Zeitreise

100 Jahre Badischer Bahnhof: Im Grenzbereich

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Sa, 07. September 2013 um 00:00 Uhr

Südwest

Der Badische Bahnhof Basel ist der letzte im Bundesbesitz und der weltweit einzige auf fremdem Territorium – seit 100 Jahren. Eine Reise durch bewegte Zeiten und ein Stück Eisenbahngeschichte.

Die Ansage kommt mit solcher Selbstverständlichkeit, dass regelmäßige Bahnfahrer sie kaum noch zur Kenntnis nehmen. Irgendwo auf der Strecke zwischen Efringen-Kirchen und Weil am Rhein kündigt die Stimme des Zugführers aus dem Lautsprecher den nächsten und baldigen Halt in Basel Badischer Bahnhof an – und in leichten Abwandlungen folgt dann ein erläuternder Ergänzungssatz aus dem Handbuch für Zugbegleiter: "Reisende mit Zielen in der Schweiz, Frankreich oder Italien steigen erst am zweiten Halt in Basel am Bahnhof SBB um. Diesen erreichen wir fünf Minuten später." Und dann das Ganze noch einmal in Englisch.

Erst die unsicher fragenden Blicke der ortsunkundigen Mitreisenden – und manchmal deren explizite Nachfragen – rufen die Besonderheit der Situation noch einmal ins Bewusstsein: Eine "German Station" in der Schweiz? Einmalig. Eine Stadt mit lediglich 200 000 Einwohnern, in der ein ICE gleich zweimal hält? Irrsinn, investiert die Bahn doch andernorts Milliarden, um wenige Minuten Fahrzeit zu gewinnen. Ein Bahnhof in einer Schweizer Stadt, von dem es keine Verbindungen ins Inland gibt, sondern nur nach Deutschland, also das Ausland?

In der Tat. Und auch wieder nicht, schließlich ist Riehen eine Schweizer Gemeinde – die einzige, die nicht an das Schienennetz der Schweiz angeschlossen ist, sondern ans deutsche. Ein Sonderfall, wie viele hier. Ein deutscher Bahnhof, an dem die Automaten am Bahnsteig nach Schweizer Geld verlangen? Den zu verlassen einen Grenzübertritt verlangt? Vorbei an den hässlichen gelben Containerkabinen, die wellenbrechergleich mitten im Weg stehen und den morgendlichen Pendlerstrom teilen, aber seit dem Beitritt der Schweiz zum Schengen-Raum praktisch nie mehr besetzt und demnach nutzlos sind.

Der Badische Bahnhof in Basel ist nicht einfach ein Haltepunkt für Züge, an dem Tag für Tag 20 000 Menschen ein- und aussteigen: Berufspendler die allermeisten, Fernreisende, Touristen und Ausflügler. Seit 1913 ist er zudem weltweit ein Unikat, denn er ist der einzige Bahnhof eines Landes im Ausland. Bis dahin gab es einen zweiten Grenzbahnhof, in Genf, den die Schweizerischen Bundesbahnen aber zurückkauften.

Die Besonderheit verdankt der Bahnhof der Geografie. In Basel – wie in Schaffhausen – verläuft die Landesgrenze nicht entlang der natürlichen Grenze, also entlang des Rheins. 1392 hatte Basel den rechtsrheinischen Brückenkopf erworben, das heutige Kleinbasel. 1513 und 1522 kamen Bettingen und Riehen dazu. Dass die Schweiz am Rheinknie in deutsches Hoheitsgebiet ragt, sollte über Jahrhunderte kein Thema sein, doch mit dem Aufkommen der Nationalstaaten hat sich die Bedeutung von Grenzen verändert – und selten wurde dies so erfahrbar wie in der ersten Hälfte des vorigen ...

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