Operation gelungen

Peter Eck (SP-X)

Von Peter Eck (SP-X)

Sa, 28. September 2019

Auto & Mobilität

NEUVORSTELLUNG: BMW 1er / Der Kompakte tritt erstmals mit Frontantrieb an.

Die Konkurrenz in der Kompaktklasse ist groß und wird nächstes Jahr mit den neuen Generationen von Audi A3, Golf und Seat Leon noch härter. BMW hat dafür vorgebaut und präsentiert seinen neuen 1er – erstmals mit Frontantrieb.

In der Kompaktklasse geht es rund. Zwischen die bereits seit 2018 auf dem Markt befindlichen Ford Focus und Mercedes A-Klasse und die für 2020 avisierten VW-Konzernmodelle A3, Golf und Leon schiebt BMW nun seinen neuen 1er. Doch während es bei der Konkurrenz meist um die weitere Verbesserung eines bestehenden Konzepts geht, gibt es von den Münchnern eine kleine Revolution zu vermelden.

Und die heißt: mit Ausnahme der Spitzenmotoren Umstellung von Heck- auf Frontantrieb, keine Sechszylinder und übrigens – mangels Nachfrage – auch keinen Dreitürer mehr. Zum Marktstart gibt es zunächst fünf Motorisierungen, drei Diesel und zwei Benziner. Bei den Ottomotoren bildet der 118i den Einstieg, der von einem Dreizylinder mit 140 PS angetrieben wird. Bis zum zweiten Benziner ist der Sprung dann in jeder Hinsicht riesig, denn hier handelt es sich um den M135i, der es, immer mit Allrad, auf satte 306 PS und einen Grundpreis von 48 900 Euro bringt. Bei den Dieseln startet BMW ebenfalls mit drei Zylindern im 116d, dazu kommen zwei Zwei-Liter-Vierzylinder.

Optisch folgt die dritte Generation des BMW-Bestsellers den Spuren des Vorgängers, allerdings lassen sich auch signifikante Unterschiede feststellen. Vor allem an der Front mir ihren nun viel größeren, zusammenhängenden Nieren und den weit in die Karosserie gezogenen Scheinwerfern. Seitlich fällt die nach hinten ansteigende Fensterlinie ins Auge, die natürlich im markentypischen Hofmeister-Knick mündet.

Durch den Plattformwechsel und die Umstellung auf Frontantrieb (oder Allrad bei den Top-Modellen), konnte BMW den 1er sogar um die Winzigkeit eines halben Zentimeters kürzer gestalten, in der Höhe gibt es einen Zentimeter obendrauf. Die wirksamste Veränderung spürt man bei der Fahrzeugbreite: Der BMW misst dort jetzt 3,4 Zentimeter mehr – und mit 1,80 Meter doch nur genauso viel wie der noch aktuelle Golf. Im Vergleich zum Vorgänger bedeutet dies einen Fortschritt. Auch ein 1,85 Meter-Passagier sitzt hinten jetzt passabel und kann auch leichter zusteigen. Zudem ist der Kofferraum um 20 auf 380 Liter und somit auf Klassenstandard gewachsen.

Bei einer ersten Testfahrt stand ein 118d zu Verfügung. Dieser zeigte sich auf der Autobahn- und auf der Landstraße souverän. 350 Newtonmeter Drehmoment liegen ab 1750 Umdrehungen und dann praktisch über das gesamte nutzbare Drehzahlband an. Schon hier überzeugt aber vor allem das Fahrwerk, das man praktisch nicht an seine Grenzen bringen kann. Der neue 1er schiebt anderes als sein Vorgänger auch nicht mehr über die Vorderachse, sondern bleibt stoisch in der Spur.

So wird sich die Kundschaft über mehr Platz, mehr Komfort und moderne Assistenzsysteme wie die serienmäßigen Auffahr- und Personenwarnung mit City-Notbremsfunktion sowie eine Spurverlassenswarnung mit aktiver Rückführung freuen. Wer darüber hinaus noch etwas Geld übrig hat, sollte über das empfehlenswerte Head-up-Display sowie über den "Intelligent Personal Assistant" nachdenken, der mit brillanter Spracherkennung und automatischen Updates aufwartet und zudem selbstständig dazulernt.

Der eine oder andere 1er-Fahrer wird sich angesichts der Umstellung weg vom Heckantrieb trotzdem grämen. Die durch den Wechsel gewonnenen Vorteile sind allerdings so groß, dass sie diesen Verlust mehr als ausgleichen. Somit wird der bislang in zwei Generationen weltweit knapp 2,5 Millionen Mal verkaufte 1er wohl auch künftig ein Bestseller in der BMW-Modellpalette bleiben.