürgermeister Deutschmann dem Schlawinerabend ferngeblieben war, kommentierte Reinecker mit den Worten: "De Vogt bockt rum und hockt daheim, vor lauter Angst, was über ihn geredet wird." Sie rät ihm: "Nimm"s cool!"

Klamauk vom Feinsten mit viel Musik brachten die drei Nordmänner (Jürgen Gugelmeier, Erich Faißt und Tobias Meier) auf die Bühne, nachdem sie einem Hilferuf in einer Flaschenpost gefolgt waren. Den Ernst der Lage machten sie am Etikett der Flasche aus, das für das "Schliengener Sonnenstück" warb. Die Schnulze "Da, da, da" von der Deutsch-Pop-Gruppe "Trio" münzten sie zur Werbehymne Auggens um. Eine Augenweide waren die Tänze: Besonders die beiden Garden glänzten mit Höchstleistung und boten schmissige Tänze, die zu Beifallsstürmen und Zugaben führten. Auch die Schoppenglasschlotzer, die zu ihrem 22-jährigen Bestehen einen tollen Hästanz einstudierten und die Schlawinerfrauen, die zu Musik von ABBA brillierten, begeisterten und wurden erst nach Zugaben von der Bühne entlassen.