Reportage

In China boomt der Markt für Bodyguards

Fritz Schaap

Von Fritz Schaap

Sa, 21. Februar 2015 um 00:05 Uhr

Ausland

Bodyguards sind in China gefragter denn je. Männer und Frauen lassen sich für diesen Job ausbilden. Dabei dienen sie aber nicht nur dem Schutz, sondern auch als Statussymbol.

Zhong Ting ist eine zierliche junge Frau. 22 Jahre alt, die schwarzen Haare zum Pferdeschwanz gebunden. Unauffällig, so wie der Chef sie für den Job mag. Sie steht im schwarzen Anzug mit ihren zwei Freundinnen vor einem Tisch mit halbvollen Weinflaschen und dreckigen Gläsern. Beim ersten Schluck muss sie ein wenig würgen, es ist der erste Wein ihres Lebens, aber sie hat sich schnell im Griff. Die nächsten drei Gläser fließen stoisch auf ex, so wie Chen Yongqing, ihr Trainer, das von ihr verlangt. Der Blick nun einen Hauch glasig, die Bewegungen unsicher.

Zhong Ting möchte Bodyguard werden, deswegen ist sie hier beim dreiwöchigen Intensivtrainingskurs von Chen Yongqings "Tianjiao International Security Academy", einer der bekanntesten und ersten Ausbildungsstätten für Bodyguards in China. Ausdauer, Krafttraining, Kampftraining, Fahrtraining und Unterwassertraining stehen auf dem Stundenplan. Morgens um sechs geht es los, Abends um elf ist meistens Schluss. Und eben Weinverkostung und Kurse in gutem Benehmen, denn da Chinas neue Reiche ihre Bodyguards selten aus Sicherheitsgründen benötigen, sondern viel mehr als Statussymbol betrachten, müssen diese auch vorzeigbar sein, müssen sich auskennen in den Ritualen und Gepflogenheiten der mondänen Oberschicht. Trinken, so sieht das Chen Yongqing, der Gründer der Akademie in Peking, ist dabei sehr wichtig. Gerade Wein, denn reiche Chinesen spielen gerne Europa.

Ein guter Bodyguard muss auch trinkfest sein
19 junge Leute, 16 Männer und drei Frauen leben für drei Wochen in der Trainingshalle am Rande des Pekinger Bankenviertels. Ein Flachbau neben den Hochspannungsmasten, unter denen das Land so billig ist, dass arme Großfamilien gegenüber den Glastürmen der Deutschen Bank in kleinen, einstöckigen Steinhäusern wohnen. Und so sieht es aus, das Reich von Chen Yongqing: Nobler Eingangsbereich, Parkett, Rezeption, ein Café mit kleinen, goldenen Kaffeemaschinen, die aussehen wie aus dem Chemielabor, auf jedem Tisch. Ein Motorrad mit SS-Runen hängt neben einem riesigen Kühlschrank voll europäischem Importbier an der Wand. Dahinter der Trainingsraum, grüne und rote Gummiplatten auf dem Boden, Sandsäcke flankieren die Längsseiten, ein Boxring am Ende. Neben den Schlafräumen an den Seiten der ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 5 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ