Sportler unter Strom

Thomas Geiger

Von Thomas Geiger (dpa)

Sa, 21. September 2019

Auto & Mobilität

Autobauer und Tuner entdecken die Elektrifizierung im Vollgassegment.

In Zeiten strengerer CO2-Grenz- werte ist das Auto unter Druck. Die Antwort lautet Elektrifizierung. Dieser Trend zeigt sich auch bei Sportwagen. Hersteller drehen ihren Modellen zusehends mit elektrischer Unterstützung den Benzinhahn zu. Trotzdem setzen sie weiter auf Power.

Beispiele sind der Mercedes-Ableger AMG, die M GmbH von BMW und Audi Sport. "Wir stehen unter Strom und elektrifizieren schrittweise unser ganzes Portfolio," sagt Oliver Hoffmann, einer der beiden neuen Chefs bei Audi Sport. Er hat gerade den 441 kW/600 PS starken RS7 enthüllt, mit dem in seiner Flotte der Mild-Hybrid-Einzug hält. Dort unterstützt ein E-Motor beim Anfahren und Beschleunigen. Das soll den Alltagsverbrauch senken. Nächstes Jahr soll dann der eng mit dem Porsche Taycan verwandte E-Tron GT als erstes rein elektrisches Auto bei Audi Sport auf den Markt kommen, und auch der Nachfolger des R8 soll unter Strom gesetzt werden.

BMW M arbeitet am Vision M Next, der optisch an den M1 erinnert und technisch in die Zukunft weist. Schließlich wird das Coupé angetrieben von einem Plug-in-Paket mit einem aufgeladenen Vierzylinder, je einem E-Motor pro Achse, 441 kW/600 PS Leistung und einer rein elektrischen Reichweite von 100 Kilometern, sagt der M-Chef Markus Flasch. Sportwagen seien ohne elektrische Antriebe künftig nicht mehr denkbar. Sein Kollege Tobias Moers vom Mercedes-Ableger AMG sieht das nicht anders. Nicht nur, dass er gerade versucht, mit dem Project One zumindest in einer millionenschweren Kleinserie Formel-1-Technik mit Hybrid-Modul auf die Straße zu bringen. Sondern auch die anderen Modelle werden schrittweise elektrifiziert: Genau wie beim Audi RS7 ist zumindest der elektrische Starter-Generator bei den 53er-Modellen etwa im neuen GLE mittlerweile Standard und wird über kurz oder lang auch in den anderen Baureihen Einzug halten. Von 2021 an, so Moers, soll jedes neue Modell in irgendeiner Weise elektrifiziert sein.

Obwohl sie nicht auf Großserientechnik zurückgreifen müssen und mit kleine Stückzahlen mehr Aufwand betreiben, ändern auch die reinen Sportwagenhersteller ihre Antriebsstrategie: Egal ob McLaren oder Aston Martin, Lamborghini oder Ferrari – sie alle elektrifizieren schrittweise ihre leistungsstarken Verbrenner. Porsche-Chef Oliver Blume, der mit der Premiere des Taycan als erstem voll elektrischen Porsche gerade wie kein anderer Sportwagenchef unter Strom steht, wirbt zwar für das Akku-Auto. Er verspricht aber, dass es bei Porsche immer auch einen Platz für reine Verbrenner in Sportwagen wie dem 911 geben wird.