Fairer Handel

Bad Säckingen handelt noch fairer als Nürnberg und Leipzig

Axel Kremp

Von Axel Kremp

Fr, 20. September 2019 um 10:27 Uhr

Bad Säckingen

Bad Säckingen ist eine "Hauptstadt des Fairen Handels": Im Wettbewerb hat die Trompeterstadt den zweiten Platz gemacht und bekommt 40000 Euro. Die Stadt ist der kleinste Preisträger.

"Das ist unfassbar": Auch am Tag nach der Preisverleihung vor rund 700 geladenen Gästen im Kölner E-Werk kann Bad Säckingens Bürgermeister Alexander Guhl noch nicht glauben, was er dort erlebt hat. Bad Säckingen ist eine "Hauptstadt des Fairen Handels 2019". Die Stadt hat in einem bundesweiten Wettbewerb von Engagement global, einem Unternehmen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), den zweiten Platz belegt und dafür 40 000 Euro erhalten.

Groß war die Freude im Rathaus bereits, als Engagement global der Stadtverwaltung schriftlich mitteilte, dass Bad Säckingen unter 100 teilnehmenden Städten aus ganz Deutschland einen von zehn Preisen gewonnen hat. Dass es am Ende der zweite Platz sein würde, hatte der Bürgermeister im Traum nicht erwartet. Entsprechend stolz und glücklich hat er gemeinsam mit dem städtischen Umweltreferenten Ralf Däubler, Willi Moosmann vom Weltlädeli in Murg, Gymnasiallehrerin Hedwig Kubina und Corina Gerspach, der Leiterin des AWO-Kinderhauses Rheinau, den Preis in Köln aus den Händen von Bernhard Felmberg entgegen genommen. Der Abteilungsleiter im Entwicklungshilfeministerium übergab den Preis im Auftrag von Minister Gerd Müller, dem Schirmherren des Wettbewerbs.

Bad Säckingen beweist: Man kann auch als kleine Gemeinde etwas bewegen

Und Felmberg fand lobende Worte für Bad Säckingen, die kleinste der Gemeinden, die in Köln ausgezeichnet wurden. Bad Säckingen, das sich bereits zum fünften Mal um den Titel "Hauptstadt des Fairen Handels" beworben habe, beweise eindrücklich, dass man auch als relativ kleine Gemeinde etwas bewegen könne. Bad Säckingen habe nicht nur fast ausschließlich neue, sondern auch vielseitige und witzige Projekte wie eine Kaffeewette mit dem Bürgermeister oder ein öko-faires Badmattenfest eingereicht. Für die Größe der Stadt beachtlich sei auch "die außerordentliche strategische Verankerung des Themas fairer Handel und faire Beschaffung in der Stadt: mit einer an der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Baden-Württemberg ausgerichteten Stadtstrategie und der Einführung eines nachhaltigen Beschaffungswesens".

Ganz besonders gefallen hat der Jury nach Darstellung Felbergs die überregionale Vernetzung, die in Bad Säckingen auch vor den Landesgrenzen nicht Halt mache. So gebe es gemeinsame Aktivitäten mit der Schweizer Partnergemeinde Glarus, faire Stadtfeste und Vorlesungen an der Kinderuniversität. Auch mit deutschen Nachbargemeinden gebe es Austausch.

Im Gespräch mit der BZ würdigte Bürgermeister Alexander Guhl das große Engagement des städtischen Umweltreferenten Ralf Däubler. Däubler habe sich neben seiner normalen Arbeit für Fairen Handel in Bad Säckingen eingesetzt.

100 Städte und Gemeinden haben sich beworben

An dem Wettbewerb haben sich in diesem Jahr 100 Städte und Gemeinden mit 844 eingereichten Projekten beteiligt. Der Wettbewerb zeichnet seit 2003 Städte und Gemeinden aus, die sich für Fairen Handel und Faire Beschaffung einsetzen. "Hauptstadt des fairen Handels 2019" ist die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz. Sie erhält 70 000 Euro. Den zweiten Platz teilt sich Bad Säckingen mit Münster. Auch die westfälische Großstadt erhält 40 000 Euro. Der dritte Platz und 30 000 Euro gehen an die fränkische Metropole Nürnberg und 20 000 Euro für den vierten Platz gehen nach Leipzig in Sachsen.

Mit je 10 000 Euro dotierte Sonderpreise für gelungene Einzelprojekte gehen nach Dinslaken, Gotha, Hamburg, Lübeck und Westerstede in Niedersachsen.

Bürgermeister Guhl ist überzeugt, dass sich sinnvolle Möglichkeiten finden werden, das Preisgeld einzusetzen. Was genau mit den 40 000 Euro gemacht werden soll, werde wohl die Agenda-Gruppe entscheiden.