Aus für umstrittenes Projekt

sh, hub

Von Simone Höhl & Alexander Huber

So, 25. April 2021

Heitersheim

Investoren der Privatschule im Malteserschloss Heitersheim ziehen die Reißleine.

Das Vorhaben einer internationalen Privatschule mit Internat im Heitersheimer Malteserschloss ist geplatzt. Das haben Christian Hodeige, Sprecher der Investorengruppe für die Schule, und Peter Schmieg für die Schlosseigentümerinnen, am Donnerstag erklärt.

Als Hauptgrund für das Aus dieses Projekts, das in Heitersheim und darüber hinaus in den vergangenen zwei Jahren für viel Gesprächsstoff gesorgt hat, nannten Hodeige und Schmieg die Corona-Pandemie, die sowohl das Heitersheimer Projekt selbst ausbremste als auch die Lage internationaler Internatsschulen insgesamt beeinträchtige, wie Hodeige ausführte.

Der frühere BZ-Verleger wollte mit Partnern aus China eine Privatschule nach dem Vorbild der United World Colleges aufbauen, deren deutsche Niederlassung in Freiburg ist. Der Schlossstandort in Heitersheim wäre ideal gewesen, wie Hodeige noch einmal versicherte. Doch die Pandemie hat auch für die Partner in China, die dort Schulträger sind, einschneidende Folgen gehabt: Sie mussten ihre Einrichtungen bei laufenden Kosten schließen. Zudem hätte noch großer Abstimmungsbedarf bezüglich eines Anbaus bestanden, der nötig gewesen wäre, um die geplante Zahl von 300 Schülerinnen und Schülern unterzubringen. "Mit dem Zeitplan waren wir aufgrund von Corona schon jetzt rund 15 Monate hintendran. Viele ganz grundlegende Entscheidungen waren noch gar nicht getroffen", erklärte Hodeige. Auch aufgrund der weiterhin in Teilen der Heitersheimer Lokalpolitik bestehenden Skepsis gegenüber dem Projekt seien für das Vorhaben weitere Verzögerungen zu erwarten gewesen.

Hinzu komme eine politische Großwetterlage, die ein solches Projekt nicht gerade fördere, "und die von der Bürgerinitiative gegen die Schule im Schloss unseriös instrumentalisiert wurde", erklärten Hodeige und Schmieg. Das Vorgehen der BI Malteserschloss auch über den Bürgerentscheid hinaus, der zugunsten der Schule ausfiel, habe Spuren hinterlassen. Peter Schmieg, Baudirektor des Vinzentinerinnenordens, erklärte: "Wir sind von der Entscheidung mehr als betroffen, weil der Orden voll hinter dem Projekt stand." Man habe aufgrund der Pandemie aber Verständnis: Die Schwestern werden das Malteserschloss auf jeden Fall Ende 2022 oder Anfang 2023 verlassen.

Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus

Zsolt Pekker, Vorsitzender der Bürgerinitiative Malteserschloss, die sich vehement gegen die Schulpläne gewandt hat, begrüßte die jüngste Entwicklung. "Mit der Absage der Investoren bekommt Heitersheim eine zweite Chance: Die vielfältige öffentliche Nutzung des Malteserschlosses mit einem klaren sozialen Schwerpunkt wird nun wieder möglich", erklärte Pekker in einer Stellungnahme der BI. Man wolle in diesem Sinne konstruktiv mit der Stadt zusammenarbeiten. Pekker betonte erneut die kritische Haltung der BI zu den chinesischen Investoren und ihrem Verhältnis zum dortigen Regime. Bis heute seien viele Fragen diesbezüglich offen geblieben, so Pekker.

Vertreter des Vereins Schule im Schloss, der den Bürgerentscheid im Februar 2020 initiiert hat, in dem sich eine Mehrheit der Wähler für das Schulprojekt ausgesprochen hatte, zeigten sich enttäuscht. "Das Scheitern des Schulprojekts und die Umstände, die dazu führten, machen uns unfassbar traurig", schreiben sie in einer Pressemitteilung. Die internationale Privatschule hätte für Heitersheim viele Chancen eröffnet mit einem international ausgerichteten reformpädagogischen Bildungsangebot. "Vielfältige Menschen aus aller Welt werden nun nicht nach Heitersheim kommen können, um dort eine wesentliche Prägung zu erfahren." Mit dem Schulprojekt wäre auch der Erhalt der Malteserschloss-Anlage gesichert gewesen, schreibt Schule im Schloss. "Nun wünschen wir uns, dass es nicht dem Verfall preisgegeben wird."