Nachruf
Nelson Mandela: Ein Halbgott, der keiner sein wollte
Er steht für das Gute in der Politik – weltweit: Zum Tod des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela.
Ganz schön kokett? Gewiss nicht völlig frei davon. Tatsächlich hat Nelson Mandela jedoch nie seine Verwunderung darüber verloren, in welchem Maß er bereits zu Lebzeiten zum globalen Mythos geworden ist. Wann immer er anlässlich eines Geburtstages, eines zu seinen Ehren veranstalteten Rockkonzertes oder eines Staatsbesuchs mit nicht enden wollendem Applaus gefeiert wurde, war seinem verzückten Lächeln anzusehen, wie überrascht er von dem ganzen Jubel war – als ob das alles nicht ihm, sondern einem über ihm schwebendem Alter Ego gelte.
Mandelas Popularität war – vor allem in den letzten drei Jahrzehnten seines Lebens – nicht mehr zu überbieten: Das US-Magazin Time kürte ihn zum "Mann des Jahrhunderts", Staatsmänner, Königinnen und Popstars standen Schlange, um sich im Schatten der Ikone ablichten zu lassen, Sportler schauten stets nochmals bei Madiba vorbei (wie der Landesvater respektvoll unter seinem Clan-Namen genannt wurde), bevor sie zu ...