Pandemie

Baden-Württemberg droht bald die Corona-Warnstufe zu erreichen

Konstantin Görlich

Von Konstantin Görlich

Do, 21. Oktober 2021 um 12:58 Uhr

Südwest

Die Corona-Infektionszahlen in Baden-Württemberg erreichen seit zwei Wochen Höchstwerte. Das macht sich auch auf den Intensivstationen bemerkbar. Die Warnstufe könnte bald erreicht sein.

Angesichts steigender Infektionszahlen und einer deutlich zunehmenden Auslastung der Intensivstationen in Baden-Württemberg warnt Gesundheitsminister Manfred Lucha davor, bei den Corona-Maßnahmen nachlässig zu werden und nach einem schnellen Freedom-Day zu rufen. Das teilte das Sozialministerium am Donnerstagmittag mit. Viele Menschen hätten offensichtlich das Gefühl, Deutschland bewege sich nun auf einen solchen "Tag der Freiheit" zu, was leider noch nicht der Fall sei. Baden-Württemberg steuere vielmehr auf die landesweite Warnstufe zu, hieß es.



Die Landesinzidenz hatte zum Anfang der Woche erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 überschritten – den früheren Grenzwert der Bundesnotbremse, die derzeit außer Kraft ist. Für Ungeimpfte war zuletzt sogar ein Allzeit-Höchstwerte von über 250 erreicht worden.

"Da sich die Menschen im Herbst und Winter wieder vermehrt in Innenräumen aufhalten, rechnen wir mit einem erhöhten Infektionsgeschehen", sagte Lucha. "Abstands- und Maskenregelung, Hygienekonzepte, Kontakt-Datenverarbeitung, 3G-/2G-Vorlagepflicht sowie eine Testpflicht für Beschäftigte halte ich infektiologisch angesichts der bestehenden vierten Welle für weiterhin erforderlich. Ich bitte alle, das sehr ernst zu nehmen."



Die für die Auslösung der nächsten Stufe voraussichtlich maßgebliche Anzahl der Covid-Intensivpatienten stieg zuletzt ebenfalls und schnellte am Donnerstag auf 222 hoch. Ist der Grenzwert von 250 an zwei Werktagen in Folge überschritten, tritt die Warnstufe in Kraft und bringt landesweit schärfere Regeln.
Die Regeln der Warnstufe

Tritt die Warnstufe in Kraft, müssen Menschen, die weder gegen das Virus geimpft noch von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, in vielen Bereichen negative PCR-Tests vorweisen. Zudem würden dann wieder Kontaktbeschränkungen gelten: Ein Haushalt dürfte sich dann nur noch mit fünf weiteren Personen treffen. Ausgenommen davon wären Genesene und Geimpfte, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren und Menschen, die sich zum Beispiel aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Getrennt lebende Paare gelten als ein Haushalt. dpa

Der andere Wert dieser Regelungsmechanik, die Hospitalisierungsinzidenz, war zuletzt auch klar gestiegen – von Werten nahe zwei auf über drei. Sie kann die reale Belastung der Krankenhäuser aber nicht aktuell abbilden. Ihr Grenzwert für die Warnstufe liegt bei acht.

Minister warnt vor Überlastung der Intensivstationen

"Die Ärzteschaft auf den Intensivstationen ist in Habachtstellung, die Zahl der Patientinnen und Patienten dort steigt derzeit kontinuierlich und könnte schon Ende kommender Woche den kritischen Wert von 250 erreichen", so Lucha weiter. "Der weit überwiegende Teil der Patienten ist ungeimpft. Eine Belastung des Gesundheitssystems wie im vergangenen Winter können wir uns nicht mehr erlauben. Wir haben dem klinischen Personal viel zugemutet, viele Stationen sind personell heute schon am Limit."



Lucha verband die Warnungen mit einem erneuten Aufruf, sich gegen das Coronavirus und gegen Grippe impfen zu lassen und äußerte Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff für Unter-12-Jährige. "Wir müssen uns selbst, unsere Kinder aber auch das Gesundheitssystem schützen", so Lucha.


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