Interview

Wie leben Jesidinnen, die in Freiburg Schutz gefunden haben?

fz, ar

Von Frank Zimmermann & Annemarie Rösch

Fr, 17. Juni 2016

Ausland

BZ-INTERVIEW mit dem Psychologen Jan Kizilhan aus Villingen-Schwenningen über Jesidinnen, die in Freiburg Schutz gefunden haben, und die Täter vom IS.

FREIBURG. Vergewaltigt, verschleppt, gedemütigt: Als die Terrormilizen des Islamischen Staats (IS) im August 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak eroberten, erlitten tausende Frauen der jesidischen Minderheit dieses Schicksal. Ihre Männer, Söhne, Väter wurden ermordet. Baden-Württemberg erklärte sich bereit, 1000 Frauen und Kinder dieser religiösen Minderheit aufzunehmen und zu behandeln. 200 leben in Freiburg. Frank Zimmermann und Annemarie Rösch sprachen darüber mit dem Psychologen Jan Kizilhan. Er gehört zu den Mitinitiatoren des Projekts.

BZ: Herr Kizilhan, die jesidischen Frauen leben in Freiburg abgeschirmt. Ihr Aufenthaltsort ist geheim. Warum?

Kizilhan: Diese Frauen waren bis zu anderthalb Jahren in IS-Haft, bevor sie flüchten konnten. Sie wurden vergewaltigt, versklavt, durch Nahrungsentzug bestraft. Die IS-Terroristen betrachteten sie als ihren legitimen Besitz. Auch in Deutschland sind diese Frauen in Gefahr. Die Attentate von Orlando und Paris haben gezeigt, dass sich auch in westlichen Ländern Menschen legitimiert fühlen, im Namen des IS zu handeln, andere zu bestrafen und zu töten.

BZ: Das UN-Flüchtlingswerk UNHCR hat kritisiert, dass die Frauen aus Ihrem Umfeld gerissen werden. Was waren Ihre Gründe, sie nach Deutschland zu holen?

Kizilhan: Ich kann die Kritikpunkte des UNHCR nicht ganz nachvollziehen. Diese Frauen stammen aus einer Region, die der IS größtenteils zerstört hat, sie leben in Flüchtlingslagern, in denen in über 24 Camps bis zu 20 000 Menschen untergebracht sind. Auch dort haben sie keine Wurzeln. 99 Prozent der Frauen, die wir geholt haben, wurden vergewaltigt. In der patriarchalischen Gesellschaft der Jesiden werden solche Frauen geächtet. Viele von ...

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