Haushaltsberatungen

Baden-Württembergs Finanzminister Bayaz tritt auf Ausgabenbremse

dpa

Von dpa

So, 22. Mai 2022 um 19:06 Uhr

Südwest

Für den anstehenden Doppeletat sieht Baden-Württembergs Finanzminister Bayaz sieht kaum Spielraum für Mehrausgaben. Zahlreiche Projekte drohen auf der Strecke zu bleiben.

Im anstehenden Doppeletat des Landes werden wichtige Weichen für die Zukunft Baden-Württembergs gestellt: Es entscheidet sich, was der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Co. in dieser Wahlperiode noch umsetzen können. Nicht allzu viel, wie es aussieht. Denn die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie machen den Haushältern große Sorgen.

Bei den Haushaltsberatungen drohen trotz der guten Steuerschätzung zahlreiche Projekte der grün-schwarzen Koalition auf der Strecke zu bleiben. Grund dafür ist der enge finanzielle Korridor für den Doppeletat 2023/2024, den Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) definiert hat.

Zwar sieht sein Entwurf für die Eckpunkte des Haushalts einen Spielraum von insgesamt 850 Millionen Euro für zusätzliche Ausgaben vor, doch gehen davon noch Hilfen für die Kommunen und Kosten für ukrainische Flüchtlinge ab, hieß es am Sonntag in Stuttgart aus der Koalition.

Ukraine-Krieg und Pandemie könnten auf Konjunktur durchschlagen

Allein die Forderungen der Kommunen summieren sich demnach auf über eine Milliarde Euro. Die Spitzen von Grünen und CDU treffen sich am Montagabend, um über die Eckpunkte für den Haushalt zu beraten.

Die Steuerschätzung war erfreulich ausgefallen: Für die kommenden beiden Jahre sollen etwa drei Milliarden Euro mehr an Steuern in die Landeskassen fließen als zu einem früheren Zeitpunkt vorhergesagt. Doch Bayaz warnt davor, dass der Ukraine-Krieg und die Pandemie im Herbst auf die Konjunktur durchschlagen könnten. Sein Entwurf sieht einen Risikopuffer von 640 Millionen Euro vor, falls die Steuereinnahmen einbrechen sollten.

Weil die hohe Inflation auch das Land trifft, will der Minister etwa eine Milliarde Euro dafür zurücklegen. Bayaz muss zudem das strukturelle Defizit aus der mittelfristigen Finanzplanung in Höhe von 5,4 Milliarden Euro decken, das die Corona-Pandemie gerissen hat. Auch hierfür werden ein Teil der prognostizierten Mehreinnahmen und der Überschuss aus diesem Jahr gebraucht.

Ministerien sollen 600 Millionen Euro einsparen

Um überhaupt Spielraum für politische Projekte zu haben, sollen die Ministerien im Gegenzug im Doppeletat 600 Millionen Euro sparen. Zwar will das Finanzministerium hier 40 Prozent, also etwa 240 Millionen Euro, selbst beisteuern, dennoch bleiben noch 360 Millionen Euro, die die anderen Ressorts aus ihren Haushalten bringen müssen.

Kretschmann hatte schon erklärt, es gebe nur geringe Spielräume für Mehrausgaben. Er machte die Vorgabe, es müsse mehr Geld in den Klimaschutz und in Bildung fließen. Es heißt in der Koalition, das Land wolle vor allem in die Sanierung landeseigener Gebäude investieren, um sein Ziel einer klimaneutralen Landesverwaltung bis 2030 noch erreichen zu können.