Trümmer, Tränen, Tod

21. Juli 1971 - Rheinweiler wird zum Katastrophengebiet

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Mi, 20. Juli 2011 um 15:02 Uhr

Bad Bellingen

Am 21. Juli 1971 entgleiste ein Schnellzug mitten in Rheinweiler. 23 Menschen starben, 121 wurden verletzt. Die Erinnerung an die Katastrophe ist auch vier Jahrzehnte nach dem Unglück lebendig. Die Gemeinde Bad Bellingen plant nun eine Gedenkveranstaltung an der Unfallstätte – und will einmal mehr darauf hinweisen, dass Züge auch heute noch entgleisen können.

Die Erinnerung ist noch da. Jahrelang ist Werner Autenrieth mit der Bahn durch Rheinweiler gefahren, früher, als er noch kein Pensionär war, sondern Beamter bei der Bahn und öfter mal am Hochrhein oder in Basel arbeiten musste. "Mein Blick", erzählt der Schallstädter, "ging unwillkürlich immer ans Fenster. Da, wo das Haus stand. Wenn man so eine große Katastrophe erlebt hat, löscht man das nicht mehr so einfach aus dem Gedächtnis." Damals war Autenrieth als Helfer an der Unfallstelle.

23 Tote, 121 Verletzte. Trümmer, Schutt und Asche. Glassplitter, Schrotteile, Gepäckstücke in Vorgärten: Der 21. Juli 1971 ist unvergessen im Dörfchen Rheinweiler. Kurz nach 13 Uhr entgleist in einer scharfen Rechtskurve der Schweiz-Express Basel-Kopenhagen. Die 116 Tonnen schwere Lok schlittert den Hang hinunter und bohrt sich in einem Obstgarten ins Erdreich, ein Waggon schiebt sich in ein Wohnhaus und macht es dem Erdboden gleich – ein fünfjähriges Kind stirbt in den Trümmern.

Der Unfall
Der Tag hatte harmlos begonnen. Die Menschen in Rheinweiler waren aufgestanden, hatten gefrühstückt und waren zur Arbeit gegangen, ins Büro, in die Fabrik, aufs Feld. Eine Rentnerin setzt sich, wenige Minuten nach dem Mittagessen, vor ihrem Haus auf eine Bank, um den schönen Sommertag zu genießen. Auf einmal schreckt sie auf: Ein Schlag wie bei einem Erdbeben erschüttert das Dorf, ...

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