Aus vier mach fünf

Dagmar Barber

Von Dagmar Barber

Di, 22. Juni 2021

Emmendingen

Segantini-Quartett bot mit Verstärkung ein Bekenntnis zu Beethoven und Schubert.

. Das Segantini-Quartett ist stets ein Garant für ein abgerundetes Klangbild. Seine Interpretationen sind tönende Bekenntnisse zum Vorrang der Melodie. Ihre äußerste Präzision und musikalisch kalkulierte Gestaltung machen deutlich, dass es ihnen um weit mehr als zur Schau gestellte Virtuosität geht.

Der Kulturkreis Emmendingen mit der neuen Vorsitzenden Franziska Grehling-Becker will in den kommenden Monaten nun die ausgefallenen Konzerte und den Vortrag der Beethovenreihe nachholen. Am vergangenen Sonntag begann dieses Vorhaben mit der Aufführung des Streichquartetts F-Dur op 18 von Beethoven.

Beim Konzert in der Steinhalle wurde vom ersten Takt an deutlich, dass Ludwig van Beethovens erstes Streichquartett F-Dur ein sehr emotionales Werk ist. Passagen gesteigerter Romantik kommen bei Marianne Aeschbacher, Fabio Marano, Tobias Moster und Antonio Pellegrini jedoch besonders zur Geltung. Das Quartett erzielte dabei interessante Klangmischungen. Das Werk kennt durchaus zarte Phrasen, ist passagenweise von beinahe haydnscher Leichtigkeit.

Nach der Pause wurde dann Franz Schubert mit seinem Streichquintett C-Dur op. Post 163, D 956 intoniert. Es war das letzte von ihm komponierte Werk. Beethoven und Schubert waren noch junge Männer in fast gleichem Alter (29 und 31), als das Quartett und das Quintett entstanden. Doch beide Stücke sind sehr unterschiedlich. Beethoven schrieb im Jahre 1799 seinen ersten Zyklus von sechs Streichquartetten für den Fürsten von Lobkowitz. Gleich in seinem ersten Zyklus gelang es ihm, die Quartettgattung neu zu prägen.

Schubert sprengte die Quartettform

Schubert schrieb mit dem C-Dur-Quintett ein Werk, das nicht nur durch Hinzunahme eines zweiten Cellos die Quartettform sprengte, sondern auch durch dessen sinfonische Dimension. "Ein Werk voller entrückter Klangschönheit mit dramatischem Kontrast", schwärmt Antonio Pellegrini. Für den zweiten Teil des Konzertes wurde eigens der Schweizer Cellist Matthias Kuhn engagiert, der außer seiner solistischen und kammermusikalischen Tätigkeit als Cellist große Erfahrung als Dirigent hat.

"Wir vier Musiker blicken auf mehr als 25 Jahre Quartettspiel zurück und können uns nicht vorstellen, ohne diese schönste Form der Kammermusik zu leben. Die Lust, sich mit den höchsten musikalischen Ansprüchen den großartigsten Werken der Quartettliteratur zu widmen, ist unser Ausgangspunkt. Unser gemeinsames Interesse an einem Werk, es erneut zu erarbeiten und unsere jahrelangen Erfahrungen in die Interpretation einfließen zu lassen, ist unsere Stärke", sagte Antonio Pellegrini nach dem Konzert. Und tatsächlich, die große Freude und kommunikative Entspanntheit, gepaart mit gleichzeitiger Unbedingtheit der Interpretation ist in jedem ihrer Konzerte zu spüren.

Auf die Frage, was die Stücke für ihn bedeuten, auch in den heute so besonderen Zeiten, antwortet Pellegrini: "Für mich war es schon lange ein großes Anliegen, gerade dieses Werk von Schubert noch einmal zu spielen. Meine Sorge ist, da ich die 70 überschritten habe, dass meine Finger irgendwann dieses schwer zu spielende Werk nicht mehr beherrschen." Und ergänzt lachend: "Vielleicht auch der Kopf."

In Gedanken hätte er schon lange überlegt, wie man dieses Werk mit größtem Ausdruck interpretieren kann. Denn gerade dieses sei ein sehr persönliches Werk, es rühre ihn und gerade nach der langen Corona-Pause habe es bestens gepasst. Antonio Pellegrini betont, dass die Gestaltung, die an diesem Abend wunderbar geklappt habe, "die beste in seinem Leben ist" und sie wäre nicht so gelungen ohne die intensive Arbeit seiner Kollegen.